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Wellen als Alarmsignal

Wenn das scharfe Sehen in Gefahr ist

In Deutschland sind 6,9 Millionen Menschen an einer Makuladegeneration erkrankt, 480.000 davon in einem fortgeschrittenen Stadium. Dr. med. Alexandra Schweig leitet die Makula-Sprechstunde an der Universitäts-Augenklinik in Tübingen und erklärt, wie man erste Symptome erkennt und was dann zu tun ist.
29.06.2026
Stephan Gokeler
4 Minuten
Makuladegeneration
© Canva

Was passiert bei einer Makuladegeneration im Auge?

Die Makula ist ein Bereich in der Mitte der Netzhaut, der für das scharfe, zentrale Sehen verantwortlich ist. „Es kann passieren, dass die Sehzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff oder Nährstoffen versorgt werden“, erklärt Alexandra Schweig. „Die andere Möglichkeit ist, dass Abbauprodukte der Sehzellen nicht mehr vollständig abtransportiert werden“, sagt die Fachärztin: „Dann lagern sich sogenannte Drusen unter der Netzhaut ab, was zu einer Einschränkung der Sehkraft führen kann.“

Was sind die Ursachen dafür?

Wie der Name „altersbedingte Makuladegeneration (AMD)“ schon sagt, handelt es um eine altersbedingte Erkrankung. Genetik spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. „Allerdings wissen wir aus großen Studien, dass nicht alle Menschen mit derselben genetischen Disposition auch tatsächlich erkranken“, erläutert Alexandra Schweig. Auch Rauchen, schlechte Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel erhöhen das Risiko, eine AMD zu bekommen.

Was sind die ersten Anzeichen für eine AMD? 

Oft bemerken Patienten zunächst, dass sie gerade Linien als leichte Wellen wahrnehmen. Man kann das selbst zum Beispiel an einer Wand mit Fliesen testen, indem man abwechselnd ein Auge mit der Hand abdeckt. Erscheinen eigentlich gerade Fugen dann wellig, kann das ein Indiz für eine AMD sein. Das sollte man dann umgehend beim Augenarzt abklären lassen.

Was ist eine „trockene“ und eine „feuchte“ Makuladegeneration?

Die Anhäufung von Drusen kann das langsame Sterben der Sehsinneszellen bewirken. Dabei handelt es sich um die trockene Makuladegeneration. Das verläuft in der Regel recht langsam. Die trockene AMD macht gut 85 Prozent aller Fälle aus. Bei einer feuchten Makuladegeneration wachsen neue Blutgefäße von der Aderhaut zu den Sehzellen hin, die durch Botenstoffe auf ihre mangelnde Versorgung aufmerksam gemacht haben. Aus solchen Gefäßen können Flüssigkeitsansammlungen oder Blutungen entstehen, was zu einer Sehverschlechterung führt. Diese Form ist seltener, aber für die meisten schweren Sehverluste und funktionellen Erblindungen infolge einer AMD verantwortlich. Und: Aus einer trockenen Makuladegeneration kann sich eine feuchte entwickeln.

Wie erkennt der Augenarzt eine Makuladegeneration?

Der Augenarzt kontrolliert die Sehschärfe und schaut sich den Augenhintergrund an. Ganz genau ist die AMD mit einer sogenannten OCT festzustellen. Dabei werden die Schichten in der Netzhaut bildlich dargestellt. Bei Verdacht auf eine feuchte AMD erfolgt zudem noch eine Farbstoffuntersuchung.

Wie schnell schreitet die Erkrankung fort?

Wenn die Makuladegeneration einmal begonnen hat, schreitet sie in der Regel auch fort: langsam bei der trockenen und meist wesentlich schneller bei der feuchten Form. Die Geschwindigkeit ist aber individuell sehr unterschiedlich.

Kann man Makuladegeneration heilen?

„Bei einigen Patienten überleben Sehzellen ungewöhnlicherweise, obwohl sie längere Zeit auf kleineren Ablagerungen saßen. Bei ihnen verschwinden die Folgen dann tatsächlich wieder, wenn die Drusen an diesen Stellen abgebaut werden. Wir haben aber noch nicht herausgefunden, was die Voraussetzungen dafür sind“, erläutert die Fachärztin. „Deshalb können wir eine AMD bisher nicht gänzlich aufhalten.“ Eine nachhaltige Veränderung des Lebensstils kann Einfluss darauf nehmen, wie sich die Erkrankung entwickelt. Positive Effekte sind für mediterrane Ernährungsweise und sportliche Aktivitäten nachgewiesen. Dasselbe gilt, wenn Betroffene mit dem Rauchen aufhören.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die gezielte Einnahme von bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln kann unter Umständen ein Voranschreiten der trockenen Makuladegeneration verlangsamen. Für die feuchte Makuladegeneration existieren mehrere Medikamente, mit denen sich die Gefäße zuverlässig abdichten lassen. Allerdings muss diese Therapie meist regelmäßig per Spritze ins Auge wiederholt werden.

Spritzen ins Auge – das klingt dramatisch.

„Das stimmt, ist aber nicht mit einer Spritze beispielsweise in die Armbeuge vergleichbar“, versichert Dr. Schweig. Bei einer Injektion ins vorher betäubte Auge spüren die Patienten in der Regel höchstens ein leichtes Druckgefühl von wenigen Sekunden. Einige sehen anschließend für eine kurze Zeit Regenbogenfarben. „Ich kann alle Betroffenen wirklich beruhigen: Es dauert nicht lange und es tut in der Regel nicht weh.“

Kann man selbst vorbeugen?

„Wir empfehlen ab dem 60. Lebensjahr eine Vorsorgeuntersuchung alle ein bis drei Jahre“, rät Alexandra Schweig. Wenn in der Familie Fälle von Makuladegeneration bekannt sind, sollte man schon früher eine Abklärung vornehmen lassen, denn bei entsprechender genetischer Veranlagung kann die Erkrankung auch schon in jüngeren Jahren auftreten. Es gibt übrigens sehr gute Selbsthilfegruppen, von denen man auch übers Internet viel hilfreiches Informationsmaterial erhalten kann.

Experten

Alexandra Schweig
Alexandra Schweig
Fachärztin in oberärztlicher Funktion
Universitäts-Augenklinik
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