Krisenintervention - Kinder

Inside UKT Krisenintervention - Kinder Station 3

Halt geben in akuten Krisen

Die Krisenstation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist ein besonderer Bereich, der sich auf die akute psychiatrische Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat. Ziel ist es, in psychischen Ausnahmesituationen schnell, sicher und stabilisierend zu helfen. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die sich in einer akuten seelischen Notlage befinden und nicht mehr ausreichend ambulant betreut werden können. Sicherheit, Halt, Beziehungsarbeit und der Aufbau von Selbstregulation stehen dabei im Fokus. Die Atmosphäre ist ruhig, wertschätzend und auf Beziehungskontinuität ausgerichtet.

Schwarz

ist die Lieblingsfarbe unserer Patientinnen und Patienten

Es ist immer laut,

aber nicht immer wegen der Patienten und Patientinnen…

Wir arbeiten

manchmal auch im Kino oder auf dem Stocherkahn

5 Fragen an...

1. Was macht Deeskalation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie besonders herausfordernd?

In unserem Arbeitsfeld spielt der pädagogische Aspekt eine große Rolle und genau das macht Deeskalation oft schwierig, da Deeskalation voraussetzt, generelle Regeln ausnahmsweise auszuhebeln um Zugang zu Patienten und Patientinnen in Akutsituationen zu bekommen.

2. Inwiefern hilft es, die persönliche Geschichte und die aktuelle Gefühlslage eines Kindes oder Jugendlichen zu verstehen, um Eskalationen vorzubeugen?

Um eine Patientin oder einen Patienten adäquat deeskalieren zu können ist es grundlegend wichtig die primäre Emotion herauszuarbeiten, d.h. welche Emotion ist der eigentliche Grund für diese unglaubliche Wut die wir als Außenstehende wahrnehmen. Wenn ich also die Vergangenheit eines Jugendlichen oder einer Jugendlichen kenne, werde ich in der Interaktion gezielt auf meine Wort- und Themenwahl achten um potenzielle „Trigger“ zu vermeiden.

Constantin, Jugend- und Heimerzieher und Deeskalationstrainer
3. Welche Bedeutung hat das Umfeld – etwa die Station, die Schule oder die Familie – für den Erfolg von Deeskalationsstrategien?

Im psychiatrischen Setting hat die Patientin oder der Patient meist das Glück, dass das Personal dementsprechend geschult ist. D.h. sie sind bei uns meist in einem geschützten Setting und werden wertschätzend und einfühlsam behandelt. Dies führt natürlich oft dazu, dass Belastungserprobungen einen längeren Prozess darstellen. Aber das ist auch in Ordnung.

4. Wie gelingt es Fachkräften in akuten Krisensituationen deeskalierend zu wirken?

Generell basieren Deeskalationsstrategien, egal welches Setting, immer auf Empathie, Verständnis und einem Begegnen auf Augenhöhe. In den meisten Fällen wollen Patientinnen und Patienten einen „Verbündeten“ in der Akutphase, der ihre Ansicht nachvollzieht und für sie da ist.

5. Welche Methoden oder Haltungen haben sich Ihrer Erfahrung nach als besonders wirksam im Umgang mit aggressivem oder selbstverletzendem Verhalten erwiesen?

Für mich ist es immer wieder wichtig zu betonen, dass Patientinnen und Patienten oft störungsbedingt handeln. Mir muss in jeder Akutsituation klar sein, dass der Patient oder die Patientin bzw. das Verhalten keine Absicht ist, sondern dass dieser einfach nicht anders kann. Die Haltung hilft mir im Alltag enorm und aufgrund dessen kann ich mit schwierigen Situationen auch deutlich einfacher umgehen, da ich weiß, der Patient/die Patientin möchte mich nicht ärgern, sondern sein Verhalten ist meist eine normabweichende Form von Kommunikation – oder einfach gesagt ein Hilferuf.

Constantin, Jugend- und Heimerzieher und Deeskalationstrainer

Ein Tag auf Station

Multitasking auf Profi-Niveau

Du kannst gleichzeitig ein Gespräch führen, einen wütenden Jugendlichen beruhigen und den Kaffeebecher retten, bevor er umkippt? Willkommen im Team.

Beziehungsarbeit mit Tiefgang

Ja, wir haben es mit echten Notlagen zu tun. Aber die Verbindung, die du zu einem Kind aufbaust, das zum ersten Mal Vertrauen fasst? Unbezahlbar. (Auch wenn du vorher angeschrien, beschimpft oder angespuckt wurdest.)

Und ja: Wir haben Humor.

Denn mal ehrlich – manchmal bleibt einem gar nichts anderes übrig. Wenn man erlebt hat, wie ein Kind dem Psychiater erklärt, dass „Diagnose eh egal ist, weil TikTok sagt, ich hab alles“, dann hilft: tief durchatmen, schmunzeln und weitermachen.

Adelheid Volenzski

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Silvia Brand
Silvia Brand Pflegedienstleitung 07071 29-82323 Silvia.Brand@med.uni-tuebingen.de
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Judith Strate Stv. Pflegedienstleitung 07071 29-84564 Judith.Strate@med.uni-tuebingen.de