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Hodenhochstand

Was ist ein Hodenhochstand (Maldescensus testis)?

Beim männlichen Fötus werden die Hoden zuerst in der Bauchhöhle ausgebildet. Normalerweise wandern sie während der fetalen Entwicklung, manchmal aber auch erst nach der Geburt, abwärts in den Hodensack. Er tritt bei etwa 1 – 3 % aller reifen männlichen Neugeborenen auf. Bei Frühgeborenen tritt der Hodenhochstand wesentlich häufiger auf mit bis zu 30 %. In 75 % der Fälle kommt es innerhalb der ersten 6 Lebensmonate noch zu einem spontanen Descensus (Herabwandern) des Hodens in den Hodensack, danach ist dies nicht mehr zu erwarten. Ursächlich für einen Hodenhochstand ist sehr häufig ein Leistenbruch, der den Hoden mechanisch am Descensus hindert. Weitere mögliche Ursachen sind anatomische Fehlbildungen oder eine Hormonfehlregulierung (unzureichende mütterliche oder kindliche Ausschüttung des Hormons Gonadotropin). Die Position im Hodensack ist deshalb für das Hodengewebe so wichtig, weil hier eine etwas niedrige Temperatur als im Leistenkanal oder in der Bauchhöhle herrscht und das Hodengewebe benötigt diese niedrigere Temperatur, um sich normal entwickeln zu können. Verbleiben die Hoden im Leistenkanal oder in der Bauchhöhle, gibt es ein gewisses Risiko, dass die betroffenen Patienten im Erwachsenenalter in ihrer Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt sein könnten. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass das Risiko für einen späteren Hodentumor etwas erhöht sein könnte.

Verschiedene Formen des Hodenhochstandes

Bauchhoden:

die Hoden sind nicht ertastbar, manchmal mit Ultraschall lokalisierbar, eine Bauchspiegelung ist erforderlich. Eine fehlende Anlage des Hodens und seiner Strukturen ist möglich.

Leistenhoden:

Die Hoden lassen sich im Leistenkanal tasten. Sie können von dort jedoch nicht in den Hodensack heruntergeführt werden.

Gleithoden:

Die Hoden befinden sich im Leistenkanal, sie lassen sich nur unter Spannung in den Hodensack verlagern und gleiten sofort wieder zurück.

Pendelhoden:

Die Hoden sind hier bereits in den Hodensack gewandert, werden aber durch eine kräftige Muskulatur am Samenstrang zum Beispiel bei Kälte oder auch Ängstlichkeit zeitweise in den Leistenkanal zurückgezogen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Der Hodenhochstand wird in der Regel ertastet am besten in ruhiger Atmosphäre und warmer Umgebung. Die Unterscheidung zwischen einem Pendelhoden (muss nicht therapiert werden) und einem Gleithoden (Operation erforderlich) ist nicht immer einfach.

Behandlung

In den Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) wird vom Kinderarzt regelmäßige die korrekte Position der Hoden überprüft. Wenn keine Hoden tastbar sind, sollte nach dem 6 Lebensmonat eine Vorstellung in einer Kinderchirurgie zur weiteren Therapieplanung erfolgen. Ziel ist es, die Behandlung mit Vollendung des ersten Lebensjahres abzuschließen, bei Frühgeborenen gilt das korrigierte Alter. Wird ein Hodenhochstand nicht rechtzeitig behandelt, kann Unfruchtbarkeit oder eine Hodenschrumpfung die Folge sein. Hormontherapie: Bei einer Hormontherapie wird eine Kombination intramuskulären Spritzen (3x) und einem Nasenspray über 3 Wochen durchgeführt. Die Erfolgsquote ist mit 20 – 50 % eher gering und im weiteren Verlauf kommt es in vielen Fällen zu einem erneuten Hodenhochstand. Operation: Bei Leistenhoden oder Gleithoden wird über einen kleinen Schnitt in der Leiste die Hoden mobilisiert und am tiefsten Punkt des Hodensacks fixiert (Orchidopexie), ein oft gleichzeitig bestehender Leistenbruch wird dabei mitversorgt (Herniotomie). Die Operation dauert ca. 30 – 45 Minuten. Bei Bauchhoden, wird eine Bauchspiegelung durchgeführt. Wenn ein regelrechter Hoden vorhanden ist, wird dieser in den Leistenkanal gebracht. In einer zweiten Operation ca. 6 Monate nach der ersten wird die o.g. Orchidopexie durchgeführt.

Im Akutfall melden Sie sich bitte in unserer Kinderchirurgischen Notaufnahme.