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Eierstockkrebs – der stille Feind

Bei der Operation muss das Tumorgewebe möglichst vollständig entfernt werden

Eierstockkrebs kommt leise und macht sich kaum bemerkbar. Wird er frühzeitig erkannt und komplett entfernt, stehen die Heilungschancen gut. Leider wird die Mehrzahl der Eierstockkrebsfälle erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt. Aber auch hier bietet die Medizin heute Möglichkeiten, den Krebs zurückzudrängen und die Lebenszeit zu verlängern. Wir sprachen mit Professor Diethelm Wallwiener und Professorin Sara Brucker von der Universitäts-Frauenklinik und weiteren Experten über die Behandlungsmöglichkeiten.

Die meisten Eierstocktumoren wachsen zunächst im kleinen Becken, durch ihre Lage im Bauchraum haben sie viel Platz, unbemerkt zu wachsen. (Bildquelle: Fotolia/transurfer)

Wer ist betroffen?

Eierstockkrebs ist ein selten vorkommender Tumor. Das Risiko, an Eierstockkrebs zu erkranken, steigt jedoch mit zunehmendem Alter. Betroffen sind vor allem Frauen zwischen dem 70. und dem 85. Lebensjahr. Besonders nach den Wechseljahren ist es daher wichtig, eventuelle Eierstockzysten abklären zu lassen.
Bei Frauen unter 50 Jahren tritt diese Krebsart dagegen seltener auf. Eierstockkrebs kann aber auch erblich bedingt sein und in einer Familie gehäuft auftreten (Dazu finden Sie demnächst einen separaten Beitrag in unserer Rubrik „Expertenwissen“). Nicht jede Veränderung an den Eierstöcken muss jedoch Krebs sein. Häufig sind vor allem auch Zysten oder andere gutartige Veränderungen.

Warum wird der Krebs oft so spät bemerkt?

Die beiden Eierstöcke, auch Ovarien genannt, gehören wie die Gebärmutter, die Eileiter und die Scheide zu den inneren weiblichen Geschlechtsorganen. Sie liegen zwischen Harnblase und Enddarm zu beiden Seiten der Gebärmutter im Becken und enthalten die Eizellen, die sie an die Eileiter abgeben.

Durch ihre Lage im Bauchraum haben Eierstock-Tumoren viel Platz, unbemerkt zu wachsen, ohne dass die Patientin Beschwerden hat. Verdachtsmomente jedoch können Blutungen außerhalb der Monatsregel oder nach den Wechseljahren sein, eine Zunahme des Bauchumfangs ohne Gewichtszunahme, aber auch ungewohnte Verdauungsbeschwerden, verbunden mit einer Verschlechterung des Allgemeinzustands.

Bei Verdacht auf Eierstockkrebs rasch handeln!

Die meisten Eierstocktumoren wachsen zunächst im kleinen Becken, sie können sich aber auch über den erkrankten Eierstock und den Eileiter ausdehnen und in die Gebärmutter oder den Darm eindringen. Der Krebs kann sich im ganzen Bauchraum ausbreiten und Metastasen am Bauchfell bilden (Peritonealkarzinose). Das führt dazu, dass sich häufig viel Flüssigkeit im Bauchraum ansammelt, die sog. Bauchwassersucht. Darüber hinaus breitet sich der Krebs über die Lymphbahnen aus und bildet Metastasen in den Lymphknoten. Eher selten kommt es zu Metastasen in der Lunge, Leber oder den Knochen.

Im ersten Schritt werden die Patientinnen, bei denen ein Verdacht auf Eierstockkrebs besteht, in der Sprechstunde des zertifizierten Zentrums für Gynäkoonkologie umfassend untersucht. Das Tumorboard, eine Gruppe von Spezialisten aller Fachrichtungen, gibt dann aufgrund der Untersuchungsergebnisse eine Behandlungsempfehlung ab. Innerhalb von ein bis zwei Wochen wird die Patientin dann stationär aufgenommen und operiert.

Was passiert bei der Operation?

Bei der Operation werden der gesamte Bauchraum und alle darin liegenden Organe sorgfältig untersucht. Professorin Sara Brucker: „Dazu öffnen wir den Bauch mit einem Längsschnitt vom Schambein bis zum unteren Rand des Brustbeins. Ziel ist es, den Tumor komplett mit allen seinen Absiedlungen zu entnehmen.“ Je nach Ausdehnung des Tumors müssen neben den Eierstöcken und Eileitern die Gebärmutter, das Netz, das den Bauchraum auskleidet sowie Teile des Bauchfells, des Darms, der Blase und befallene Lymphknoten entfernt werden. Bereits während der Operation wird das entnommene Gewebe von der Pathologie auf Tumorzellen untersucht um die Diagnose zu sichern.

Rund 80 dieser sechs- bis zehnstündigen Operationen werden am Uniklinikum jedes Jahr durchgeführt.  „Das A und O für den Behandlungserfolg ist eine Operation, die wirklich alle Teile des Tumors entfernt“ erläutert Prof. Wallwiener. In der Uniklinik stehen dabei neben den Spezialisten für gynäkologische Operationen auch erfahrene Chirurgen aus der Bauchchirurgie und der Urologie zur Verfügung, falls Teile des Darms oder der Blase entfernt werden müssen. „Diese geballte Expertise kann nur ein großes Zentrum wie zum Beispiel eine Universitätsklinik bieten“, betont Professorin Sara Brucker, die zusammen mit Prof. Bernhard Krämer und Prof. Stefan Kommoss ein Chirurgenteam bildet, das über sehr viel Erfahrung auf dem Gebiet der Eierstockchirurgie verfügt.

Die Chemotherapie – der zweite Therapiepfeiler

Auch wenn der Tumor operiert ist, verbleiben bei Eierstockkrebs oftmals bösartige Zellen, die zwar nicht sichtbar sind, aber Ausgangspunkt für einen Rückfall, ein sogenanntes Rezidiv, sein können.

Prof. Dr. Andreas Hartkopf, Oberarzt und Leiter der Sektion für Translationale und Systemische Gynäkoonkologie: „Am Zentrum für Gynäkologische Onkologie ist im Anschluss an die Operation fast immer eine Chemotherapie notwendig. Da Eierstockkrebs in der Regel gut auf eine Chemotherapie anspricht, verringert diese das Rückfallrisiko erheblich.“ In manchen Fällen ist der Krebs bereits bei der Diagnose so ausgedehnt, dass eine primäre Operation nicht möglich ist und daher als erstes mit der Chemotherapie begonnen wird.

Außerdem wurden - zusätzlich zur klassischen Chemotherapie - in den letzten Jahren eine Reihe von sehr effektiven tumorspezifischen Medikamenten entwickelt, die eine maßgeschneiderte, d.h. individualisierte Tumortherapie, ermöglichen. Mit speziellen Antikörpern (sogenannten Angiogenese-Inhibitoren) kann zum Beispiel die Gefäßneubildung in Tumoren verhindert werden. Die Krebszellen werden dann nicht mehr mit Blut versorgt und „verhungern“.

Andere Medikamente (sogenannte PARP-Inhibitoren) verhindern, dass Krebszellen ihr Erbgut reparieren können, wodurch Fehler im Erbgut der Tumorzellen entstehen und diese nicht mehr überleben können. PARP-Inhibitoren sind unter anderem bei Frauen mit erblichem Eierstockkrebs hoch wirksam. Auch die Immuntherapie, bei der die Stärke der körpereigenen Abwehr zur Bekämpfung von Krebs genutzt wird, kommt mittlerweile im Rahmen von klinischen Studien bei Eierstockkrebs zum Einsatz.

Woran forschen wir?

Für den hohen Standard der Operation bürgt auch, dass die Universitäts-Frauenklinik Tübingen als eines von deutschlandweit nur fünf Zentren ausgewählt wurde, um an der TRUST-Studie mitzuwirken. Hier wird untersucht, ob der Tumor erst durch eine vorgeschaltete Chemotherapie verkleinert und danach operiert werden, oder ob er zuerst – möglichst vollständig – entfernt werden sollte und die Chemotherapie danach stattfindet. „Um hier eine belastbare wissenschaftliche Aussage treffen zu können, wurden zu der Studie nur Kliniken zugelassen, die für eine hohe operative Qualität stehen und die sehr strengen Qualifikationskriterien erfüllen“, berichtet Professor Andreas Hartkopf, Experte für die Chemotherapie bei Eierstockkrebs und betont: „Wir sind stolz, dass Tübingen wegen seiner hervorragenden Operationsergebnisse für die Studie zugelassen wurde.“

Im Interview:

Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener

Einrichtung: Universitäts-Frauenklinik

Prof. Dr. med. Sara Brucker

Einrichtung: Universitäts-Frauenklinik

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