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Nasenbluten

Was tun, wenn die Nase blutet?

Nasenbluten haben die meisten Menschen schon mal erlebt. Aber warum ist das eigentlich so üblich, und vor allem: Was sollte ich tun, wenn es nicht aufhört? Anna Hofmann, Ärztin an der Tübinger Universitätsklinik für Hals-, Nasen-, und Ohrenheilkunde, gibt Antworten darauf.
12.10.2026
Maike Daub
5 Minuten
Foto einer jungen Frau mit langem dunklen Haar, die sich die Schläfe reibt und deren Nase auf ein Taschentuch blutet.
Canva

Warum blutet die Nase so leicht?

Der Fachbegriff für Nasenbluten lautet Epistaxis. „Es ist ein sehr häufiges Krankheitsbild“, erzählt Anna Hofmann. „Die meisten Leute bekommen irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal Nasenbluten.“ Nur wenige bräuchten deshalb aber einen Arzt, weswegen die Zahlen zur Gesamthäufigkeit eher Schätzungen sind.

Grafik, die Häufigkeit von Nasenbluten zeigt. 60 % der Bevölkerung haben mindestens ein Mal in ihrem Leben Nasenbluten. 6-10 % davon suchen deswegen medizinische Hilfe auf.

In den meisten Fällen blutet es aus dem vorderen Bereich der Nasenscheidewand. Dort befindet sich ein besonders gut durchblutetes Gefäßnetzwerk, erklärt Hofmann. „Diese Gefäße dienen dazu, die Atemluft anzuwärmen.“ Die Stelle ist aufgrund der Lage verhältnismäßig anfällig für Austrocknung und für Verletzungen, zum Beispiel durch Nasebohren. Wird ein Gefäß beschädigt, kann es zur Blutung kommen.

Welche Ursachen hat Nasenbluten?

„Nasenbluten kann verschiedene Ursachen haben“, so Hofmann, „oft kommen mehrere zusammen.“

Häufige Gründe sind Verletzungen der Nasenschleimhaut durch Nasenbohren oder Traumata, zum Beispiel ein Sturz auf die Nase. Auch die Einnahme von Blutverdünnern, die vor allem ältere Menschen betrifft, kann die Entstehung und das Anhalten einer Epistaxis begünstigen. Weitere Risikofaktoren sind zum Beispiel Rhinitis, also Schnupfen wie im Rahmen einer Erkältung, Kokainmissbrauch sowie kalte, trockene Luft. Ebenso kann die dauerhafte Einnahme von Nasenspray die Entstehung von Nasenbluten fördern.

Seltene Ursachen sind Tumore oder spezielle Grunderkrankungen wie Morbus Osler.

Warum sind besonders Kinder betroffen?

Grundsätzlich betrifft Nasenbluten alle Altersgruppen. „In der Klinik sehen wir mehr ältere Erwachsene als Kinder, eventuell weil die oft mehr Risikofaktoren wie beispielsweise Blutverdünner mitbringen."

Auslöser für Nasenbluten im Kindesalter sind insbesondere Traumata, also Unfälle, Fremdkörper in der Nase oder Nasebohren. Auch Infekte oder oberflächlich verlaufende Blutgefäße können Nasenbluten begünstigen. Oft kommen wie auch bei Erwachsenen mehrere dieser Faktoren zusammen. Wenn Kinder keine Vorerkrankungen haben, hört Nasenbluten in der Regel aber schnell wieder auf.

Tritt Nasenbluten bei Kindern wiederholt ohne ersichtlichen Grund auf, sollte man das zur Sicherheit ärztlich abklären lassen.

Wie sollte man sich bei Nasenbluten verhalten?

„Das Wichtigste ist, dass man nicht in Panik verfällt“, sagt Hofmann. Und dann gilt vor allem eines: Nasenflügelkompression. „Das heißt, man drückt die Nasenflügel mit Daumen und Zeigefinger fest zusammen, als wolle man sich die Nase zuhalten“, erklärt die Ärztin. Die Kompression sollte für mehrere Minuten ohne Unterbrechung abgewartet werden.

Zusätzlich gilt es, den Kopf eher nach vorne zu halten, nicht in den Nacken legen. Sonst könnte Blut in den Rachen gelangen, sodass man es schluckt, was Übelkeit verursachen kann.

Kann Nasenbluten auf Krankheiten hindeuten?

In den allermeisten Fällen hört Nasenbluten von allein wieder auf und ist ungefährlich. Insbesondere bei neu aufgetretenem mehrmaligem Nasenbluten ohne ersichtliche Gründe sollte man aber zur weiteren Abklärung einen Termin beim HNO-Arzt vereinbaren. „Manchmal können auch Tumore oder andere schwere Erkrankungen Nasenbluten auslösen, aber das ist selten“, betont Hofmann. „In einem Großteil der Fälle sind die Ursachen zum Glück harmlos“.

Ist Nasenbluten gefährlich?

„Jede Blutung ist gefährlich in Abhängigkeit davon, wann sie aufhört“, sagt Hofmann.

Beim Nasenbluten hängt die Gefährlichkeit vor allem von der Menge des Blutverlusts sowie von den Vorerkrankungen und dem Zustand des Patienten ab. Bei schweren Vorerkrankungen, oder wenn es trotz konsequenter Kompression der Nasenflügel nicht aufhört zu bluten, sollte eine ärztliche Vorstellung erfolgen. Insbesondere bei Kreislaufproblemen sollte man den Rettungsdienst rufen.

In der HNO-Praxis oder Klinik ist das Nasenbluten in der Regel schnell behandelbar. Zum Einsatz kommen dann zunächst Einlagen mit gefäßverengendem Mittel. Auch Verödung mit elektrischem Strom ist oft eine Option. In manchen Fällen kann es notwendig sein, spezielle Tamponaden in die Nase einzubringen. Damit lassen sich auch hartnäckige Blutungen meist stoppen.

Eine richtige Operation ist bei Nasenbluten zum Glück nur sehr selten notwendig. Insgesamt gilt: die Behandlung von Nasenbluten ist Routine für die HNO-Ärzte. „Das ist meistens schnell behoben: Es blutet, man stoppt die Blutung, fertig.“

Kann man Nasenbluten vorbeugen?

Insbesondere in den Tagen nach dem Nasenbluten sollte vorsichtige Nasenpflege mit einer sanften Wund- und Heilsalbe erfolgen, erklärt Anna Hofmann. Außerdem sollte man, nachdem Nasenbluten aufgetreten ist, circa zwei Wochen nicht schnäuzen oder in der Nase bohren – damit die Schleimhaut eine Chance hat, abzuheilen. Wenn Nasenbluten wiederholt auftritt, sollte man mit seinem HNO-Arzt besprechen, ob vorbestehende Risikofaktoren behandelt werden können. „Und sonst: Wenn es passiert, Ruhe bewahren."

Experten

Anna Hoffmann
Anna Hoffmann
Ärztin
Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde