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Neonatale Immunologie

Unsere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit den Besonderheiten des Immunsystems von Neu- und Frühgeborenen und der Entwicklung von Abwehrfunktionen in der ersten Phase des Lebens. Warum sind Neu- und Frühgeborene so infektanfällig? Warum laufen Entzündungsreaktionen beim Neu- und insbesondere Frühgeborenen häufig deutlich heftiger ab als im Erwachsenenalter? Warum sind chronische Entzündungsreaktionen in der Lunge (Bronchopulmonale Dysplasie), im Gehirn (Periventrikuläre Leukomalazie) oder im Darm (Nekrotisierende Enterokolitis) häufig Folgeerkrankungen einer Infektion nach der Geburt?

Das Immunsystem ist bei Geburt ebenso wenig ausgereift wie viele andere Organsysteme. Wie Herz und Lunge, so muss sich auch das Immunsystem nach Geburt völlig neuen Gegebenheiten anpassen. Vor der Geburt befindet sich der Fetus in einer sterilen Umgebung, abgeschirmt von Bakterien, Viren und Allergie auslösenden Stoffen. Eine Aktivierung des fetalen Immunsystems kann die Abstoßung des Feten zur Folgen haben. Daher sind Immunreaktionen beim Feten gedämpft. Nach der Geburt muss sich das Neugeborene mit einer immunologisch komplexen Umwelt auseinander setzen, die es erfordert, dass krankheitsauslösende Keime sofort abgewehrt werden. Umgekehrt aber muss die normale Bakterienbesiedlung, z.B. der bis dahin keimlosen Darmschleimhaut, erfolgen können. Dazu ist eine Balance von aktivierenden und hemmenden Faktoren im Immunsystem notwendig, die einer genauen Regulation bedarf.

Wir beschäftigen uns mit der Steuerung von Immunfunktionen durch Monozyten, weißen Blutzellen, die in verschiedene Gewebe auswandern, dort Keime aufnehmen und zerstören können und die weitere Immunantwort steuern. Wir interessieren uns besonders für die Wirkung von Faktoren, die zur Steuerung und Beendigung einer Immunantwort führen, d.h. in der Regel, das Absterben von aktivierten Immunzellen hervorrufen. Dabei arbeiten wir eng mit Arbeitsgruppen aus der Mikrobiologie in Tübingen (Prof. Autenrieth) und in Frankfurt (Prof. Kempf) und Lungenstoffwechsel-Spezialisten aus unserer Abteilung (PD Dr. Dr. Bernhard) zusammen. In der vergangenen Zeit konnten wir zeigen, dass die Ausschüttung von entzündungshemmenden Stoffen durch Monozyten und deren Wirkung auf andere Immunzellen beim Neu- und Frühgeborenen vermindert ist. Außerdem scheinen Monozyten aus dem Blut Neugeborener selbst weniger schnell abzusterben. Die Oberflächenstoffe der Lungenbläschen (Surfactant) scheinen dabei eine regulierende Rolle zu spielen. Diese Besonderheiten könnten mit ursächlich für klinisch bedeutsame Entzündungszustände in der Neugeborenenzeit sein. Die bisherigen Daten beruhen auf Experimenten im Reagenzglas. In den nächsten Jahren versuchen wir, die Prozesse von Entzündungsentstehung und –Beendigung in geeigneten Tiermodellen nachzuahmen und zu verstehen. Die Kontrolle von Entzündungsreaktionen beim Neu- und Frühgeborenen könnte die Überlebenschance der kleinen Patienten verbessern und lebenslange Behinderung vermeiden helfen.

Mitarbeiter

Unser TeamDr. med. Christian Gille, Dr. rer. nat. Bärbel Spring, cand. med. Anja Leiber (wiss. Hilfskraft), cand. med. Franziska Steffen (Doktorandin), cand. med. Iris Mundle (Doktorandin), cand. med. Florian Lepiorz (Doktorand), cand. med. Martina Siefert (Doktorandin), cand. med. Maya Klein (Doktorandin).

Kooperationspartner in Tübingen

Prof. Handgretinger, Klinik für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Abteilung Onkologie (Etablierung eines humanisierten Mausmodells mit Nabelschnurblutstammzellen), PD Dr. Volkhard Kempf, Medizinische Mikrobiologie (Interaktion von neonatalen Monozyten mit Gruppe-B-Streptokokken), Dr. Kirsten Lauber, Department für Innere Medizin, Sektion Molekulare Gastroenterologie (Phagozytose von apoptotischen Partikeln durch neonatale Monozyten), Dr. Matthias Krusch, Department für Innere Medizin, Abteilung Onkologie (Untersuchung des CD95-Signaltransduktionswegs bei neonatalen Monozyten).

Externe Kooperationen

Prof. Orlikowsky, Universitätsklinikum Aachen, Sektion für Neonatologie (Neonatale Monozyten), Prof. Spittler, Klinikum der Universität Wien, Abteilung Experimentelle Chirurgie (Untersuchung des Toll-like-Rezeptor Signalwegs bei neonatalen Monozyten), Prof. Kempf, Universitätsklinikum Frankfurt (Bakterielle Sepsis).

Drittmittelförderung

Stipendium der Deutschen Sepsisgesellschaft (Ch. G.), Stipendium der Sanitätsrat Dr. Alexander Hübner und Gemahlin Stiftung (Deutscher Stifterverband; Ch. G.). Fortüne-Förderprogramm.

Aktuelle Veröffentlichungen

Publikationen Neonatale Immunologie (PDF)