Wie merke
ich, dass ich eine Arthrose des Kniegelenks habe?
Bei Belastung
kommt es allmählich zu Schmerzen im Kniegelenk. Häufig
besteht eine Schwellung, besonders abends. Auch in der Kniekehle
kann eine schmerzhafte Schwellung entstehen (Baker-Zyste). Das
Kniegelenk kann nicht mehr ganz gebeugt werden, auch die Streckung
ist manchmal eingeschränkt. Bei vielen Patienten entsteht
ein zunehmendes O-Bein, seltener ein X-Bein.
Wie kann
eine Arthrose des Kniegelenks ohne Operation behandelt werden?
Oft helfen
zunächst alte Hausmittel, z.B. Quarkwickel. Entzündungshemmende
Salben können aufgetragen werden. Kälte (z.B. ein Kältegelkissen)
hilft meißt besser als Wärme. Entzündungshemmende
Medikamente können auch als Tabletten genommen werden, wegen
der Nebenwirkungen aber nicht über längere Zeit. Krankengymnastik
kann die Beweglichkeit erhalten und verbessern. Schuhe mit weichen
Sohlen und ein Gehstock (der auf der anderen Seite benutzt wird)
entlasten das Kniegelenk.
Wann soll
operiert werden?
Bei einer
Arthrose des Kniegelenks richtet sich die sog. Indikation zur
Operation in erster Linie nach den Beschwerden. Wenn alltägliche
Wege (Spaziergang, Einkaufen, etc.) erhebliche Beschwerden verursachen
oder regelmäßig Schmerzmittel eingenommen werden müssen,
kann mit einer Operation eine wesentliche Verbesserung erzielt
werden.
Welche
Operationsverfahren kommen in Frage?
Bei Patienten
im Alter von über 60 Jahren wird in der Regel empfohlen,
das Kniegelenk durch ein Kunstgelenk (Endoprothese) zu ersetzen.
In diesem Alter regeneriert sich der Knorpel nicht mehr so gut,
so dass Verfahren mit Erhaltung des Kniegelenks meist nicht sinnvoll
sind. Außerdem ist die Haltbarkeit von Knieendoprothesen
inzwischen so gut, dass sie im Alter von über 60 Jahren mit
großer Wahrscheinlichkeit für immer halten. Bei jüngeren
Patienten wird häufig die Beinachse korrigiert, wenn ausgeprägte
O-Beine oder X-Beine vorliegen. Dies führt zu einer Verbesserung
der mechanischen Belastung und damit meist auch zu einer Abnahme
der Beschwerden. Therapien mit Knorpelzellen, etwa eine Knorpeltransplantation
oder die so genannte Mosaikplastik, bei der Zylinder von Knorpel
und Knochen transplantiert werden, kommen lediglich bei Patienten
im Alter von unter etwa 40 Jahren in Betracht. Sie sind bei einer
Arthrose, die das gesamte Kniegelenk betrifft, nicht sinnvoll.
Gibt es
knochensparende Prothesen?
Wenn nur ein Teil des Kniegelenks von der Arthrose betroffen ist
(meist ist es der Anteil auf der Innenseite des Knies) muss nicht
das gesamte Knie ersetzt werden. Dann kommen kleine Prothesen
zum Einsatz, bei denen deutlich weniger Knochen am Kniegelenk
entfernt werden muss. Hierzu zählen die sog. Schlittenprothesen.
Neuartige Prothesen erlauben zusätzlich den Ersatz des Gelenks
zwischen Kniescheibe und Oberschenkelknochen. Neben der verminderten
Entfernung von Knochen haben diese Prothesen den Vorteil einer
kleineren Operation und eines kleineren Hautschnitt. Ob eine solche
kleine Prothese verwendet werden kann, wird anhand der Untersuchung
in der Klinik und anhand des Röntgenbilds entschieden.
Brauchen Frauen andere Prothesen als Männer?
Ein Vergleich der Kniegelenke einer großen Zahl von Männern
und Frauen an der Orthopädischen Klinik in Tübingen
hat gezeigt, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern
gibt. Um dennoch jedes Knie passgerecht mit einer Prothese versorgen
zu können, ist eine Auswahl von vielen verschiedenen Größen
erforderlich. Spezielle Prothesen für Frauen und für
Männer werden jedoch nicht benötigt.
Wie sind die Teile der Prothese am Oberschenkel und am Unterschenkel
miteinander verbunden?
Die große Mehrzahl der künstlichen Kniegelenke sind
so genannte ungekoppelte Gleitflächenprothesen. Dabei werden
lediglich die Oberflächen des Gelenks ersetzt, die Komponenten
der Prothese können sich frei gegeneinander bewegen. Nur
bei Patienten mit ausgeprägter Instabilität, z.B. bei
Rheumatikern oder bei erheblichen O-Beinen / X-Beinen kommen so
genannte gekoppelte Prothesen zum Einsatz. Hier sind beide Teile
durch ein oder mehrere Scharniergelenke miteinander verbunden.
Kann eine Arthrose des Kniegelenkes auch mit Knorpelzellen
behandelt werden?
Nach Abschluss des Wachstums im Alter von etwa 18 Jahren wächst
der Gelenkknorpel nicht mehr. Die Zellen im Knorpel sind dann
nur noch sehr gering in der Lage, Knorpelsubstanz zu produzieren.
Eine Arthrose ist ein Verschleiß von Knorpelsubstanz. Ist
dieser Verschleiß erst einmal eingetreten, kann er nicht
mehr rückgängig gemacht werden. Gängige Therapien
mit Knorpelzellen sind die Knorpeltransplantation, bei der gezüchtete
Zellen in einem schwammartigen Material auf der Gelenksfläche
fixiert werden, oder die so genannte Mosaikplastik, bei der Zylinder
aus Knorpel und Knochen von weniger belasteten Stellen des Kniegelenkes
in den Defekt verlagert werden. Beide Verfahren werden bei isolierten
Defekt in der Gelenkfläche bei jungen Menschen, z.B. nach
Sportverletzungen, regelmäßig verwendet. Wenn eine
Arthrose des Kniegelenkes erst einmal eingesetzt hat, sind sie
nicht mehr erfolgreich.
Wie verläuft die Operation eines künstlichen Kniegelenks?
Der Eingriff kann in Vollnarkose oder in Rückenmarks-Betäubung
(Spinalanästhesie) erfolgen. Die Operation dauert bei einem
erfahrenen Operateur etwa eine Stunde. Der Patient befindet sich
in Rückenlage. Um den Oberschenkel wird eine Druckmanschette
gelegt, die die Blutzufuhr vorübergehend abbindet. Der Blutverlust
beträgt im Mittel etwa 400 ml. Am Ende der Operation wird
die Haut mit Metallklammern verschlossen. Die Schmerzen nach der
Operation sind gut erträglich, da in der Regel über
einen Katheter in der Leiste fortwährend Schmerzmittel gegeben
werden.
Welche Komplikationen können auftreten?
Komplikationen sind insgesamt sehr selten. Bei weniger als einem
Prozent der Patienten heilt die Wunde nicht wie vorgesehen in
den ersten 2 Wochen vollständig zu. Dann muss gelegentlich
nochmal operiert und die Wunde gereinigt werden. Dadurch verzögert
sich die Behandlung, der endgültige Erfolg ist jedoch meist
nicht beeinträchtigt. Selten wird das in den ersten Wochen
angestrebte Bewegungsausmaß von mindestens 0° Streckung
bis 90° Beugung nicht erreicht, so dass das Knie in einer
kurzen Narkose ohne erneute Eröffnung der Wunde mobilisiert
werden muss. Schließlich kommt es selten zu einer geringen
Taubheit der Haut im Bereich des Schnitts, die jedoch langfristig
meist deutlich besser wird und funktionell nicht ins Gewicht fällt.
Wie verläuft die Behandlung im Krankenhaus?
Die erste Nacht befinden sich die Patientin auf der Wachstation,
wo Atmung und Kreislauf kontrolliert werden. Die Schmerzen sind
durch die Gabe von Schmerzmitteln durch Katheter am Bein nur gering.
Am Tag nach der Operation wird auf der normalen Station das erste
Mal aufgestanden, wobei das Bein voll belastet werden kann. Allerdings
dauert es meistens einige Tage, bis der Kreislauf wieder richtig
in Gang kommt. Außerdem ist die Muskulatur des Beins noch
so geschwächt, dass in den ersten Tagen ein Gehwagen benutzt
wird. Die Krankengymnasten kommen täglich zum Üben,
auch am Wochenende. Nach 3 bis 5 Tagen gehen die Patientin meist
wieder mit Gehstützen über den Gang. Nach etwa einer
Woche ist die Wunde in der Regel verheilt, ein Bewegungsausmaß
von 0° Streckung bis 90° Beugung ist erreicht und die
Patienten sind mit Gehstützen einige Schritte auf der Treppe
gelaufen. Dann gehen die Patientin in eine stationäre oder
in eine ambulante Rehabilitation.
Wie lange hält die Knieendoprothese?
Die Lebensdauer von Knieendoprothesen ist von mehreren Faktoren
abhängig, z.B. vom Körpergewicht und vom Aktivitätsniveau.
Meist versagen Endoprothesen durch eine Lockerung der Implantate
im Knochen. Insgesamt ist die Haltbarkeit mit modernen Prothesen
sehr gut. Innerhalb von 10 Jahren nach der Operation versagen
nur ca. 10 Prozent der Prothesen, innerhalb von 15 Jahren nur
ca. circa 20 Prozent. Wenn also eine Knieendoprothese im Alter
von 65 Jahren eingesetzt wird, funktioniert sie im Alter von 80
Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 80 Prozent.
Wird die Kniescheibe auch ersetzt?
Grundsätzlich ist es möglich, an der Rückfläche
der Kniescheibe eine kleine Plastikprothese zu fixieren, sie dann
auf dem Metallschild am Oberschenkel gleitet. Da es hierbei jedoch
auch zu Komplikationen kommen kann, ersetzen die meisten Operateure
die Kniescheibe nur dann, wenn dort starke Schmerzen oder eine
fortgeschrittene Arthrose bestehen. Die anderen Patienten kommen
auch ohne Implantat an der Kniescheibe sehr gut zurecht.
Wie wird die Prothese am Knochen befestigt?
In aller Regel wird Knochenzement verwendet. Dies ist eine selbst
härtende Plastikmasse, die sofort nach der Operation eine
sehr feste Verbindung zwischen Knochen und Prothese herstellt,
so dass die Gelenke vom ersten Tag an voll belastet werden können.
Nur wenige Operateure verwenden zementfreie Prothesen, insbesondere
am Oberschenkel.
Aus welchem Material besteht die Prothese?
Die Komponenten der Prothese für den Oberschenkel und für
das Schienbein bestehen aus hoch veredeltem, medizinischem Stahl.
Dazwischen liegt eine Scheibe aus hartem Plastik (Polyäthylen),
das mit dem Metallteil am Schienbein verbunden ist. Der Abrieb
des Plastik beträgt etwa 1/10 mm pro Jahr und ist somit praktisch
nicht relevant.
Welchen Vorteil hat die sog. minimal-invasive Implantationstechnik?
Mit dieser Technik kann die Länge des Hautschnitts um etwa
ein Drittel und somit auf circa 10 cm verringert werden. Neben
einem kosmetischem Vorteil erwartet man insbesondere weniger Schmerzen,
einen geringeren Blutverlust und eine schnellere Rehabilitation.
Groß angelegte Studien in ganz Europa, die unter anderem
von der orthopädischen Universitätsklinik in Tübingen
geleitet wurden, haben jedoch im Vergleich zum normalen Hautschnitt
keine Vorteile gezeigt. Da kleine Hautschnitte dem Operateur eine
schlechtere Übersicht geben, wird die so genannte minimal-invasive
Implantationstechnik an der orthopädischen Universitätsklinik
in Tübingen an Kniegelenken nicht mehr verwendet.