CAR-T Zellen Therapie am Tübinger Zentrum für Hämatologische Stammzelltransplantation und Zelltherapie

Was sind CAR-T-Zellen?

Bei einer CAR-T-Zelltherapie wird das eigene Immunsystem genutzt, um die Grunderkrankung – meist bestimmte Formen von Krebs bzw. Blutkrebs – gezielt zu bekämpfen. Dafür werden körpereigene T-Zellen aus dem Blut entnommen und im Labor mit einem neuen Rezeptor ausgestattet. Dieser Rezeptor ermöglicht es den CAR-T-Zellen, die Tumor- oder krankhaften Immunzellen zu erkennen und gezielt anzudocken.

Bei welchen Erkrankungen werden CAR-T-Zellen eingesetzt?

CAR-T-Zellen werden vor allem bei bestimmten Lymphomen, Leukämien und beim multiplen Myelom eingesetzt. Meist kommt die Therapie dann zum Einsatz, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend wirken. Darüber hinaus gibt es individuelle Forschungsansätze für die Anwendung bei Autoimmunerkrankungen und neurologischen Erkrankungen, die derzeit noch in klinischen Studien geprüft werden.

Wie entstehen CAR-T-Zellen?

Die T-Zellen werden während einer Blutwäsche (Apherese) entnommen und entweder durch einen kommerziellen Hersteller oder im Stammzelllabor des Universitätsklinikums Tübingen mit dem Rezeptor ausgestattet. Nach einer kurzen vorbereitenden Chemotherapie werden die veränderten CAR-T-Zellen wieder zurückgegeben. Im Körper nehmen sie ihre Arbeit auf, stimulieren andere Abwehrzellen und zerstören so die erkannten Tumor- oder Immunzellen.

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So läuft Ihre CAR-T-Zelltherapie bei uns ab

Wenn Sie für eine CAR-T-Zell-Therapie in Frage kommen, wird Ihr behandelnder Arzt oder die Ärztin Ihren Fall in einem unserer Boards vorstellen. Die Entscheidung für die Therapie wird nach den aktuellen Leitlinien unter Beachtung Ihrer Nebenerkrankungen und der erwarteten Effektivität der möglichen Therapieansätze festgelegt.

Im nächsten Schritt erhalten Sie einen Termin in unserer CAR-T-Zell-Ambulanz, hier werden noch weitere Voruntersuchungen (Blutabnahmen, Bildgebung) veranlasst und Ihre Akte vervollständigt. Bei diesem Termin erfolgt auch die ausführliche Aufklärung über die geplante Therapie.

Nach der Entscheidung für die Therapie wird mit dem Stammzelllabor oder der Firma ein Termin vereinbart an dem die Zellen direkt weiter verarbeitet werden können. Sie erhalten einnen Termin zur sogenannten Apherese, bei der ihr Blut über großvolumige Venenzugänge an eine Aphereseinheit angeschlossen wird, die Ihre T-Zellen entfernt und die restlichen Bestandteile des Blutes Ihnen wieder zuführt. Für die Apherese müssen ambulant 1-2 Tage von 4-6 Stunden eingerechnet werden und es werden großvolumige Venenzugänge benötigt, manchmal wird hier ein sogenannter ZVK (zentraler Venenkatheter) gelegt. 

Die gesammelten T-Zellen werden entweder frisch in unserem eigenen Stammzelllabor sofort weiterverarbeitet, oder eingefroren und auf schnellstem Wege zum kommerziellen Hersteller transportiert.

Die T-Zellen werden im Labor mit einem DNA-Abschnitt, der für einen sogenannten CAR (chimären Antigenrezeptor) kodiert, ausgestattet. Das endgültige Produkt durchläuft mehrere intensive Qualitätskontrollen bevor es fertig zur Anwendung ist. Je nach Herstellungsort dauert dieser Prozess ca. 2 Wochen, in unserem Labor kann die Herstellung nicht zuletzt aufgrund der kurzen Wege, deutlich schneller erfolgen.

CAR-T Zellen werden als Infusion verabreicht, in der Regel wird vor der Gabe eine schwache Chemotherapie durchgeführt, die die noch vorhandenen Immunzellen der Patientinnen und Patienten vermindern soll (Lymphodepletion).

Für eine CAR -T-Zell-Therapie müssen Sie also neben der ambulant durchgeführten Apherese auch einen stationären Aufenthalt von 5-10 Tagen einrechnen.

Die Nachüberwachung nach einer CAR-T-Zell-Therapien erfolgt in den ersten Stunden und Tagen im stationären Kontext und im Anschluss daran über unsere CAR-T-Zell Ambulanz in enger Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern innerhalb und außerhalb der Klinik.

   

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

Welche Risiken und Nebenwirkungen gibt es?

CAR-T-Zellen sind eine „intelligente“ und zielgerichtete Therapie, aber das Immunsystem wird dabei sehr stark aktiviert. Es können ungerichtete unerwünschte Effekte auftreten – vor allem, wenn die CAR-T-Zellen sich im Körper schnell vermehren.

Mögliche Nebenwirkungen sind:

  • CRS – Zytokin-Release-Syndrom:
    Durch die starke Aktivierung des Immunsystems werden große Mengen an unterschiedlichen Botenstoffen freigesetzt („Zytokinsturm“).
    Das kann zu Symptomen wie Atemnot, schnellem Herzschlag, hohem Fieber und Blutdruckschwankungen, Magen- und Darmbeschwerden und Kopfschmerzen führen.

  • ICANS – neurologische Nebenwirkungen:
    Zwar seltener, aber dennoch ernstzunehmen sind neurologische Symptome wie etwa Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten.

  • Vorübergehend erhöhtes Infektionsrisiko:
    Durch die Behandlung kann das Immunsystem geschwächt sein, wodurch Infektionen leichter auftreten können.

Aus diesen Gründen erfolgt eine CAR-T-Therapie immer in spezialisierten Zentren mit hoher Erfahrung im Umgang mit diesen Reaktionen.

Wie werden CAR-T Zellen hergestellt?

Tübingen mit Spitzenstellung

Die Herstellung von CAR-T Zellen ist ein aufwändiger, hoch regulierter Prozess. Nur wenige Kliniken in Europa haben die Erlaubnis, eigene Zellprodukte herzustellen – das Stammzell-Zentrum in der Universitätsklinik Tübingen ist eine davon. In einem gemeinsamen Stammzelllabor der Inneren Medizin II und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I werden unter Reinraumbedingungen manipulierte Stammzelltransplantate und andere Zelltherapien wie virusspezifische T-Zellen und CAR-T-Zellen patientenindividuell hergestellt. 

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Herstellung von CAR-T Zellen im Stammzelllabor der Inneren Medizin II und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin I unter Reinraumbedingungen

Ihre Behandlung am Zentrum für Stammzelltransplantationund Zelltherapie für Kinder und Erwachsene

Ihre Behandlung am
Zentrum für Stammzelltransplantation
und Zelltherapie für Kinder und Erwachsene

50 Jahre Expertise auf dem Gebiet der Zelltherapie

Im Zentrum für Zelltherapie Tübingen verbinden wir über 50 Jahre Erfahrung mit modernster Forschung und Praxis. Bei uns erhalten Sie alle zugelassenen CAR-T-Therapien sowie innovative Zellprodukte aus eigener Herstellung – alles unter einem Dach.
Die Zellentnahme (Leukapherese) erfolgt direkt in unserer hauseigenen Einheit. Das interdisziplinäre Team aus mehr als zehn Partnerabteilungen sorgt dafür, dass Sie von der Vorbereitung über die Behandlung von Nebenwirkungen bis zur Nachsorge bestens betreut sind.

Kontakt

Zum Zentrum

E-Mail-Adresse: zzt@med.uni-tuebingen.de


"Unser Ziel ist es, Ihnen durch innovative Therapien den bestmöglichen Behandlungserfolg zu bieten."

Prof. Dr. med. Claudia Lengerke
Zentrumsvorstand ZZT

Behandlung mit CAR-T-Zellen: Warum erst so spät?

Die CAR-T-Zelltherapie ist sehr wirksam, aber auch komplex. Sie wird derzeit vor allem dann eingesetzt, wenn andere Behandlungen wie Chemotherapie, Antikörper- oder Stammzelltherapie nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Dafür gibt es mehrere Gründe.

CAR-T-Zelltherapien sind bislang nur für bestimmte Erkrankungen und Behandlungssituationen zugelassen. Die Studien, auf denen diese Zulassungen basieren, wurden hauptsächlich bei Patientinnen und Patienten durchgeführt, bei denen andere Therapien wie Chemo- oder Antikörpertherapie nicht ausreichend gewirkt haben. Daher dürfen CAR-T-Zellen aktuell meist erst dann eingesetzt werden, wenn andere Behandlungsoptionen ausgeschöpft sind.

CAR-T-Zellen erkennen krankhafte Zellen über eine definierte Zielstruktur und greifen diese sehr präzise an. Im Gegensatz zu klassischen Chemotherapien, die alle schnell wachsenden Zellen im Körper treffen können, handelt es sich hier um eine zielgerichtete Immuntherapie. Dennoch bleibt es eine intensive Behandlung: In seltenen Fällen können auch gesunde Zellen betroffen sein oder es können überschießende Immunreaktionen auftreten.

Für CAR-T-Zellen werden körpereigene Immunzellen entnommen, im Labor gentechnisch verändert und wieder zurückgegeben. Das dauert mehrere Wochen und kann nur in spezialisierten Zentren erfolgen.