Sprachstörungen, Sehstörungen, plötzlich auftretende heftige Kopfschmerzen oder Schwindel und – zumeist einseitige – Lähmungen oder Taubheitsgefühle an Armen, Beinen oder Gesicht zählt Dr. Annerose Mengel, Neurologin am Universitätsklinikum Tübingen, als die häufigsten Symptome für einen Schlaganfall auf.
„Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall“, betont Annerose Mengel. Deshalb muss sofort über die Notrufnummer 112 ein Notarzt alarmiert werden. Hilfreich für die Rettungskräfte sei es, beim Anruf die akuten Symptome kurz zu schildern. Wenn möglich, sollten Angehörige dem Notarzt oder der Notärztin beim Eintreffen mitteilen, welche Medikamente der Patient regelmäßig einnimmt.
Nach einer kurzen neurologischen Untersuchung wird der Patient auf schnellstem Weg in ein geeignetes Krankenhaus gebracht. Parallel werden Puls, Blutdruck und Blutzuckerwerte überwacht.
„Rufen Sie den Krankenwagen und bringen Sie den Patienten nicht selbst in eine Notaufnahme“, betont die Stellvertretende Ärztliche Direktorin der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt Neurovaskuläre Erkrankungen. Der Notarzt sorgt in jedem Fall am schnellsten dafür, dass die richtigen Prozesse eingeleitet werden und die betroffene Person in den Schockraum gelangt.
Nach einer kurzen, strukturieren Übergabe der Patientin oder des Patienten wird in der Notfalleinheit, dem sogenannten Schockraum, die Art des Schlaganfalls bestimmt. „Ein Schlaganfall kann durch den Verschluss eines Blutgefäßes im Gehirn oder durch eine Hirnblutung verursacht werden“, erläutert Annerose Mengel. Man spricht dann entweder von einem ischämischen oder einem hämorrhagischen Schlaganfall. Zur genauen Diagnose wird eine Computertomographie (CT) durchgeführt. Nach diesem wird sofort mit der Behandlung begonnen. Entweder werden Blutgerinnsel mit Medikamenten aufgelöst (Lysebehandlung) oder man weitet verschlossene beziehungsweise verengte Blutgefäße auf (Rekanalisationstherapie). Bei Hirnblutungen wird der Blutdruck gesenkt und etwaigen blutverdünnenden Medikamenten, wenn notwendig, entgegengewirkt.
Dabei handelt es sich um einen Schlaganfall, der keine Symptome verursacht und deshalb in dem Moment, in dem er geschieht, auch nicht erkannt werden kann. Zumeist wird er zufällig aufgrund von Infarktnarben durch bildgebende Verfahren entdeckt. Tritt dies zum ersten Mal auf, wird genau wie bei jedem anderen Schlaganfall die Ursache ermittelt, um eine Wiederholung zu verhindern.
„Der größte Risikofaktor ist das Alter“, sagt Privatdozentin Mengel. Auch Herzrhythmusstörungen, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen sowie Nikotinkonsum erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall.
„Einem gesunden Lebensstil mit entsprechender Ernährung und körperlicher Bewegung kommt eine entscheidende Bedeutung zu“, so die Fachärztin. Generell empfehlenswert ist eine mediterrane Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Fisch, Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten. Eine moderate sportliche Betätigung mit dreimal 30 Minuten Ausdauersport wöchentlich senkt das Risiko für einen Schlaganfall. Wichtig sei, vorhandene Risikofaktoren bei sich selbst und Angehörigen erst zu nehmen und ihnen gegebenenfalls durch eine Änderung des Lebensstils entgegenzuwirken. Dazu gehören beispielsweise auch die konsequente Einstellung der Blutdruckwerte auf höchstens 140/85 mmHg.
„Bei etwa zwei Dritteln der Patienten können wir die Ursache für einen Schlaganfall ausfindig machen“, berichtet Dr. Mengel. In diesen Fällen kann durch gezielte Maßnahmen, wie zum Beispiel einer Absenkung von Blutfettwerten durch Diät und Medikamente, einer Wiederholung vorgebeugt werden. Ebenfalls ist der Verzicht auf Tabakprodukte und zusätzlich körperliches Training notwendig. Sehr wichtig sei es, verordnete Medikamente zuverlässig einzunehmen und diese keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt selbst abzusetzen.