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Lebensqualität älterer Patienten erhalten - Studie startet

Verwirrt nach der Operation - ein ernstes Warnsignal: Annette Widmann-Mauz gibt Startschuss zur PAWEL Studie am Uniklinikum Tübingen

10.07.2017

Vor allem ältere Patientinnen und Patienten über 70 Jahre können nach einer Operation oder einem Krankenhausaufenthalt unter einer Verschlechterung ihrer psychischen oder kognitiven Gesundheit, einem so genannten Delir, leiden. Die betroffenen Patienten sind verwirrt, wissen nicht mehr, wo sie sind, können nicht sagen, welcher Tag heute ist und erkennen manchmal sogar ihre Angehörigen nicht mehr. Ein Team von Wissenschaftlern und Ärzten um Prof. Dr. Gerhard Eschweiler, Leiter des Geriatrischen Zentrums des Tübinger Universitätsklinikums untersucht, wie und ob eine bessere Vorhersage des Delir-Risikos und ein Delir-Präventionsprogramm die Lebensqualität von älteren Patienten verbessern können. Ziel ist, durch engere Zusammenarbeit zwischen niedergelassenen Ärzten und den behandelnden Krankenhäusern das Delir zu vermeiden oder zu reduzieren. Die PAWEL-Studie (Patientensicherheit, Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität) wird vom Innovationsfonds des Bundes und der AOK Baden-Württemberg mit mehr als 5 Millionen Euro gefördert. Neben Tübingen sind an dem Projekt Kliniken und Geriatrischen Zentren in Stuttgart, Ulm, Freiburg und Karlsruhe beteiligt.

 

Am Montag, 17.7.2017, 14 bis 15.30 Uhr

Uniklinikum Tübingen, Kliniken Berg, Gesundheitszentrum, Hoppe-Seyler-Str.6, Gebäudenummer 480, Ebene 4, Tagungsraum 1

 

werden Annette Widmann-Mauz, Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium und Prof. Michael Bamberg, Vorstandsvorsitzender des Klinikums sowie weitere Experten den Startschuss zu der PAWEL Studie geben und den Innovationsfonds für die Versorgungsforschung vorstellen.

Hintergrund

Professor Eschweiler, Altersmediziner an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie Tübingen erläutert das Krankheitsbild: „Viele betagte Patienten entwickeln in den ersten Stunden oder Tagen nach größeren Operationen oder bei einem Krankenhausaufenthalt das sogenannte „Postoperative Delir“. Es kann sich bereits nach dem Erwachen aus der Narkose zeigen oder innerhalb der ersten Stunden oder auch Tage nach der Operation auftreten. Die betroffenen Patienten wissen nicht mehr, wo sie sind, können nicht aufmerksam zuhören und erkennen manchmal sogar ihre Angehörigen nicht mehr. Der „Begriff „Delir“ bedeutet Verwirrtheit und hat in diesem Zusammenhang nichts mit Alkoholproblemen zu tun“, erläutert der Experte für Altersmedizin gleich vorsorglich.

 

Man unterscheidet zwei Formen der Aktivitätsänderung, erklärt Eschweiler. Das „hyperaktive Delir“ äußert sich in motorischer Unruhe, das heißt, die Patienten sind sehr aktiv und erregt, sie sind desorientiert und versuchen dabei auch, Infusionsschläuche oder Katheter zu entfernen bis zur Bettflucht und Weglaufversuchen. Die andere, häufigere Form ist das sogenannte „hypoaktive Delir“. Der Patient wirkt hierbei sehr in sich gekehrt, ist nicht richtig ansprechbar und kann kaum Kontakt mit der Außenwelt aufnehmen. Bewegungsarmut, Ängste und Halluzinationen (falsche Wahrnehmungen) können ebenfalls zum Krankheitsbild gehören.

Beide Formen des Delir sind auch unter dem Namen „Durchgangssyndrom“ bekannt. Schon der Name weist darauf hin, dass eine hohe Chance besteht, dass sich die Verwirrtheit zurückbildet – je nach Patient innerhalb weniger Tage bereits im Krankenhaus oder stetig im Laufe der ersten Monate in der vertrauten häuslichen Umgebung.

 

Das Phänomen ist zwar schon lange bekannt, wie es genau entsteht und wie man vorbeugen kann ist aber noch nicht ausreichend erforscht. Sicher ist, dass es sich um eine Hirnfunktionsstörung handelt, die die Aufmerksamkeit, die Orientierung und die Wahrnehmung der Patienten beeinflusst. Häufig zeigt sich ein gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, der den Teufelskreis aus Stress, Ängsten und Verwirrtheit weiter verstärkt. „Alte und gebrechliche Patienten mit vielen Vorerkrankungen sind besonders gefährdet“, so die Erfahrung des erfahrenen Altersmediziners. Als Auslöser und Ursachen des Delir werden unter anderem Fieber, Infektionen, eine bereits bestehende Demenz, Schmerz, Flüssigkeitsmangel, Mangelernährung, viele Medikamente und altersbedingte Begleiterkrankungen diskutiert. Auch Suchtpatienten und Patienten mit bereits bestehenden Hirnfunktions-einschränkungen, wie beispielsweise ein früherer Schlaganfall, gelten als gefährdet. Männer und Frauen sind dabei gleichermaßen betroffen.

 

Forschung für mehr Prävention

 

Am Tübinger Uniklinikum startet im Juli 2017 die PAWEL Studie, um zu erforschen, welche vor einer Operation bereits bekannten Faktoren ein Delir begünstigen und welche Patienten ein besonders großes Risiko haben zu erkranken. Insgesamt ist in den nächsten drei Jahren die Teilnahme von 1500 Patientinnen und Patienten in Baden-Württemberg geplant, die bereits vor ihrer geplanten Operation auf ihr persönliches Delir Risiko getestet und befragt werden. Delirien gehen unter anderem mit kognitiven Einschränkungen, erhöhter Sterblichkeit sowie einem Fortschreiten von Demenz einher und beinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen ganz beträchtlich. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Operation ein Delir zu erleiden, steigt mit dem Alter der Patientinnen und Patienten und vorbestehender kognitiver Störungen. Die am Uniklinikum in die Studie einbezogenen Studienteilnehmer werden Patienten mit einem geplanten orthopädisch-chirurgischen oder chirurgischen Eingriff am Herz oder Gefäßen sein. Mit den Erkenntnissen sollen später vorbeugende Behandlungskonzepte umgesetzt werden, die im Anschluss in teilnehmenden Kliniken und in Arztpraxen erprobt und auf ihren Erfolg getestet werden.

 

Neben Tübingen sind an dem Projekt Kliniken in Stuttgart, Ulm, Freiburg und Karlsruhe beteiligt. Die AOK Baden-Württemberg und Professor Jürgen Wasem, Essen-Duisburg, berechnen Kosten und Nutzen. Professor Michael Rapp von der Universität Potsdam ist verantwortlich für die komplexe Methodik und Privatdozentin Dr. Christine Thomas, Direktorin der Gerontopsychiatrie am Klinikum Stuttgart, entwickelte die Schulungen zur Delirprävention für verschiedene Berufsgruppen.

 

 

Medienkontakt

 

Universitätsklinikum Tübingen

Prof. Dr. Gerhard W. Eschweiler

Geriatrisches Zentrum am Universitätsklinikum Tübingen

Tel. 07071 29-87517

 

 






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