„Asthma geht auf eine genetische Veranlagung zurück. Die ist leider relativ häufig: etwa 15 Prozent der Menschen tragen sie in sich“, erläutert Dr. Werner Spengler, Bereichsleiter der Pneumologie an der Medizinischen Universitätsklinik. Daneben können Infekte eine Rolle spie-len, wenn diese eine Asthma-Veranlagung zum Ausbruch bringen. Es gebe Berufe, bei denen man in Kontakt mit Stoffen kommt, die Asthma triggern können. Allerdings werde heutzutage auf entsprechende Schutzmaßnahmen geachtet, sodass dies kaum noch eine Rolle spiele, betont er.
Asthma bronchiale ist ein Überbegriff für verschiedene Formen von Asthma. Mediziner unter-scheiden zwei Hauptformen: das allergische Asthma und das nicht-allergische Asthma. Es gibt es auch Mischformen.
Bei Patienten mit allergischem Asthma löst der Kontakt mit einem Allergen, also beispielsweise Tierhaaren oder Pollen, einen Anfall aus. Bei dem Teil der Patienten, die nicht-allergisches Asthma haben, können kalte Luft, Belastung oder begünstigende Infekte die Ursache sein. Es gibt allerdings auch viele, bei denen der Auslöser (Trigger) unbekannt ist.
Asthma ist eine organische Erkrankung, die aber psychische Auswirkungen haben kann, er-klärt Werner. Insbesondere wenn das Asthma schlecht kontrolliert sei, könnten Unsicherheit und Angst die Folge sein – vor allem die Angst, sich körperlich zu belasten. „Insofern kann Asthma negative Auswirkungen auf die Psyche haben.“ Allerdings können psychische Ängste oder Persönlichkeitsstörungen zu Hyperventilation führen, dies wiederum begünstigt Asthma-anfälle. „Grundsätzlich gilt jedoch: das Hauptproblem sind immer die Auswirkungen auf die Psyche und nicht die Psyche als Ursache für das Asthma“, betont er.
Grundsätzlich nicht, da die Veranlagung genetisch bedingt ist. Allerdings kann sich die Be-handlungsintensität im Laufe der Jahre verändern. Denn bei der Therapie gilt: so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Anpassungen sind wichtig. „Es kann vorkommen, dass Patienten phasenweise sogar keine Behandlung brauchen, das ist jedoch eher selten.“
Die Atmung in der Nacht unterscheidet sich von der Atmung während des Tages. Aufgrund der Immunsteuerung können die Bronchien in den Nachtstunden oder am frühen Morgen hyperre-agieren. Dies führt zu einer Verengung der Bronchien und einer Austrocknung der Atemwege. Daher treten Asthmaanfälle besonders häufig in den frühen Morgenstunden auf.
„Es gibt drei verschiedene Leitsymptome von Asthma (asthma bronchiale): Atemnot, vermehrte Verschleimung der Bronchien und Husten“, schildert Dr. Werner Spengler, Bereichsleiter der Pneumologie am Universitätsklinikum Tübingen. Es treten nicht unbedingt bei jedem alle Symptome auf, ebenso kann aber auch nur eines der drei auftreten.
Die Bronchialschleimhaut entzündet sich, dies führt zur Verengung der Atemwege. Diese Verengung erschwert die Atmung, genauer gesagt die Ausatmung. Durch die Entzündung der Schleimhaut steigt die Schleimproduktion. Dies kann Husten und Atemnot hervorrufen.
„Mithilfe eines Lungenfunktionstests. Dadurch werden die Schwere und die Art der Einschränkung bei Asthma festgestellt“, erläutert der Experte.
Wird allergisches Asthma vermutet oder hat der Patient bereits Allergien, so wird in jedem Fall ein Allergietest durchgeführt, um den Auslöser identifizieren zu können.
Besteht der Verdacht von Anstrengungsasthma, absolvieren die Patientinnen und Patienten einen Lungenfunktionstest unter Belastung. Gibt es hierbei Auffälligkeiten, so wird anschließend eine Spiroergometrie, durchgeführt. Diese dient der Ermittlung der individuellen körperlichen Belastungsgrenze.
Die Basis der Behandlung sind Asthmasprays, erklärt Dr. Werner Spengler, Bereichsleiter der Pneumologie. Diese bestehen in der Regel aus der Kombination zweier Medikamente: eines mit Sofortwirkung, welches die Bronchien erweitert, und eines mit Langzeitwirkung. Für die Langzeitwirkung wird in der Regel Kortison eingesetzt. Passt das Spray noch nicht zu den Bedürfnissen des Patienten, wird die Therapie angepasst.
„Unbedingt konsequent das Asthma-Spray anwenden“, betont Spengler. Auslöser meiden, sofern welche bekannt sind. Als Basismaßnahme ist außerdem Impfen wichtig. Asthmapatienten wird eine Grippeschutzimpfung empfohlen, da sie in der Regel grippeanfälliger sind. Auch gegen Pneumokokken sollten sie sich impfen lassen, da Menschen mit Asthma ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.
„Der Hauptgrund ist, dass Asthma zwischenzeitlich als Erkrankung wahrgenommen wird und damit auch häufiger und korrekterweise diagnostiziert wird“, so der Pneumologe. Früher wur-den Asthma-Symptome in der Bevölkerung häufig nicht als solche wahrgenommen.
Der zweite Punkt betrifft allergisches Asthma, bei dem Pollen das Allergen sind. Aus einer Pol-lenallergie kann sich Asthma entwickeln. Der Klimawandel sorgt einerseits für eine höhere Pollenbelastung und zweitens lasse die Verbindung von Pollen und Feinstaub die Pollen ag-gressiver werden. Das wiederum begünstig die Allergieentwicklung und damit langfristig auch den Ausbruch von Asthma, so Dr. Werner.
Zudem wird in Deutschland noch immer viel geraucht. Etwa ein Fünftel der Bevölkerung über 18 Jahren raucht. Auch das gefährde Menschen mit Veranlagung zu Asthma.
„Auf jeden Fall“, sagt der Pneumologe klar. Auch Hochleistungs- und Spitzensport sei möglich. Aber: je intensiver der Sport, desto intensiver müsse auch die Therapie sein. Denn prinzipiell verschlechtert Sport das Asthma. „In Kombination mit passender Therapie stellt das allerdings kein Problem dar und darüber hinaus überwiegen die gesundheitlichen Vorteile von Sport deutlich“, hebt Spengler hervor.