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Ernährung in der Schwangerschaft

Alternative Ernährungsweisen in der Schwangerschaft

Die richtige Nährstoffzufuhr in der Schwangerschaft und in diesem Zuge die Ernährung von Schwangeren wird immer wieder diskutiert. Folglich stehen alternative Ernährungsweisen, wie Vegetarismus und Veganismus besonders im Diskurs. Ernährungsexpertin Ilka Rack beantwortet die wichtigsten Fragen.
19.10.2026
Tessa Sauer
5 Minuten
Eine Schwangere Frau schneidet eine Avocado und ein hartgekochtes Ei auf für einen Salat.
Canva

Der Trend zur pflanzenbetonten Ernährung nimmt in Deutschland seit Jahren zu. Besonders in der jüngeren Generation ist er weit verbreitet: Laut dem Ernährungsreport 2025 des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat leben rund 20 Prozent der unter 30-Jährigen vegetarisch oder vegan. Insgesamt ernähren sich etwa 9 Prozent der Frauen vegetarisch, weitere 43 Prozent geben an, nur gelegentlich Fleisch zu essen.

Gerade in der Schwangerschaft stellt sich daher häufig die Frage, ob eine solche Ernährungsweise für Mutter und Kind unbedenklich ist oder ob durch den Verzicht auf Fleisch und andere tierische Produkte wichtige Nährstoffe fehlen.

Funktioniert eine vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft?

Eine vegetarische Ernährung ist in der Schwangerschaft grundsätzlich gut umsetzbar und für das Baby nicht automatisch gefährlich. „Viele Frauen ernähren sich vegetarisch und bringen gesunde Kinder zur Welt“, sagt Ilka Rack klar.

Durch den Verzicht auf Fleisch, bei gleichzeitigem Verzehr von Milchprodukten und Eiern, bleibt die Ernährung in der Regel vielseitig. Sie enthält häufig einen hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel und kann reich an Ballaststoffen sowie verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen sein. Eine ausgewogene vegetarische Kost kann sich positiv auf Blutdruck, Verdauung und allgemeines Wohlbefinden auswirken. Zudem entfällt der Verzehr von rohem Fleisch und gegebenenfalls Fisch und damit ein Teil möglicher Infektionsrisiken.

Was sollte ich in der Schwangerschaft nicht essen?

Während einer Schwangerschaft wird der Verzehr von rohem Fisch, rohem Fleisch, Rohmilchprodukten und Speisen mit rohem Ei nicht empfohlen, da diese Lebensmittel mit Bakterien wie Listerien oder Toxoplasmen belastet sein können. Besonders für das Kind im Mutterleib können diese Infektionen gefährlich werden und zu Früh- oder in seltenen Fällen auch zur Fehlgeburt führen. Bei einer vegetarischen und insbesondere einer veganen Ernährung in der Schwangerschaft gibt es demnach ein geringeres Risiko einer Infektion über diese Speisen. Dennoch sollte auch hier auf eine ausreichende Küchenhygiene geachtet werden, um Infektionsrisiken zu minimieren.

Gibt es Besonderheiten bei einer veganen Ernährung in der Schwangerschaft?

Ähnlich wie eine vegetarische Ernährung ist auch eine vegane Ernährung in der Schwangerschaft grundsätzlich möglich, wird von Fachgesellschaften jedoch nicht offiziell empfohlen. „Man sollte eine solche Ernährung dann gut planen, am besten mit professioneller Hilfe“, rät Rack.

Während Vegetarierinnen weiterhin Milchprodukte und Eier verzehren und damit auf bestimmte tierische Nährstoffquellen zurückgreifen können, entfallen diese bei einer veganen Ernährung vollständig. Dadurch verändert sich die Zusammensetzung der Ernährung deutlich. Die Versorgung mit allen notwendigen Nährstoffen muss bewusster gesteuert und gezielt sichergestellt werden.

Auf welche Nährstoffe muss besonders geachtet werden?

Unabhängig von der gewählten Ernährungsform gilt laut Ilka Rack: „In der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung mit allen essenziellen Nährstoffen entscheidend. Ein besonders wichtiger Nährstoff, der im besten Fall schon vor einer geplanten Schwangerschaft supplementiert werden sollte, ist Folsäure. Die Einnahme sollte mindestens bis zum Ende des ersten Trimesters erfolgen.“ Bei veganer oder vegetarischer Ernährung können insbesondere Vitamin B12, Eisen, Zink, Jod, Proteine, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren kritisch sein. „Eine unzureichende Zufuhr kann das Wachstum des Kindes beeinträchtigen oder das Risiko für Komplikationen erhöhen“, erklärt Rack.

Was genau bei der Ernährung beachtet werden sollte, unterscheidet sich allerdings zwischen den beiden Ernährungsformen.

Sich vegetarisch ernährende Mütter verzehren Milchprodukte und Eier. Diese liefern hochwertiges Eiweiß, Vitamin B12, Kalzium und weitere wichtige Nährstoffe. Dadurch ist das Risiko ausgeprägter Mängel deutlich geringer.

Dennoch sollten insbesondere Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren bewusst in den Speiseplan integriert werden. Pflanzliche Lebensmittel, die diese Nährstoffe enthalten, sind beispielsweise Hülsenfrüchte, Hafer, Hirse und verschiedene Samen, wie zum Beispiel Leinsamen oder Chiasamen. Außerdem wird zur Verwendung eines jodierten Speisesalzes geraten.

Bei veganer Ernährung fehlen bestimmte Nährstoffe vollständig oder sind nur in sehr geringen Mengen enthalten. Eine Vitamin B12-Supplementierung ist dringend empfohlen, aber auch Vitamin D, Jod und die Omega-3-Fettsäure DHA sollten in der Regel ergänzt werden. Eisen, Zink, Kalzium und die Eiweißzufuhr sollten ebenfalls regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf zugeführt werden.

Studien zeigen, dass eine nicht ausreichend geplante vegane Ernährung ein erhöhtes Risiko für ein verringertes Geburtsgewicht und Schwangerschaftskomplikationen wie die Präeklampsie birgt. Eine professionelle Ernährungsberatung für eine sorgfältige Planung der Speisenzusammensetzung sowie regelmäßige Blutkontrollen und eine engmaschige Rücksprache mit der behandelnden Gynäkologin oder dem Gynäkologen zu wichtigen Supplementen sind daher besonders ratsam.

Experten

Ilka Rack
Ilka Rack
Ernährungswissenschaftlerin M. Sc.
Nutrition Support Team