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Mythen und Tipps

Zähneputzen – aber richtig!

Dass Zähneputzen wichtig ist, lernt man schon als Kind. Aber wie geht es eigentlich richtig? Besser vor oder nach dem Frühstück? Und kann man auch zu viel putzen? Alltägliche Fragen wie diese beantwortet Dr. Jana Ripperger von der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde in Tübingen.
01.06.2026
Maike Daub
5 Minuten
Eine Frau mit langen braunen Locken putzt sich die Zähne. Man sieht sie scharf im Spiegelbild, verschwommen von hinten im Vordergrund.
Canva

Was ist der größte Fehler beim Zähneputzen?

Darauf hat Dr. Ripperger eine klare Antwort: Der häufigste Fehler bei der Zahnhygiene ist zu starkes Schrubben. „Vor allem, wenn man eine zu harte Bürste benutzt“, erklärt sie weiter. Als Zahnärztin empfiehlt sie weiche bis maximal mittelharte Bürsten. Aber auch eine zu kurze Putzzeit oder eine falsche Systematik sind häufige Fehler. Elektrische Zahnbürsten mit Drucksensor können dabei hilfreich sein.

Reicht Zähneputzen allein?

„Mit normalem Zähneputzen erreicht man nur etwa 60 Prozent der Zähne“, erklärt Dr. Ripperger. Die restlichen 40 Prozent liegen in den Zahnzwischenräumen. Zähneputzen allein reicht also nicht. Wichtig ist es, regelmäßig Zahnseide oder Interdentalbürsten zu benutzen. Letztere seien sogar effektiver, wenn sie passen und die Zwischenräume nicht zu eng sind.

Auch die Zunge dürfe nicht vergessen werden, betont die Zahnärztin. Sie habe „tiefe Furchen“, in denen sich Mikroorganismen wohlfühlen. Ein Zungenschaber oder eine Zungenbürste schaffe Abhilfe, auch bei Mundgeruch. „Das ist auch wirklich schnell gemacht in ein paar Sekunden“, versichert Dr. Ripperger.

Mundspülungen allein helfen übrigens nicht. „Die sollte man eher als Ergänzung, als letztes Glied der Kette sehen“, sagt Dr. Ripperger. „Das fühlt sich gut an, aber ist kein Ersatz für die mechanische Reinigung.“

Wie wichtig ist Fluorid?

„Das ist der einzige Wirkstoff in der Zahnpflege, der nachweislich als unverzichtbar für die Kariesprävention angesehen wird.“, stellt Dr. Ripperger klar. Fluorid sei bereits seit mehr als 100 Jahren gut untersucht und senkt das Karies-Risiko um 20 bis 30 Prozent. Ohne den Wirkstoff steigt das Risiko also deutlich, besonders bei Kindern und Jugendlichen.

Durchs Essen sinkt der pH-Wert im Mund – deswegen spricht man so oft von Säure, die die Zähne angreift. Genau davor schützt Fluorid, denn es fördert die Remineralisation. „Das ist einfach das Nonplusultra.“

Bei richtiger Anwendung und Dosierung ist Fluorid in Zahnpasta unbedenklich, erklärt Dr. Ripperger. Standard in Erwachsenenzahncremes seien 1000 bis 1500 ppm (Parts per Million). Dabei brauchen Erwachsene etwa eine erbsengroße Menge zum Zähneputzen. Bei ganz kleinen Kindern reicht schon eine reiskorngroße Menge (bis 2 Jahre; 1000ppm), im Alter von 2-6 Jahren wird eine erbsengroße Menge (1000 ppm) empfohlen und etwa ab der Grundschule sollten auch Kinder die Dosierung für Erwachsene benutzen. „„Wichtig ist außerdem, Zahnpasta nach dem Putzen auszuspucken und möglichst nicht herunterzuschlucken.“

Zahnarzt nicht vergessen!

Genauso wichtig wie das richtige Zähneputzen ist, die Vorsorge in der Zahnarztpraxis. Je älter man wird – und je älter die Gesellschaft wird – desto bedeutender ist das Thema Zahnerhalt. Mit der Zeit lassen die motorischen Fähigkeiten nach, die Ernährung verändert sich – all das kann Auswirkungen auf die Mundhygiene haben und begünstigt zum Beispiel das Entstehen von Wurzelkaries oder der Volkskrankheit Parodontitis, von der mittlerweile jeder zweite Erwachsene betroffen ist.

Da kann der Zahnarzt oder die Zahnärztin am besten helfen – und je früher eingegriffen werden kann, desto besser. Also regelmäßig zur Vorsorge gehen!

Wann soll man Zähneputzen?

Richtig ist es, zweimal täglich zu putzen: Direkt nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen. Der Mythos, man müsse nach dem Essen mindestens 30 Minuten warten, ist mittlerweile wissenschaftlich widerlegt, erklärt Dr. Ripperger. „Man reibt mit dem Putzen die Säure nicht noch mehr in den Zahn rein“, sagt sie klar. Wichtig sei aber, ihr mit Fluorid entgegenzuwirken. Nach dem Putzen abends noch mal ein Glas Wasser zu trinken ist übrigens auch okay, man sollte nur nichts mehr essen.

Mehr als drei bis viermal am Tag sollte man nicht putzen, vor allem nicht mit einer harten Bürste. Zu häufiges oder zu kräftiges Putzen kann Schäden am Zahnfleisch und an der Zahnhartsubstanz verursachen. „Die Zähne sind dann zwar vielleicht super sauber, aber es können sogenannte Putzdefekte entstehen.“ Zudem können die Zahnhälse empfindlich werden, wenn sich das Zahnfleisch infolge der mechanischen Belastung zurückzieht.

Wie putzt man Zähne richtig?

Das Wichtigste ist eine gute Systematik beim Zähneputzen. Soll heißen: Keine Stellen vergessen, innen, außen, oben, unten putzen. „Wenn die Systematik gut ist, kann auch die Handzahnbürste gleichwertig zur elektrischen sein“, sagt Dr. Ripperger. Doch die elektrische Zahnbürste hat Vorteile, wie einen eventuellen Drucksensor, und kann Nischen besser erreichen. Besonders für Menschen, deren Mobilität der Hand eingeschränkt ist, kann das von Vorteil sein.

Immer gilt: Mindestens zwei Minuten lang putzen. „Es ist viel wichtiger, dass man alle Areale erreicht, als wie fest man drückt oder ob man elektrisch oder manuell putzt. Und wenn man dann auch noch die Zahnzwischenräume reinigt, putzt man super.“

Experten

Dr. med. dent. Jana Ripperger
Dr. med. dent. Jana Ripperger
Kursleiterin Integrierter Behandlungskurs I
Poliklinik für Zahnerhaltung
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