Inno:Care
Stress, mentale Gesundheit und Resilienz bei informell pflegenden Angehörigen. Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Ziel von Inno:Care ist es, die Versorgung im Bereich der psychischen Gesundheit von informell pflege

Ziel von Inno:Care ist es, die Versorgung im Bereich der psychischen Gesundheit von informell pflegenden Angehörigen zu verbessern.

Informell pflegende Angehörige unterstützen und versorgen pflegebedürftige Menschen regelmäßig aus familiärer, freundschaftlicher oder nachbarschaftlicher Verbundenheit – ohne dafür beruflich ausgebildet zu sein und bezahlt zu werden. Häufig sind dies Familienangehörige wie Ehepartner, Eltern, Geschwister oder Kinder. Informelle Pflege stellt eine Langzeitaufgabe dar. Die damit verbundene dauerhaft hohe psychische Belastung kann zu Stress, Erschöpfung und gesundheitlichen Problemen führen.

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Informell pflegende Angehörige leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die zu versorgenden Menschen, ihre Familien sowie für die Gesellschaft und die Wirtschaft. Sie sind dadurch jedoch häufig Belastungen ausgesetzt, die ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen können. Diese Belastungen und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit werden im Gesundheitssystem und in der Forschung bislang noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Um Langzeiteffekte für informell pflegende Angehörige und ihre Familien zu vermeiden und die Resilienz der Angehörigen zu stärken ist eine qualitativ hochwertige, präventive Versorgung notwendig, die einfach erreicht und eingesetzt werden kann. Hier setzt Inno:Care mit dem Konzept an, pflegende Angehörige aktiv auf allen Ebenen der Forschung zu beteiligen.

Eine partizipative, interaktive, co-kreative Zusammenarbeit zwischen informell pflegenden Angehörigen und Akteuren und Akteurinnen aus Versorgung, Politik, Gesundheitssystem und Verwaltung soll dazu beitragen die psychische Gesundheit langfristig zu erhalten und die Situation von pflegenden Angehörigen insgesamt zu verbessern.

Die Studienleitung von Inno:Care sitzt am Standort Tübingen des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG), an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Die Co-Leitung sitzt am DZPG-Standort Berlin-Potsdam an der Freien Universität Berlin.

Pflegende Angehörige haben eine zentrale Rolle im Versorgungssystem, da sie oft über Jahre hinweg und unter hoher Belastung Patientinnen und Patienten versorgen. Die zugrundeliegenden Erkrankungen und Einschränkungen der zu versorgenden Personen sind sehr unterschiedlich: Es können Personen mit Demenz sein, Personen mit chronischen, körperlichen Erkrankungen aber auch Personen mit psychischen Erkrankungen. Die pflegenden Angehörigen können Ehepartner oder -partnerinnen, Eltern oder auch Geschwister sein. Unterscheidet man pflegende Angehörige anhand der Grunderkrankungen der Patientinnen und Patienten, stellen sie eine sehr diverse Gruppe dar. Im Rahmen ihrer Pflegeaufgaben übernehmen die Angehörigen häufig eine koordinierende und regulierende Rolle im Familiensystem, an den Schnittstellen zum sozialen Umfeld sowie zum Gesundheitssystem.

Inno:Care richtet den Blick nicht nur auf Belastungen, sondern auch auf stärkende Faktoren und Kraftquellen. Resilienz wird hierbei als die Fähigkeit angesehen, Belastungen angemessen zu verarbeiten und die eigene Handlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dies kann ein wichtiger Schutzfaktor in schwierigen Lebenssituationen und bei Überlastung sein.

Im Rahmen von Inno:Care werden durch partizipative, co-kreative und prozessbegleitende Methoden quantitative und qualitative Daten erfasst.

Informell pflegende Angehörige sind Personen, die einen pflegebedürftigen Menschen regelmäßig unterstützen, ohne dafür beruflich ausgebildet oder bezahlt zu werden. Häufig sind dies Familienangehörige wie Ehepartner, Eltern, Kinder oder Geschwister. Informell Pflegende können sich in jeder Lebensphase befinden. Neben erwachsenen Angehörigen übernehmen auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene (sogenannte „Junge Pflegende“, jünger als 25 Jahre) Verantwortung für Eltern, Geschwister oder andere nahestehende Personen.

Informell Pflegende übernehmen oft Aufgaben des Alltags, zum Beispiel Hilfe bei Medikamentengabe, bei der Körperpflege, beim Anziehen, Einkaufen, Kochen oder bei Arztbesuchen. Zudem sind pflegende Angehörige häufig eine emotionale und soziale Stütze für die zu-pflegende Person. Pflegende Angehörige regulieren häufig das Familiensystem und die Interaktion mit der Gesellschaft und dem Gesundheitssystem.

Informelle Pflege umfasst die Pflege im häuslichen, vertrauten Umfeld, die Begleitung von Menschen in betreuten Wohnformen oder stationären Einrichtungen aber auch die Übernahme von Versorgungsverantwortung über räumliche Distanz.

Informelle Pflege ist grundsätzlich unabhängig von der Art der Erkrankung, der Beeinträchtigung oder einem Pflegegrad. Entscheidend ist, dass Angehörige oder andere nahestehende Personen regelmäßig Pflege-, Unterstützungs- oder Versorgungsverantwortung übernehmen. Dies kann Menschen mit psychischen Erkrankungen, Demenz, chronischen körperlichen und neurologischen Erkrankungen, Behinderungen, Krebserkrankungen oder anderen komplexen gesundheitlichen Beeinträchtigungen betreffen.

Sorgearbeit umfasst alle Tätigkeiten, mit denen Menschen andere Menschen im Alltag begleiten, unterstützen, betreuen oder pflegen. Dazu gehören die Betreuung und Erziehung von Kindern, die Begleitung, Unterstützung und Pflege von Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen oder Behinderungen sowie Haus- und Sorgearbeit im Alltag.

Sorgearbeit umfasst praktische Hilfe, emotionale Unterstützung, Beziehungsarbeit, organisatorische, koordinierende und logistische Aufgaben. Sie wird im Rahmen beruflicher Tätigkeiten und informell durch Angehörige oder nahestehende Personen geleistet.

Sorgearbeit bildet eine unverzichtbare Grundlage für das Funktionieren von Familien, sozialen Netzwerken, des Gesundheits- und Sozialwesens. Sie ist damit von zentraler Bedeutung für die Gesellschaft.

Mentale Belastung beschreibt die psychischen und emotionalen Anforderungen, denen eine Person ausgesetzt ist. Sie entsteht beispielsweise durch eine hohe, dauerhafte Verantwortung, Unplanbarkeit, Unkontrollierbarkeit einer Situation, viele Aufgaben gleichzeitig durchzuführen und zu bedenken, Zeitdruck, Emotionsregulation von Personen, für die man Verantwortung übernimmt. Eine dauerhaft hohe mentale Belastung kann langfristig zu Erschöpfung sowie psychischen und körperlichen Gesundheitsbeeinträchtigungen führen.

Mentale Resilienz bezeichnet die Fähigkeit sich von Herausforderungen, Belastungen oder Krisen so zu erholen, dass die mentale Gesundheit und Handlungsfähigkeit erhalten bleiben. Sie entwickelt sich im Laufe des Lebens und kann durch den Erwerb geeigneter Bewältigungsstrategien und Erfahrungen gestärkt werden.

Ein wesentlicher Aspekt von Inno:Care ist die Mitwirkung und Einbeziehung von informell pflegenden Angehörigen als Erfahrungsexperten und -expertinnen. Die kontinuierliche und aktive Beteiligung in allen Projektstadien erweitert die Forschung um Perspektiven, die sonst leicht unberücksichtigt bleiben. Das Erfahrungswissen trägt dazu bei, Forschungsfragen, Methoden und Ergebnisse an den Lebensrealitäten informell pflegender Angehöriger auszurichten. Dadurch fließt Erfahrungswissen als eigenständige Wissensquelle in die Forschung ein.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begeben sich in einen ko-kreativen Prozess, wenn Wissenschaft das Ziel hat, gemeinsam mit Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft, der Politik, Verbänden und Organisationen zu relevanten gesellschaftlichen Herausforderungen konkrete Lösungen zu erarbeiten. Gemeinsam erarbeitete Lösungen sollen dabei eine Wirkung in der Gesellschaft erzeugen.

Kontakt

Bei Interesse zur partizipativen Mitarbeit oder Teilnahme am Symposium schreiben Sie ein E-Mail an:

E-Mail-Adresse: innocare@med.uni-tuebingen.de


Leuchtturmprojekt Inno:Care

Inno:Care ist eines von vier Leuchtturmprojekten im Rahmen des Jubiläumsjahres 550-Jahre-Universität-Tübingen.

Die Leuchtturmprojekte stellen wissenschaftliche Aktivitäten der Universität Tübingen in den Vordergrund, die eine besondere gesellschaftliche Bedeutung haben. Es finden verschiedene Formate der Öffentlichkeitsarbeit statt, unter anderem Kreativ- und Erzählcafés, eine Tour durchs Ländle, und andere. Dabei wird durch den Einsatz von co-kreativen und prozessbegleitenden Methoden die Partizipation von Akteuren und Akteurinnen aus Zivilgesellschaft, Politik, Verbänden und Medien erhöht. So soll die mentale Gesundheit von pflegenden Angehörigen für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht und in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt werden.

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Mentale Gesundheit informell pflegenderAngehöriger

Ziele
  • Partizipativ

  • Interaktiv

  • Co-kreativ

  • Informationsgenerierend

  • Perspektiven darstellen

  • Handlungsspielräume erläutern

  • Barrieren identifizieren

  • Unterstützungsangebote identifizieren

  • Lösungen finden

  • Handlungsempfehlungen ableiten

Wer wirkt mit?
  • Angehörige

  • Krankenkassen

  • Kommunen

  • Pflegekassen

  • Verwaltung

  • Politik

  • Pflegedienste

  • Sozialarbeiterinnen und -arbeiter

  • Psychotherapeuten und -therapeutinnen

  • Hausärztinnen und Hausärzte


Symposium

Symposium

Zum partizipativen Symposium Inno:Care werden Erfahrungsexpert:innen, Fachpersonen aus der Versorgung sowie Vertreter:innen aus Politik und Verwaltung eingeladen. In einem interaktiven Austausch werden unterschiedliche Perspektiven geteilt. Dadurch sollen Handlungsempfehlung zur Förderung der mentalen Gesundheit von pflegenden Angehörigen entwickelt werden.

Das Symposium wird im Frühjahr 2027 stattfinden.

Medienbeiträge und Veranstaltungen

Studienteam und Kooperation

Förderung

Inno:Care wird vom DZPG und der ProCurand-Stiftung gefördert.

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Procurand Stiftung