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Verbreitetes Krankheitsbild

Was hilft gegen trockene Augen?

Heizungsluft, Hormone, Bildschirmarbeit: Trockene Augen können viele Ursachen haben. Was dagegen hilft, erklärt Nikan Toulany, Arzt in Weiterbildung an der Universitäts-Augenklinik Tübingen.
18.05.2026
Juliane Funke
5 Minuten
Trockenes Auge
© Canva

Trockene Augen: Welche Symptome gibt es?

„Das trockene Auge kommt sehr häufig vor und kann neben dem trockenen Gefühl ganz unterschiedliche Beschwerden bereiten“, sagt Nikan Toulany. Patienten klagen zum Beispiel über brennende Augen, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit oder tränende Augen. „Das trockene Auge ist wie ein Chamäleon und kann sich über den Tag hinweg verändern. Manchmal macht es kaum Beschwerden, dann wieder mehr, mal ist das Auge rot oder der Patient sieht nur noch verschwommen.“ 

 

Welche Ursachen stecken hinter trockenen Augen?

Trockene Augen liegen oft an einem instabilen Tränenfilm. Dieser besteht aus drei Schichten: Auf der Augenoberfläche liegt eine dünne Schleimschicht. In der Mitte ist die wässrige Tränenflüssigkeit und ganz oben liegt eine Fettschicht. „Diese sorgt dafür, dass die Flüssigkeit auf dem Auge nicht zu schnell verdunstet. Wenn die Fettschicht zu instabil ist, evaporiert die Tränenflüssigkeit schneller und es kommt zu trockenen Augen“, erklärt Nikan Toulany. 

 

Bildschirmarbeit sorgt für trockene Augen

Es gibt viele verschiedene Gründe für einen gestörten Tränenfilm, zum Beispiel Umweltfaktoren. „Eine geringe Luftfeuchtigkeit kann sich negativ auf den Tränenfilm auswirken, zum Beispiel durch trockene Heizungsluft im Winter“, sagt Nikan Toulany. Ein Problem können die Lidränder sein, an denen die Fettdrüsen sitzen, die die Fettschicht produzieren. Wenn die Drüsen verstopft und die Lidränder entzündet sind, kann hier die Ursache für trockene, gereizte Augen liegen. „Oder ganz banal: Man blinzelt zu wenig! Das passiert oft am Computer, wenn man konzentriert am Bildschirm arbeitet“, erklärt der Experte. „Beim Blinzeln wird die Augenoberfläche wieder gleichmäßig mit der Fettschicht benetzt.“

 

Weniger Tränenflüssigkeit im Alter

Eine andere Ursache für trockene Augen ist eine zu geringe Produktion von Tränenflüssigkeit. „Ganz häufig liegt das an Hormonveränderungen. Im Alter oder ab der Menopause wird zum Beispiel weniger Tränenflüssigkeit produziert“, erläutert Nikan Toulany. Auch in der Schwangerschaft können häufiger trockene Augen auftreten.

 

Trockene Augen durch Medikamente

Tatsächlich können trockene Augen auch als Begleiterscheinung anderer Erkrankungen oder als Nebenwirkung bestimmter Medikamente auftreten. „Es gibt systemische Erkrankungen, bei denen trockene Augen ein Begleiteffekt sein können“, sagt der Assistenzarzt. Dazu gehören zum Beispiel Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder Erkrankungen des Immunsystems. Wer unter trockenen Augen leidet, sollte sich auch einmal die Packungsbeilagen der eigenen Medikamente durchlesen: „Die Tränensekretion – also die Produktion, Verteilung und Ableitung der Tränenflüssigkeit – wird über das Nerven- und Hormonsystem gesteuert. Entsprechend können darauf einwirkende Medikamente wie Antidepressiva auch zu trockenen Augen führen“, erklärt Toulany. 

 

Wie werden trockene Augen diagnostiziert? 

„Die Anamnese ist das A und O“, betont Assistenzarzt Nikan Toulany. Im ersten Schritt sollen die Patienten ihre Symptome schildern, wie sich die Beschwerden im Tagesverlauf ändern und seit wann sie bestehen. „Dann schauen wir uns das Auge unter der Spaltlampe genau an.“ So erkennen Augenärztinnen und Augenärzte zum Beispiel, ob die Bindehaut beschädigt ist oder die Liddrüsen verstopft sind.“ Daneben gibt es noch weitere, spezialisierte Testverfahren. Mit einem kleinen Papierstreifen kann zum Beispiel getestet werden, ob genügend Tränenflüssigkeit produziert wird, mit einem Farbtropfen kann getestet werden, wie stabil der Tränenfilm ist. 

 

Was hilft gegen trockene Augen?

„Bei der Behandlung gibt es je nach Ursache verschiedene Möglichkeiten. Als erstes klopfen wir die Lebensgewohnheiten ab: Bei vielen Betroffenen liegt es tatsächlich daran, dass sie viel vor dem Bildschirm sitzen“, sagt der Experte. Ein weiterer Schritt ist es, sich mit ärztlicher Hilfe die Medikation anzuschauen. Falls die Untersuchung mit der Spaltlampe verstopfte Fettdrüsen ergeben hat, werden diese behandelt. „In so einem Fall ist es wichtig, dass eine gute Lidrandhygiene aufrechterhalten wird. Die Lider werden mit warmen Kompressen gereinigt, sodass sich die Drüsen wieder öffnen.“ Ein zentraler Punkt bei der Behandlung von trockenen Augen ist außerdem die Verwendung von Tränenersatzmitteln.

 

Welche Augentropfen helfen gegen trockene Augen?

„Tränenersatzmittel können zu einem stabileren Tränenfilm beitragen, sodass sich das Auge regenerieren kann“, erklärt der Experte. Dabei ganz wichtig: Dranbleiben! „Es reicht nicht, einmal am Tag einen Tropfen anzuwenden. Tränenersatzmittel sollten konsequent und mehrmals täglich genutzt werden und das über einen längeren Zeitraum von bis zu mehreren Wochen.“ Wer chronisch unter trockenen Augen leidet, zum Beispiel altersbedingt oder durch Bildschirmarbeit, kann Tränenersatzmittel auch über lange Zeiträume nutzen. „Um die bestmögliche Verträglichkeit der Augentropfen, auch über längere Anwendungszeiträume zu erzielen, empfehlen wir Tränenersatzmittel ohne Konservierungsstoffe.“ In vielen Fällen liegt begleitend zum trockenen Auge eine leichte Entzündung der Augenoberfläche vor, sodass auch entzündungshemmende Augentropfen zur Besserung beitragen können. 

 

Wann muss ich mit trockenen Augen zum Arzt? 

„In den meisten Fällen sind die Gründe für trockene Augen harmlos. Der erste Schritt ist es, sich selbst zu beobachten: Arbeite ich viel am Bildschirm, wie ist die Luftqualität, nehme ich vielleicht ein neues Medikament?“, sagt Nikan Toulany. Tränenersatzmittel bekommt man auch rezeptfrei in der Apotheke. Im Zweifelsfall oder bei anhaltenden Beschwerden sollte man aber nicht zögern, den heimatnahen Augenarzt aufzusuchen. „Auch wenn ein trockenes Auge harmlos klingt – und es meistens auch ist – kann es Komplikationen verursachen. In manchen Fällen kann die Oberfläche des Auges verletzt sein, was zu Defekten in der Hornhaut oder bakteriellen Infektionen führen kann.“ Abseits dieser seltenen Fälle ist das trockene Auge allerdings ein häufiger Befund, der durch die Anwendung von Tränenersatzmitteln gut behandelbar ist.