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"Haarige" Proteine von Bakterien aktivieren Blutgefäßwachstum

Veröffentlicht in The Journal of Experimental Medicine

09.10.2004

Tübingen, den 9. November 2004 Normalerweise verursachen Bakterien beim Menschen Entzündungen. Das Bakterium Bartonella henselae hingegen löst bei abwehrgeschwächten Patienten, z. B. bei AIDS-Kranken, das Wachstum von Blutgefäßen aus. Dieses Phänomen ist einzigartig für die erst 1992 entdeckten Bakterien und wird als bazilläre Angiomatose bezeichnet. Dem Team aus Ärzten und Biologen um Dr. Volkhard A. J. Kempf vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene des Universitätsklinikums Tübingen ist es jetzt gelungen, einen für die Entstehung dieser Gefäßneubildungen verantwortlichen bakteriellen Faktor, Bartonella-Adhäsin-A (BadA), zu identifizieren. Diese Erkenntnis könnte, so die Hoffnung der Wissenschaftler, in noch ferner Zukunft zur Therapie von Gefäßerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall eingesetzt werden. Die Ergebnisse ihrer Forschung werden in der kommenden Ausgabe (November 2004) in The Journal of Experimental Medicine veröffentlicht*. Das Team aus Tübingen und Uppsala (Schweden) fand heraus, dass die Anwesenheit eines Proteins auf der Oberfläche von Bartonella henselae möglicherweise ausschlaggebend für die Verursachung der ungewöhnlichen Infektionserkrankungen (bazilläre Angiomatose) ist. Bei dem als BadA bezeichneten Molekül handelt es sich um eines der größten, bislang beschriebenen bakteriellen Oberflächenmoleküle. Die zirka 100-300 Nanometer lange, haarartige Struktur ist im Infektionsverlauf wahrscheinlich verantwortlich für die Anheftung der Bakterien an Bindegewebssubstanzen (z. B. Kollagene) und Endothelzellen, die Blutgefäße auskleiden. Der Zellkontakt wird dabei über Moleküle (Integrine) auf der Oberfläche der Endothelzellen hergestellt. Werden menschliche Zellen mit Bakterien, auf deren Oberfläche BadA vorhanden ist, infiziert, kommt es danach in den Zellen erst zur Aktivierung des Schlüsselproteins für Gefäßwachstum (hypoxia inducible factor-1) und dann zur Ausschüttung von Substanzen, die das eigentliche Gefäßwachstum auslösen (z.B. vaskuloendothelialer Wachstumsfaktor). Krankheiten der Blutgefäße wie Gefäßverkalkung, Schlaganfall, Herzinfarkt, sind die häufigste Todesursache in der westlichen Welt. „Wir hoffen“, sagt Kempf, „dass unsere Arbeiten Anstöße für neue Behandlungskonzepte von Gefäßkrankheiten geben. Ferner fanden die Forscher heraus, dass in der Mehrzahl der Blutproben von Patienten, die eine Bartonella-Infektion durchgemacht hatten, Antikörper gegen BadA nachgewiesen werden konnten. Diese Beobachtung könnte in Zukunft zu einem neuen, serologischen Nachweisverfahren für Bartonella-Infektionen führen. * Originaltitel des Manuskripts: Tanja Riess, Siv G. E. Andersson, Andrei Lupas, Martin Schaller, Andrea Schäfer, Pierre Kyme, Jörg Martin, Joo-Hee Wälzlein, Urs Ehehalt, Hillevi Lindroos, Markus Schirle, Alfred Nordheim, Ingo B. Autenrieth, Volkhard A. J. Kempf: Bartonella adhesin A mediates a proangiogenic host cell response. Ansprechpartner für nähere Informationen: Universitätsklinikum Tübingen Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene Dr. Volkhard A. J. Kempf Elfriede-Aulhorn-Str. 6, 72076 Tübingen Tel. 0 70 71 / 29-8 15 26, Fax 0 70 71 / 29-54 40 E-Mail





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