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Warum Forschung um und mit Kinderfüßen?
Eine große Anzahl der Bundesbürger haben früher oder später in ihrem Leben Fußprobleme unterschiedlicher Art. Viele Fußprobleme beginnen bereits im Kindesalter, werden aber erst in der Pubertät oder im Erwachsenenalter symptomatisch. Dabei ist die Art, wie sich der Fuß entwickelt oft ausschlaggebend für seine spätere Form und Funktion und evtl. Beschwerden während des Erwachsenenalters. So zeigt sich ein starker Anstieg der Knick-Senkfüße („Plattfüße“) in den letzten Jahrzehnten, was sich auf zivilisatorische Entwicklungstendenz zurückführen lässt, wie z.B. das Tragen von Schuhen oder die verstärkte Inaktivität des Fußes.
Um eine unbeeinträchtigte Entwicklung des kindlichen Fußes zu gewährleisten, sollen Schuhe hergestellt werden, die den Ansprüchen des Kinderfußes entsprechen, die sowohl dessen funktionelle als auch morphologische Gegebenheiten berücksichtigen. Aus diesem Grund galt das Forschungsinteresse der Universitätsklinik Tübingen im Auftrag des Schuhhändlers Reno der Entwicklung eines neuen Kinderschuh-Systems auf der Basis aktueller Kinderfußdaten.
Wie wurde geforscht?
Nur durch die Vermessung einer großen Anzahl von Kindern können statistisch gesicherte und verallgemeinerbare Aussagen getroffen werden, und damit für ein möglichst großes Kollektiv passende Schuhe entwickelt werden. Im Jahre 2003/04 wurden bundesweit die Füße von über 3000 Kindern im Alter zwischen 2 und 14 Jahren vermessen . Für die Ermittlung der Fußform wurde ein 3D-Scanner eingesetzt, der eine exakte dreidimensionale Vermessung der Füße ermöglichte. Die individuellen Fußmaße werden aus den 3D-Abbildern errechnet.
Was ist das Besondere an Kinderfüßen?
Kinderfüße– im Gegensatz zum Erwachsenenfuß – befinden sich noch im Wachstum. Dieses Wachstum vollzieht sich jedoch nicht linear, sondern die Fußproportionen von Länge, Weite und Höhe verändern sich im Laufe der Kindheit. So sind beispielsweise kleinere Kinderfüße – relativ zur Fußlänge gesehen – breiter als größere Füße, genauso wird die Vorfußlänge mit zunehmender Schuhgröße kürzer. Gleichzeitig zeigen die einzelnen Fußmaße eine erhebliche Streuung in ihrer Ausprägung. Kurzum: Die Fußform gibt es nicht! Die Füße unterscheiden sich nicht nur in der Länge und Breite, sondern auch in der Höhe, der Vorfuß-Rückfußverhältnis und Vorfußform: Es gibt kurze, breite, lange, quadratische. Um diese Fußvielfalt zu erfassen, wurden Füße mit einer ähnlichen Struktur zu Typen zusammengefasst.
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Drei verschiedene Fußtypen
Verfahren der statistischen Datenanalyse ermöglichen die Gruppierung von Füßen anhand vorher festgelegter Merkmale. Diese sollen die verschiedenen Dimensionen der Fußform repräsentieren. Neben der Fußlänge sind dies für den Vorfußbereich die Ballenlänge, die Ballenbreite und der Ballenwinkel, für den Mittelfußbereich die Spannhöhe, sowie für den Rückfuß die Fersenbreite (vgl. Abbildung).
Um sowohl die Variation der Maße, als auch den Proportionswandel im Laufe des Wachstums berücksichtigen zu können, wurden die Maße in Beziehung zueinander gesetzt: Füße mit ähnlicher Struktur wurden gruppiert. Drei verschiedene Fußtypen gingen aus der Analyse hervor:
- Kräftiger Fußtyp
- Intermediärer Fußtyp
- Schlanker Fußtyp
Wie kommt die Forschung ins Schuhgeschäft?
Die Kinderfuß-Typen werden nun im Schuhbau berücksichtigt und sind nun in verschiedenen Schuhmodellen erhältlich. Gleichzeitig wurde ein Mess-System entwickelt, das es im Schuhgeschäft ermöglicht, dem Fuß – genauer Fußtyp – den richtigen Schuh zuzuordnen. Durch die Zuordnung von Fußtypen und der Auswahl der richtigen Leistenform kann eine optimale Anpassung erfolgen und der Weg zu einer gesunden Entwicklung des Kinderfußes geschaffen werden.

Ihr Ansprechpartner zu diesem Projekt:
Dr. Marlene Mauch
Tel. 07071 / 29-86465
marlene.mauch@med.uni-tuebingen.de
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