1. Übersicht

1.1 Entwicklungsstörungen des Kiefergelenks
Agenesie des Kiefergelenks (fehlende Anlage des Kiefergelenks)
Hypoplasie des Kondylus (mangelnde Entwicklung des Gelenkfortsatzes)
Hyperplasie des Kondylus (überschießende Entwicklung des Gelenkfortsatzes)

1.2 Arthrosis deformans
(deformierende Arthropathie des Kiefergelenks als Endzustand langjähriger Funktionsstörungen oder Kiefergelenkstraumata mit Destruktion der Gelenkflächen und Diskusperforation)

1.3 Arthritiden
(Gelenkentzündungen durch Bakterien, Viren oder andere Mikroorganismen oder im Rahmen von Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, wie rheumatoide Arthritis oder Psoriasis arthropathica ausgelöst)

Akute Formen mit eitrigen Entzündungen
Chronische Formen mit rheumatischen Deformationen des Gelenks, Synovitiden (Ent zündungen des Gelenkknorpels) oder Kondylusresorptionen (Abbau des Gelenkfortsatzes)

1.4 Ankylose
Bindegewebige oder knöcherne Versteifung des Kiefergelenks z.B. als Folge von Traumata

1.5 Tumoren
Gutartige z.B. Osteome, Myxome, Riesenzellgranulome, Hämangiome, Ameloblastome
Bösartige z.B. Metastasen anderer bösartiger Tumore, wie Mamma-, Nieren-, Lungen-, Prostatakarzinome oder primär maligne Tumoren des Kiefergelenks wie Chondro-, Fibrosarkome etc.

2. Konservative Therapiemöglichkeiten
Diese stehen vor jedem chirurgischen Eingriff (außer bei bösartigen Tumoren).
Sie umfassen Entspannungsübungen nach Schulte(spezielle Übungen zur Entspannung der Kaumuskulatur), physiotherapeutische Behandlungen durch Krankengymnastik z.B. unter Anwendung von Wärme, Schienentherapie durch Aufbißbehelfe mit entsprechender Bißsperrung, was zu einer Entlastung der Kiefergelenke und so zu einer Besserung der Beschwerdesymptomatik führt, und Botulinum-Injektionen, ein Einspritzen von Botulinumtoxin in die Kaumuskulatur zur Reduktion des Muskeltonus und somit zum Aufheben von Parafunktionen, wie Pressen und Knirschen(Bruxismus).

3. Chirurgische Therapiemöglichkeiten
Grundsätzlich ist die Indikation zu operativen Eingriffen am Kiefergelenk streng zu stellen, beispielsweise bei ausbleibender Besserung nach konservativer Therapie.

3.1 Arthroskopische Lavage in Kombination mit endoskopischem Shaving
Hierbei wird über ein Endoskop der Gelenkspalt gespült und, falls erforderlich, werden zusätzlich Gelenkveränderungen abgetragen.

3.2 Modellierende Arthroplastik
Hierbei wird die Gelenkfläche abgetragen und so eine Erweiterung des Gelenkspaltes erzeugt, was ebenfalls ein Therapieverfahren bei der Arthrosis deformans darstellt.

3.3 Kondylektomie und Gelenkresektionen
Entfernen des Gelenkfortsatzes und/oder der Gelenkfläche ist z.B. bei der Entfernung gut oder bösartiger Tumoren notwendig. Dies ist ein Verfahren, welches auch bei einer Hyperplasie des Kondylus eingesetzt wird.

3.4 Lückenosteotomie
Hierbei wird ein Teil der Gelenkfläche entfernt und ein trennendes Material zwischen Gelenkfläche und Gelenkfortsatz eingebracht, um bei einer Ankylose eine Reankylosierung zu vermeiden.

3.5 Rekonstruktionen des Kiefergelenks
Bei Nichtanlage, posttraumatischem oder nach tumoroperationsbedingtem Gelenkfortsatzverlust kann durch Knochenknorpeltransplantat, z.B. von der Rippe oder dem Beckenkamm, der Gelenkfortsatz rekonstruiert werden. Dies kann ebenso durch körperfremde Materialien ähnlich wie bei einer Kniegelenksprothese erfolgen.


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Letztes Update der Seite am 22 Nov 2017



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