Universitätsklinikum Tübingen PULS
Transkranielle Magnetstimulation

Mit magnetischen Impulsen Depressionen behandeln

Depressive Patientinnen und Patienten fühlen sich negativen Gefühlen und Gedanken oft hilflos ausgeliefert. Mit der transkraniellen Magnetstimulation (TMS) kann ihnen geholfen werden. Prof. Dr. Christian Plewnia vom Universitätsklinikum Tübingen erklärt die Wirkung der Magnetimpulse.
10.02.2026
Paula Wagner
4 Minuten
Ein Arzt (nur im Ausschnitt zu sehen) hält einem Patienten das Gerät zur Magnetstimulation an den Kopf. Es ist ein weißes Gerät aus zwei verbundenen Kreisen, wie beim Unendlichkeitszeichen. Der Patient sitzt in Jacke und weißen Hemd auf einem Stuhl.
Britt Moulien

Was passiert bei Depressionen im Gehirn?

Die Depression ist eine sehr vielschichtige Erkrankung mit vielen unterschiedlichen Ausprägungen. Man kann sie auf vielen Ebenen verstehen: Schaut man auf die Neurophysiologie, also auf die Aktivitäten bestimmter Hirnregionen, erkennt man, dass diese nicht in Balance sind. Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen Hirnarealen hinter der Stirn, dem präfrontalen Cortex, und tieferen Regionen, vor allem dem limbischen System. Dieses ist vor allem für Angst und Sorge zuständig. Dessen Aktivität wird normalerweise vom präfrontalen Cortex kontrolliert. Bei depressiven Patienten und Patientinnen fehlt diese Kontrolle. Sie werden von negativen Gefühlen und Gedanken überrollt, weil das limbische System überreagiert.

Wie kann die transkranielle Magnetstimulation helfen?

Mit der transkraniellen Magnetstimulation werden die bei Depressionen geschwächten Bereiche gestärkt: transkraniell, das bedeutet durch den Schädel hindurch. Magnetische Impulse aktivieren Nervenzellen im präfrontalen Cortex, die damit wieder aktiver werden und ihre elektrischen Signale in die tieferen Regionen des limbischen Systems senden. Dieses wird in Schach gehalten und damit die Balance wiederhergestellt. Es gibt mehrere größere klinische, placebo-kontrollierte Studien, die die Wirksamkeit der TMS in der Depressionsbehandlung belegen.

Wie nehmen die Patientinnen und Patienten die Behandlung selbst wahr? Gibt es Nebenwirkungen?

Viele Patienten berichten, dass am Anfang die Muskelzuckungen und die Impulse ein wenig stören. Die TMS wird aber von fast allen Patienten problemlos vertragen. Dauerhafte Nebenwirkungen oder gar Veränderungen an der Hirnsubstanz sind nicht zu befürchten. Es ist also ein risikoarmes, aber gut wirksames Verfahren.

Die TMS hilft auch bei anderen Krankheitsbildern

Auch bei Schizophrenie ist die Behandlung mit TMS wirksam. Das haben Prof. Dr. Plewnia und sein Team in einer Studie nachgewiesen. Mehr dazu erfahren Sie auch in unserem Reel auf Instagram:

Wird TMS von der Krankenkasse bezahlt?

TMS wird bei Patientinnen und Patienten empfohlen, bei denen mehrere Behandlungsversuche mit Medikamenten wirkungslos waren, und bei stationären Behandlungen wird die Methode von der Kasse bezahlt. Doch im ambulanten Bereich wird die TMS von den gesetzlichen Kassen noch nicht übernommen. Es ist aber zu empfehlen, dies jeweils mit dem Versicherer vorher abzuklären. 

Kann diese Methode bei allen Formen der Depression eingesetzt werden?

Grundsätzlich ja. Es gibt Ausschlusskriterien, wenn etwa eine Epilepsie vorliegt, oder auch bei schweren Suchterkrankungen hat es wenig Sinn. Die TMS sollte auch nicht isoliert gesehen werden. Es ist eine Erweiterung der bestehenden therapeutischen Verfahren bei der Behandlung von Depressionen, zusätzlich zu all den anderen Möglichkeiten, vor allem in der Psychotherapie und der Einnahme von Medikamenten.

Wie lang muss eine Depression bereits für eine TMS vorliegen?

Die bisherigen Studien wurden an Patienten durchgeführt bei denen andere Therapieverfahren bereits nicht funktioniert haben. Bei einem früheren Beginn der Behandlung ist eher sogar mit einer besseren Wirkung zu rechnen. Man muss also nicht schwer krank sein, um von der TMS zu profitieren.

Wie könnte die Zukunft aussehen?

Das Ziel ist eine individuelle Therapie. So vielfältig wie das Erscheinungsbild der Erkrankung ist, so vielfältig könnte auch die Stimulation sein: die Impulse können an unterschiedlichen Stellen mit verschieden starken Frequenzen gesetzt werden, Häufigkeit und Zeit können variiert werden. Nach einer ausführlichen Diagnostik könnte das angepasst werden. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Experten

Prof. Dr. Christian Plewnia
Prof. Dr. Christian Plewnia
Oberarzt
Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
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