Springe zum Hauptteil

Das Klinikum

Die Geschichte des Universitätsklinikums

Nachdem Graf Eberhard, der erste Herzog von Württemberg, die notwendige päpstliche Zustimmung erhalten hatte, gründete er 1477 die Universität Tübingen. Zu den vier Gründungsfakultäten gehörte neben der Theologischen, der Juristischen und der Artistischen (später Philosophischen) auch die Medizinische Fakultät. Gekennzeichnet wurde sie mit einem Blattornament, das als Akanthusblatt gedeutet wird.

Ferdinand Autenrieth eröffnet 1805 die erste Tübinger Uniklinik

Prof. Ferdinand Autenrieth © Universitätsarchiv Tübingen

Beinahe 300 Jahre lang studierten die jungen Mediziner ohne eine "Uniklinik". Die Praxis beschränkte sich zunächst auf die Teilnahme an Sprechstunden und Hausbesuchen des Professors.

Später folgten vergebliche Versuche, ein adäquates Krankenhaus für die Ausbildung der Studenten zu finden.

Erst 1805 konnte Johann Ferdinand Autenrieth die ehemalige Burse erfolgreich als Lehrkrankenhaus umbauen. 15 Krankenbetten, ein Hörsaal, Vorzimmer, Archivzimmer, Mikroskopierzimmer und Laboratorium, Wartezimmer, Untersuchungszimmer für Männer und Frauen, Operationssaal, Geburtshilfe, Zimmer für ansteckende Krankheiten und für Wahnsinnige fasste die Burse.

Chronik

Im Jahre 1477 wurde mit der Universität Tübingen die Medizinische Fakultät gegründet. Das Universitätsklinikum kam über 300 Jahre später dazu. Ferdinand Autenrieth richtete als Universitätskanzler das neue Klinikum 1805 ein. Sein berühmtester Patient war der Dichter Friedrich Hölderlin.

Mehr erfahren

Komfortable Ausstattung, schöne Lage - das neue Klinikum ist beliebt

Wie die Krankenversorgung und die hygienischen Bedingungen damals aussahen, ist heute schwer vorstellbar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die erste zentrale Wasserleitung in Tübingen 1879 fertig gestellt wurde. In der Burse gab es allerdings neben Operations- und Geburtszimmer einen besonders eingerichteten Raum für Augenkranke, ein Lesezimmer und ein Zimmer "wo Kranke zusammen kommen", dazu zwei Badezimmer und zwölf "heizbare" Zimmer. Besonders erwähnt wurden die Lüftung, die beim Heizen im Winter die Zimmer mit frischer, bereits erwärmter Luft versorgte sowie die Möglichkeit zu Flussbädern im Neckar und zu Dampfbädern im Haus.

Diese für die damaligen Verhältnisse komfortable Ausstattung und die schöne Lage sprachen sich schnell herum. Berühmte Patienten wie Hölderlin wurden im Klinikum behandelt. Die Zahl der Studenten stieg in den nächsten fünfzig Jahren von sechs auf ungefähr siebzig.

Aus dem Lehrkrankenhaus wird ein eigenes Stadtviertel

Mit ihren begrenzten Kapazitäten konnte die Burse auf längere Sicht den Anforderungen kaum gerecht werden. So wurde bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ein neues akademisches Krankenhaus für Medizin und Chirurgie außerhalb der Stadtmauern gebaut. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts entstanden schrittweise die ersten Spezialkliniken in Tübingen: Die Augenklinik (1875), eine selbständige medizinische Klinik (1879), die Ohrenklinik (1888), eine neue Frauenklinik (1890, nachdem die Burse zu baufällig war) und eine psychiatrische Klinik (1893). Aus dem Klinikgebiet war schnell ein eigenes Stadtviertel geworden.

Eine unendliche Baugeschichte setzt sich fort

Nach dem zweiten Weltkrieg ging die Auslagerung immer neuer Spezialfächer weiter. Weil im Stadtgebiet die attraktivsten Plätze bereits vergeben waren, wich man in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf den Schnarrenberg aus. Dort sollte ein zusammenhängendes Großklinikum entstehen, da man sich bemühte, die verwaltungstechnische Unabhängigkeit der Kliniken aufzugeben und die verschieden ausgebildeten Fachleute auf eine größere Zusammenarbeit in der Forschung und am Krankenbett drängten. Geplant wurde in gigantischen Ausmaßen - musste doch neben der immer größer werdenden Zahl an Patienten auch Platz für Forschung und Lehre gefunden werden. Aus Geldmangel scheiterte allerdings der gleichzeitige Bau aller Kliniken, die Gebäude wurden abschnittsweise eröffnet. Noch heute befindet sich der Schnarrenberg beständig in Umbau und Weiterentwicklung - eine unendliche Baugeschichte.

Das Universitätsklinikum wird eigenständig

Die laufenden Kosten des Gesamtklinikums waren für die Universität gegen Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr aufzubringen. Das Klinikum erlangte eine immer größere Eigenständigkeit. 1998 wurde es endgültig zu einer selbständigen Anstalt des öffentlichen Rechts. 2003 attestierte der Wissenschaftsrat dem Tübinger Klinikum eine Schrittmacherfunktion in der deutschen Hochschulmedizin.

Zwei Jahre später feierte das Klinikum sein 200-jähriges Bestehen. Im Alten Botanischen Garten pflanzten Klinikum, Universität und Stadt einen Ginkgobaum zur Erinnerung an die bewegte gemeinsame Geschichte.