Preisträgerinnen und Preisträger der Lehrpreise 2025:
Lehrpreise 2025
Student-oriented: Dr. med. Stephan Wolpert (Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde)
Herr Dr. Wolpert überzeugte die Jury durch einen sehr guten Kontakt zu den Studierenden und seine innovativen und praxisnahen Inhalte. Mit schauspielerischem Geschick spielt er verschiedenste Patienteninteraktionen nach und nimmt dabei unterschiedliche Rollen und Charaktere an. Durch diese spielerische und unterhaltsame Herangehensweise können die Studierenden die Lerninhalte gut aufnehmen und nachhaltig verfestigen. Weiterhin trifft Herr Dr. Wolpert mit seinem eigenen Podcast „Hals über Kopf“ den Zeitgeist der aktuellen Studierendengeneration und weckt so Interesse für HNO-Themen auch außerhalb klassischer Lehrformate.
Die Fakultät dankt Herrn Dr. Wolpert für seinen innovativen und motivierenden Einsatz für exzellente, auf die Studierenden zugeschnittene Lehre.
Im folgenden Interview erhalten Sie weitere Einblicke in das Lehrkonzept von Herrn Wolpert:
Bitte beschreiben Sie eine prägende Lehrerfahrung aus Ihrer eigenen Ausbildung/Studienzeit.
Wirklich beindruckt haben mich damals zwei Wochenendkurse, einer in Biochemie und einer in Urologie. In zwei Tagen wurde da fast alles Relevante vermittelt und zwar so, dass es alle verstanden haben. Damals ist mir klar geworden, wie wichtig die intrinsische Motivation der Lehrenden ist und, dass man Lehre auch anders machen kann. Das gilt natürlich nur unter den Gesichtspunkten von damals … unter den aktuellen Lehrformaten hier in Tübingen ist für mich besonders die Sectio Chirurgica inspirierend!
Wie würden Sie Ihre Lehrphilosophie beschreiben?
Mir ist es besonders wichtig, Lerninhalte so niederschwellig und einfach wie möglich zu transportieren. Für mich funktioniert besonders gut mit Nahbarkeit und Interaktion, am besten mit einem „sidekick“, also einem Lehrpartner. Wer mitmacht nimmt auch viel mehr mit, aber dazu muss man sich auch trauen. Eine lockere Atmosphäre und eine Begegnung auf Augenhöhe sind für mich hierbei die Türöffner. Zudem sind ein praktischer Bezug und konkrete Beispiele sehr hilfreich.
Haben Sie Feedback von Ihren Studierenden erhalten, das Ihnen besonders wichtig war?
Feedback ist unglaublich wichtig, und ich muss zugeben, dass ich das anfangs unterschätzt habe. Durch die Evaluation von Studierenden haben wir in der HNO aber auch ich persönlich die meisten Verbesserungen erzielen können. Ein positives Feedback kann aber auch einfach nur eine Belohnung sein für die ganze Zeit und Arbeit die man investiert hat. Ein besonders schönes und unerwartetes Feedback habe ich vor kurzem nach einer Staatsexamens Prüfung bekommen. Die Studierenden und jetzt neuen Kollegen sagten mir, sie hätten sich mit unserem Podcast auf die Prüfung vorbereitet und das sei das beste Lehrformat gewesen, was sie in ihrem Studium kennengelernt hätten.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der heutigen Hochschulbildung und wie gehen Sie damit um?
Ich denke eine besonders große Herausforderung ist die Transformation der seit vielen Jahrzehnten bewährten Lehrformate wie Vorlesung, Seminare und Praktika in die heutige Zeit. Wenn ich die Teilnehmeranzahl der Vorlesungen anschaue, sehe ich dort deutlich weniger Studierende als vor 10 Jahren, obwohl die Evaluationsergebnisse nach wie vor hervorragend sind. Die Einbindung neuer Lehrformate wie unser Podcast oder mittels Virtual Reality verbessert nicht nur die Lehre inhaltlich, sondern erhöht auch die Akzeptanz.
Wie planen Sie, Ihre Lehre in Zukunft weiter zu entwickeln?
Obwohl wir bereits 30 Podcast Folgen aufgenommen haben, decken wir unser Fach bislang nur zu einem kleinen Teil ab, das ist noch ein langer Weg. Neben der Etablierung von VR-Formaten, was vor allem mein Kollege Tobias Albrecht vorantreibt, arbeiten wir an der frühzeitigen Heranführung an mikroskopische und endoskopische OP-Techniken, um unseren Nachwuchs so früh wie möglich für die HNO zu begeistern.
Gibt es neue Ansätze oder Technologien, die Sie in Ihre Lehrtätigkeit integrieren möchten?
Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Das Wissen wächst schnell. Ich versuche immer, mehr zu lernen, indem ich jedes Jahr an zwei bis drei Weiterbildungen teilnehme. Ich aktualisiere meine Folien jedes Semester. Außerdem frage ich die Studierenden am Ende jedes Semesters, über welches Thema sie gerne mehr erfahren hätten. Ich nutze ihre Kommentare, um meinen Unterricht im nächsten Semester zu verbessern.
Welche Ratschläge möchten Sie angehenden Lehrenden geben?
1. Studierende sind unsere zukünftigen Kollegen und so sollten wir uns auch verhalten. 2. Lehre im Team funktioniert besser und macht mehr Spaß, insbesondere, wenn man etwas bewegen willPractice-based: Dr. med. Robert Wunderlich (Anästhesiologie und Intensivmedizin)
Herr Dr. Wunderlich wurde von der Jury für die zahlreichen sehr praxisorientierten Formate ausgewählt. In diesen überzeugt er mit besonders anschaulichen und bisweilen unkonventionellen Methoden; so wurde von ihm z.B. als einer der ersten die Virtuelle Realität breit in der Lehre eingesetzt. Von Planspielen über computergestützten Simulationen bis hin zu Großübungen mit Simulationspatienten, Feuerwehr, THW und DRK bekommen die Studierenden auf unterschiedlichsten Ebenen realitätsnahe Praxiserfahrung vermittelt. Herr Dr. Wunderlich ergänzt die Übungen u.a. auch mit Erfahrungen aus eigenen Auslandseinsätzen. Die von ihm hier an der Medizinischen Fakultät Tübingen entwickelten Lehrkonzepte dienen deutschlandweit als Vorbild.
Die Fakultät dankt Herrn Dr. Wunderlich für seinen Einsatz, mit umfangreicher und aufwendiger praxisnaher Lehre den Studierenden Praxisbezug anzubieten und sie so ideal auf ihre späteren Tätigkeiten vorzubereiten.
Im folgenden Interview erhalten Sie weitere Einblicke in das Lehrkonzept von Herrn Wunderlich:
Bitte beschreiben Sie eine prägende Lehrerfahrung aus Ihrer eigenen Ausbildung/Studienzeit.
Eine besonders prägende Erfahrung während meines Studiums in Tübingen waren die praktischen Wahlfächer in der Hands-on-Notfallmedizin im TÜPASS. Dort habe ich früh erlebt, wie wertvoll praxisnahes Lernen ist und wie sehr sich theoretisches Wissen vertieft, wenn man es direkt anwenden kann. Gerade in der Medizin ist es entscheidend, nicht nur Zusammenhänge zu verstehen, sondern in akuten Situationen sicher und strukturiert handeln zu können.
Eine weitere sehr eindrückliche Erfahrung war im Rahmen meines European Master in Disaster Medicine die große Katastrophenübung in Novara, Italien, mit 85 Verletzten. Diese Übung hat mir auf besondere Weise gezeigt, welche enorme Bedeutung gute Vorbereitung, klare Kommunikation und Teamarbeit in der Katastrophenmedizin haben. In solchen Situationen kommt es darauf an, unter hohem Zeitdruck Prioritäten zu setzen, Ressourcen sinnvoll einzuteilen und als Team verlässlich zu funktionieren. Das hat meine eigene Haltung zur Lehre und zur Ausbildung im Bereich der Katastrophenmedizin nachhaltig geprägt.
Wie würden Sie Ihre Lehrphilosophie beschreiben?
Meine Lehrphilosophie lässt sich am besten mit „Lernen durch Erleben und Anwenden“ beschreiben. Ich bin überzeugt, dass Wissen dann besonders gut verankert wird, wenn es nicht nur gehört oder gelesen, sondern in realitätsnahen Situationen erlebt und aktiv angewendet wird. Gerade in der Notfall- und Katastrophenmedizin ist es wichtig, dass Lerninhalte nicht abstrakt bleiben, sondern in konkrete Handlungskompetenz überführt werden.
Wie fördern Sie die Beteiligung und das Engagement Ihrer Studierenden?
Ich fördere die Beteiligung und das Engagement meiner Studierenden vor allem durch praxisorientierte und interaktive Lehrformate. Dazu gehören Praktika, Simulationen, Fallbeispiele und Szenarien, in denen die Studierenden selbst Entscheidungen treffen und Verantwortung übernehmen können. Besonders in der Katastrophenmedizin ist aktives Mitdenken zentral, denn hier geht es nicht nur um Fachwissen, sondern auch um das Verstehen von Abläufen, Priorisierung und Zusammenarbeit unter außergewöhnlichen Bedingungen.
Wie fördern Sie eine positive Lernumgebung?
Eine positive Lernumgebung entsteht für mich durch Wertschätzung, Offenheit und Lernen auf Augenhöhe. Studierende sollen sich ernst genommen fühlen und gleichzeitig ermutigt werden, Fragen zu stellen, Fehler als Lernchance zu begreifen und sich aktiv einzubringen. Gerade in anspruchsvollen Fächern wie der Notfall- und Katastrophenmedizin ist es wichtig, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Lernen motivierend, sicher und zugleich herausfordernd ist.
Was denken Sie, wie Ihre Lehre das Lernen und die Entwicklung Ihrer Studierenden beeinflusst?
Ich hoffe, dass meine Lehre den Studierenden vermittelt, dass jede und jeder Einzelne mit dem eigenen Wissen, den persönlichen Fähigkeiten und der individuellen Erfahrung einen wichtigen Beitrag leisten kann. Gerade in der Katastrophenmedizin ist Teamarbeit essenziell: Niemand handelt allein, sondern Erfolg entsteht durch das Zusammenspiel vieler. Wenn Studierende aus der Lehre mitnehmen, dass sie sich selbst etwas zutrauen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam mit anderen Lösungen entwickeln können, ist das aus meiner Sicht ein großer Gewinn.
Haben Sie Feedback von Ihren Studierenden erhalten, das Ihnen besonders wichtig war?
Ein besonders schönes Feedback war, dass ich Begeisterung wecken und „Feuer entfachen“ kann. Solche Rückmeldungen sind für mich sehr wertvoll, weil sie zeigen, dass Lehre mehr ist als reine Wissensvermittlung. Gerade in der Katastrophenmedizin ist es wichtig, Interesse, Motivation und ein Bewusstsein für die Bedeutung des Fachs zu vermitteln - denn dieses Themenfeld lebt davon, dass Menschen sich mit Engagement und Überzeugung einbringen.
Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Lehrpraxis und wie sind Sie damit umgegangen?
Eine der größten Herausforderungen waren langwierige Abstimmungsprozesse und begrenzte Ressourcen, insbesondere wenn es darum ging, innovative Lehrformate zu entwickeln und umzusetzen. Gerade in der Katastrophenmedizin ist der Bedarf an praxisnaher Ausbildung groß, gleichzeitig sind geeignete Formate oft aufwendig und organisatorisch anspruchsvoll. Ich bin damit umgegangen, indem ich eigene Freiräume geschaffen, Drittmittel eingeworben und neue Lehransätze pragmatisch und zielgerichtet umgesetzt habe. So konnten Ideen schrittweise in konkrete und nachhaltige Lehrangebote überführt werden.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der heutigen Hochschulbildung und wie gehen Sie damit um?
Eine zentrale Herausforderung sehe ich in der sehr breiten Wissensvermittlung im Medizinstudium auf der einen und den zunehmend spezialisierten Anforderungen der späteren Berufspraxis auf der anderen Seite. Für die Katastrophenmedizin gilt das in besonderem Maße: Hier müssen Studierende lernen, komplexe Situationen schnell zu erfassen, unter Unsicherheit Entscheidungen zu treffen und in interdisziplinären Strukturen zu arbeiten. Ich versuche, diese Herausforderung durch eine Lehre zu adressieren, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern gezielt Transfer, klinisches Denken und Handlungssicherheit fördert.
Wie planen Sie, Ihre Lehre in Zukunft weiter zu entwickeln?
Ich möchte meine Lehre künftig noch stärker durch Simulation, praxisnahe Szenarien und innovative Technologien weiterentwickeln. Für die Notfall- und Katastrophenmedizin bieten sich hier besonders gute Möglichkeiten, da realitätsnahe Übungen und digitale Formate helfen können, komplexe Abläufe besser verständlich und trainierbar zu machen. Darüber hinaus halte ich die nationale und internationale Vernetzung für sehr wichtig, um voneinander zu lernen, bewährte Konzepte weiterzugeben und neue Ansätze gemeinsam zu entwickeln.
Gibt es neue Ansätze oder Technologien, die Sie in Ihre Lehrtätigkeit integrieren möchten?
Ja, insbesondere Virtual-Reality- und Augmented-Reality-Anwendungen sowie webbasierte Simulationen bieten große Chancen. Sie können dazu beitragen, Katastrophen- und Notfallszenarien anschaulich, interaktiv und realitätsnah zu vermitteln. Dadurch lassen sich nicht nur fachliche Inhalte, sondern auch Entscheidungsfähigkeit, Priorisierung und Teamkommunikation gezielt trainieren.
Welche Ratschläge möchten Sie angehenden Lehrenden geben?
Mein Rat an angehende Lehrende ist: Dranbleiben, durchbeißen und auch die extra Meile gehen. Gute Lehre braucht Engagement, Geduld und die Bereitschaft, immer wieder Neues auszuprobieren und weiterzuentwickeln. Gerade in der Medizin - und besonders in der Katastrophenmedizin - ist die Investition in den Nachwuchs von unschätzbarem Wert. Sie lohnt sich fachlich, menschlich und für die Zukunft unseres Fachs in besonderem Maße.
International: Dr. rer. biol. hum. Mahdieh Shojaa (Abteilung Population-Based Medicine)
Frau Dr. Shojaa implementiert in Ihrer Lehre konsequent Vergleichsperspektiven auf globaler Ebene, so z.B. durch das Einbinden von Fallbeispielen aus verschiedenen Ländern. Auch die Veranstaltungen selbst werden durch Ihre internationalen Studierenden mitgetragen, welche von Frau Shojaa passend in die Lehre integriert werden. Ihre Mitarbeit bei der Ausgestaltung von Modulen mit Partneruniversitäten des CIVIS-Netzwerks wird von der Jury als sehr wertvoll erachtet. Frau Dr. Shojaa ermöglicht den Studierenden durch ihr persönliches Engagement internationale Eindrücke und Sichtweisen und nutzt ihr internationales Netzwerk, um Auslandspraktika zu realisieren. In ihrer Rolle als Mentorin steht sie den Studierenden auch bei alltäglichen Problemen zur Seite und hilft ihnen, kulturelle Hürden zu überwinden.
Die Fakultät dankt Frau Shojaa für ihren persönlichen Einsatz für internationale Zusammenarbeit, die den Weg für eine moderne vernetzte Ausbildung ebnet.
Im folgenden Interview erhalten Sie weitere Einblicke in das Lehrkonzept von Frau Shojaa:
Bitte beschreiben Sie eine prägende Lehrerfahrung aus Ihrer eigenen Ausbildung/Studienzeit.
Wenn ich über diese Frage nachdenke, fällt mir als Erstes meine Professorin aus meinem Bachelorstudium in Iran ein. Jedes Semester aktualisierte sie ihre Folien. Im Unterricht hatte sie immer ein freundliches Lächeln. Sie war gut in der Forschung und motivierte uns, neugierig auf Neues zu sein. Sie hatte großen Respekt vor ihren Studierenden und motivierte sie, an sich selbst zu glauben. Ihr Unterricht war immer interaktiv.
Wie fördern Sie eine positive Lernumgebung?
Es gibt einige Regeln, die mir sehr wichtig sind. Ich gehe immer mit einem Lächeln zum Unterricht, auch an schlechten Tagen. Meine Folien enthalten Bilder und nicht viel Text. Das hilft mir, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ich beginne jedes Thema mit einer Frage aus dem Alltag. Das weckt ihr Interesse. Nachdem ich jedes Thema erklärt habe, stelle ich mehrere Fragen und bitte die Studierenden, ihre Gedanken mitzuteilen. Bei jeder Antwort frage ich nach den Gründen dafür und regte zur weiteren Diskussion an. Das führt zu einer interaktiven Unterrichtsatmosphäre. Wenn ihre Antwort falsch ist, urteile ich nicht über sie und versuche, es weiter zu erklären. Ich versuche immer, Augenkontakt mit allen herzustellen, um zu sehen, ob sie es verstehen. Wenn ich merke, dass sie ein Thema nicht verstehen, erkläre ich es noch einmal mit weiteren Beispielen, bis sie es verstehen.
Haben Sie Feedback von Ihren Studierenden erhalten, das Ihnen besonders wichtig war?
Während ihres Praktikums oder ihrer Masterarbeit schicken sie mir in der Regel eine E-Mail, um sich für die nützlichen, praxisorientierten Kurse zu bedanken, die ihnen bei ihrer Arbeit geholfen haben. Außerdem bekomme ich jedes Semester viele positive Kommentare zur Lehrevaluation. Ich möchte einen Kommentar eines meiner Studenten zitieren, den ich schon mehrfach bekommen habe: "Vielen Dank, dass Sie schwierige Forschungskonzepte anhand von Beispielen aus dem wirklichen Leben verständlich erklären. Ihr Unterricht ist wirklich interaktiv." Solche Kommentare zeigen mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin und dass sie meine Bemühungen für meinen Kurs schätzen.
Was waren die größten Herausforderungen in Ihrer Lehrpraxis und wie sind Sie damit umgegangen?
Unser internationaler Masterstudiengang hat Studenten aus verschiedenen Ländern. Das bedeutet, dass manche Studierende sich mit bestimmten Themen auskennen, andere nicht. Ich sollte sie immer fragen, ob sie etwas über das Thema wissen. Manchmal muss ich bestimmte Themen ausführlicher erklären, was mehr Zeit in Anspruch nimmt. Außerdem sind viele unserer Studierenden keine englischen Muttersprachler. Das bedeutet, dass sie möglicherweise einige der in Englisch verwendeten Begriffe nicht kennen. Daher erstelle ich in der Regel eine Liste mit Begriffen und Vokabeln, die meiner Meinung nach für einige Studierende schwierig sein könnten. Am Anfang jeder Sitzung gebe ich ihnen ein paar Minuten Zeit, um die Bedeutung der Begriffe in ihrer eigenen Sprache nachzuschlagen. Das hilft ihnen, das Thema besser zu verstehen.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der heutigen Hochschulbildung und wie gehen Sie damit um?
Heute sehe ich, wie schnell sich KI verändert und einen großen Einfluss auf das Bildungssystem hat. Als Dozentin sollte ich meinen Studierenden erklären, wie sie KI als hilfreiches Werkzeug nutzen können, ohne es zu missbrauchen.
Wie planen Sie, Ihre Lehre in Zukunft weiter zu entwickeln?
Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Das Wissen wächst schnell. Ich versuche immer, mehr zu lernen, indem ich jedes Jahr an zwei bis drei Weiterbildungen teilnehme. Ich aktualisiere meine Folien jedes Semester. Außerdem frage ich die Studierenden am Ende jedes Semesters, über welches Thema sie gerne mehr erfahren hätten. Ich nutze ihre Kommentare, um meinen Unterricht im nächsten Semester zu verbessern.
Welche Ratschläge möchten Sie angehenden Lehrenden geben?
Ich bin noch ganz am Anfang meiner Karriere als Lehrerin. Ich bin seit drei Jahren als Dozentin tätig und lerne immer noch. Mir ist es aber sehr wichtig, immer daran zu denken, dass ich selbst mal Studentin war. Das hilft mir, die Studierenden besser zu verstehen und die Sachen aus ihrer Perspektive zu sehen.
Research-driven: Dr. phil. Marina Danalache (Orthopädie)
Frau Dr. Danalache bietet ihren Studierenden eine sehr interaktive und forschungsnahe Lehre. Sie vermittelt mit außergewöhnlichem Engagement wissenschaftliche Methodik im direkten Bezug zu aktuellen Fragen der Arthroseforschung. Die Studierenden werden in alle Arbeitsschritte wissenschaftlicher Arbeit - von Recherche über Durchführung von Experimenten und Ergebnisdiskussion bis zur Publikation - eingebunden, sodass Wissenschaft für sie direkt erfahrbar wird. Dabei räumt Frau Dr. Danalache auch eigenen Forschungsideen der Studierenden Freiraum ein. Bei sämtlichen Schritten steht sie den Studierenden unterstützend zur Seite.
Die Fakultät dankt Frau Danalache für ihr Engagement in der wissenschaftlichen Lehre, mit der Sie in den Studierenden das Potential einer neuen Generation von Wissenschaftler/-innen fördert.
Im folgenden Interview erhalten Sie weitere Einblicke in das Lehrkonzept von Frau Danalache:
Beschreiben Sie eine prägende Lehrerfahrung aus Ihrer eigenen Ausbildung.
Eine meiner prägendsten Erfahrungen machte ich während meiner Masterarbeit in der Industrie. In dem Versuch, besonders effizient zu sein, habe ich ein Waschsystem überlastet und zwanzig empfindliche Dialysefilter-Prototypen auf einmal zerstört.
Der schwierigste Moment war nicht der technische Schaden, sondern das Gespräch mit meinem Betreuer. Ich entschuldigte mich. Er sagte nur: „Nur wer wirklich arbeitet, macht auch etwas kaputt. Ohne Risiko lernen wir nichts.“
Dieser Satz hat mich nachhaltig geprägt. Fehler sind kein Zeichen von Inkompetenz, sondern oft von Engagement. Entscheidend ist, wie man damit umgeht.
Bis heute versuche ich, genau diese Kultur weiterzugeben: ambitioniert denken, Verantwortung übernehmen, aus Fehlern lernen. Denn wissenschaftlicher Fortschritt entsteht selten aus Vorsicht, sondern aus Neugier, Risiko und der Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen.
Wie würden Sie Ihre Lehrphilosophie beschreiben?
Ich verstehe Lehre als Trainingsraum für Denken (DENK: Dialog fördern, Eigenständigkeit stärken, Neugier wecken, Kritisches Urteilen schärfen).
Es geht nicht nur um Stoffvermittlung, sondern auch um intellektuelle Selbstständigkeit.
Wie fördern Sie Beteiligung und Engagement?
Durch anspruchsvolle Fragen, reale Beispiele und die klare Erwartung, dass Mitdenken Teil der Veranstaltung ist.
Wie fördern Sie eine positive Lernumgebung?
Durch Klarheit, Respekt und Vertrauen. Ich setze hohe Maßstäbe, aber ich lasse niemanden allein, wir wachsen als Team.
Welche Ratschläge möchten Sie angehenden Lehrenden geben?
Fördern Sie kritisches Denken. Gute Lehre zielt nicht auf Zustimmung, sondern auf Präzision im Argument. Wenn Studierende lernen, eigenständig zu denken und zu argumentieren, ist mehr gewonnen als mit jeder noch so perfekten Präsentation. #DialogStattMonolog
Interprofessional: nicht vergeben
Der Preis in der Kategorie Interprofessional wurde in diesem Jahr nicht vergeben.
Lehrmarathon: Dr. med. Andreas Seitz (RBK Kardiologie und Angiologie)
Der Preis in der Sonderkategorie „Lehrmarathon“ wird an die Lehrperson mit den durchgehend besten Bewertungen in der studentischen Lehrevaluationen über die letzten Jahre verliehen.
Herr Dr. Seitz zeichnet sich durch ein dauerhaftes Engagement für hervorragende Lehre aus. Mit Leidenschaft setzt er sich dafür ein, dass seine Studierenden eine erstklassige Ausbildung erhalten. Seine Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich und spannend zu vermitteln, beeindruckt die Studierenden nachhaltig.
Seine sehr guten Bewertungen in der studentischen Evaluation spiegeln nicht nur die fachliche Kompetenz wider, sondern auch seine Fähigkeit, eine positive und motivierende Lernumgebung zu schaffen.
Die Fakultät dankt Herrn Seitz für sein nachhaltiges Engagement und seine Leidenschaft für die Lehre, die zu exzellenten Ergebnissen führen. Die Wertschätzung seiner Studierenden ist ein eindrucksvolles Zeugnis für seine unermüdliche Hingabe.
Im folgenden Interview erhalten Sie weitere Einblicke in das Lehrkonzept von Herrn Seitz:
Beschreiben Sie eine prägende Lehrerfahrung aus Ihrer eigenen Ausbildung.
Da kommt mir als Erstes mein Auslandssemester in den USA in den Sinn. Dort war ich bereits als Student fest in den klinischen Alltag eingebunden - mit klaren Aufgaben, Verantwortung und als Teil eines echten Teams. Lehre fand häufig in kleinen Gruppen direkt aus der klinischen Situation heraus statt, unkompliziert, interaktiv und nah am Patienten. Diese Verbindung aus Teamzugehörigkeit, Eigenverantwortung und kliniknaher Lehre hat mir gezeigt, wie nachhaltig Lernen sein kann, wenn es unmittelbar mit der Patientenversorgung verknüpft ist.
Wie würden Sie Ihre Lehrphilosophie beschreiben?
Gute Lehre ist für mich eine Lehre auf Augenhöhe: Ohne unnötige Hierarchien, mit Raum für Fragen und ohne Angst vor falschen Antworten. Mir ist wichtig, dass Studierende nicht nur zuhören, sondern aktiv mitdenken und sich einbringen. In Zeiten des Internets und Künstlicher Intelligenz ist medizinisches Faktenwissen jederzeit schnell verfügbar. Umso wichtiger ist es, im Studium klinisches Denken, das Verständnis von Zusammenhängen und den Umgang mit medizinischen Konzepten zu fördern. Mein Ziel ist, dass Studierende die medizinischen Inhalte nicht isoliert, sondern im Kontext späterer klinischer Situationen und Entscheidungen lernen.
Was denken Sie, wie Ihre Lehre das Lernen und die Entwicklung Ihrer Studierenden beeinflusst?
Ich freue mich besonders, wenn Lehre nicht nur Wissen vermittelt, sondern Neugier auf ein Fach weckt und Studierende ermutigt, sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln. Ebenso wichtig ist mir, die Hemmschwelle zur Mitarbeit zu senken. Das stärkt Selbstvertrauen, Beteiligung, Eigenständigkeit und klinisches Urteilsvermögen.
Welche Herausforderungen sehen Sie in der heutigen Hochschulbildung und wie gehen Sie damit um?
Eine zentrale Herausforderung im Medizinstudium ist der Spagat zwischen theoretischem Faktenwissen und echter klinischer Erfahrung. Nachhaltiges Lernen entsteht in meinen Augen besonders dann, wenn Studierende Patientenverläufe und Entscheidungsprozesse mitverfolgen und sich als sinnvoller Teil eines klinischen Teams erleben. Da dies im Studienalltag natürlich nicht immer vollständig umsetzbar ist, versuche ich in meiner Lehre, klinische Situationen, Entscheidungsprozesse und Kasuistiken so realitätsnah wie möglich abzubilden.
Gibt es neue Ansätze oder Technologien, die Sie in Ihre Lehrtätigkeit integrieren möchten?
Ich möchte moderne technische Möglichkeiten künftig noch gezielter in meine Lehre einbinden. Dazu gehören beispielsweise digitale Live-Umfragen und andere Interaktionselemente, mit denen sich auch größere Gruppen aktiv beteiligen lassen.
Welche Ratschläge möchten Sie angehenden Lehrenden geben?
Für mich beginnt gute Lehre mit Freude am Unterrichten. Nur wenn wir als Lehrende selbst motiviert sind und Begeisterung weitergeben, kann dieser Funke auch auf die Studierenden überspringen. Gleichzeitig würde ich raten, den Schwerpunkt auf Interaktivität, klinische Relevanz und das Verständnis von Zusammenhängen zu legen. Angehenden Lehrenden würde ich außerdem raten, Lehre als etwas zu verstehen, das man selbst kontinuierlich weiterentwickelt - auch durch Rückmeldungen der Studierenden.
Die Medizinische Fakultät Tübingen gratuliert allen Preisträgern und Preisträgerinnen und bedankt sich für die herausragenden Leistungen und den persönlichen Einsatz in der Lehre.