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Obstruktive Schlafapnoe

Auch Babys können schnarchen

Schnarchen verbinden viele mit älteren oder kranken Menschen – doch auch Babys und Kleinkinder können bereits schnarchen. Dahinter steckt manchmal eine obstruktive Schlafapnoe. Die lässt sich jedoch behandeln, erklärt Prof. Mirja Quante, Leiterin des Kinderschlaflabors am Universitätsklinikum Tübingen.
10.08.2026
Maike Daub
4 Minuten
Ein Mädchen in einem weißen Schlafanzuzg mit pinken Sternen liegt mit offenem Mund im Bett.
Canva

Wie häufig kommt es vor, dass Kinder schnarchen?

Schnarchen kommt etwa bei jedem zehnten Kind vor. Es entsteht, wenn die Atemwege im Schlaf verengt sind und Gewebe im Rachen zu vibrieren beginnt. Nur bei etwa drei bis vier Prozent der Kinder liegen aber schlafbezogene Atmungsstörungen vor, wie die obstruktive Schlafapnoe.

Dabei ist die Verengung so stark ausgeprägt, dass die Atmung flacher wird oder für einige Sekunden sogar überhaupt keine Luft durchkommt. Das wiederum hat Auswirkungen auf die Schlafqualität. „Das ist so ähnlich, wie wenn wir in der Nacht ständig geweckt werden würden. Da wären wir auch ziemlich müde“, sagt Prof. Quante.

Welche Ursachen hat Schnarchen bei Kindern?

Wie Erwachsene schnarchen Kinder manchmal, weil sie zum Beispiel eine Erkältung haben. Wenn das Schnarchen aber regelmäßig auftritt, kann eine obstruktive Schlafapnoe dahinterstecken. Hauptrisikofaktoren dafür sind vergrößerte Mandeln Polypen. Besonders betroffen sind außerdem Kinder mit Down-Syndrom, zu kleinem Unterkiefer oder Übergewicht.

Ist die Schlafatmungsstörung gefährlich?

Erst einmal nicht, sagt Prof. Quante klar. „Das Kind stirbt nicht durch eine Atempause.“ Auf Dauer könne jedoch die Hirnentwicklung beeinträchtigt werden, Schulkinder später haben aufgrund der Müdigkeit oft Probleme sich zu konzentrieren und schreiben schlechtere Noten. Häufig sind es daher gerade Kinder, die jetzt zur Grundschule gehen, die zu Mirja Quante ins Schlaflabor kommen. Oft versuchen die Kinder sogar die Müdigkeit so sehr zu überspielen, dass statt der Apnoe manchmal ADHS diagnostiziert würde.

Wie wird die Schlafapnoe diagnostiziert?

 „Auch Kinderschnarchen kann so laut sein, dass man es durch die geschlossene Tür hören kann“, schildert Prof. Mirja Quante eindrücklich. Eltern suchen dann oft Hilfe – ein guter erster Ansprechpartner ist immer die Kinderarztpraxis. Manchmal bemerken aber auch Kieferorthopäden und -orthopädinnen Auffälligkeiten und raten zu weiteren Untersuchungen.

Für das Team im Kinderschlaflabor sei es besonders hilfreich, wenn Eltern die erschwerte Atmung ihres Kindes mit dem Handy filmen und ihnen das Video zeigen können, erklärt Prof. Quante. Schnarchende Babys hätten zudem oft auch tagsüber schon eine angestrengte Atmung.

Zur genauen Diagnose müssen die Kinder dann in der Regel eine Nacht im Schlaflabor verbringen. Dabei kann sie ein Elternteil begleiten. Die ganze Nacht werden sie von verschiedenen Geräten und einer Videokamera überwacht, alle Daten ausgewertet. Noch am nächsten Tag bekommen die Eltern meist die Diagnose mitgeteilt. Wie genau das funktioniert, erklärt Prof. Quante auch im Video.

Wie kann die Obstruktive Schlafapnoe bei Kindern behandelt werden?

Die gute Nachricht zuerst: „Das Wachstum ist auf unserer Seite“, sagt Prof. Quante. Bei Kindern sei es möglich, dass sich die Schlafapnoe einfach „rauswächst“, wenn der Atemweg größer wird.

Wie bei Erwachsenen mit ausgeprägter Schlafapnoe gibt es außerdem die Möglichkeit einer atemunterstützenden Therapie. Dabei müssen die Betroffenen nachts eine Maske tragen, die ihren Atemweg offenhält. Wächst sich die Schlafapnoe „raus“, braucht man auch das Gerät nicht mehr.

In leichten Fällen kann bei Kindern zudem auch eine logopädische Therapie helfen oder es reicht, nur zu beobachten, ergänzt Prof. Quante. „Schlussendlich ist die Therapie immer individuell. Aber bei schlimmen Fällen darf ich nicht nur warten, bis sich das vielleicht rauswächst.“

Was können Eltern tun?

„Viele Eltern, die zu uns kommen, sind in sehr großer Sorge“, sagt Prof. Quante. Nur weil das Kind schnarcht, muss das aber nicht weitere Schritte nach sich ziehen: Wenn es gut zurechtkommt und keine Tagesauffälligkeiten zeigt, sei das Schnarchen gar nicht so schlimm. „Wichtig ist: Schnarchen kann ein Leitsymptom sein, aber nicht alle Schnarcher sind von der obstruktiven Schlafapnoe betroffen.“

Wer sich Sorgen macht, kann erst einmal mit dem Kinderarzt oder der Kinderärztin sprechen. Prophylaktisch rät Prof. Mirja Quante außerdem zu regelmäßigem Sport. Dieser wirke sich positiv aus und Übergewicht im Griff zu haben verringere auch das Risiko, an einer obstruktiven Schlafapnoe zu erkranken.

Das Schlaflabor

Das Kinderschlaflabor des Universitätsklinikums Tübingen gehört mit rund 800 Untersuchungen pro Jahr zu den größten in Deutschland. Schon Neugeborene können hier behandelt werden. Immer besteht die Möglichkeit für die Eltern, mit vor Ort zu übernachten. Sie müssen alles mitbringen, was sie für den üblichen Ablauf mit ihrem Kind so brauchen: Von der Zahnbürste bis zum Kuscheltier. Die obstruktive Schlafapnoe gehört zu den häufigsten Beschwerdebildern, die hier behandelt werden.

Experten

Apl. Prof. Dr. med. Mirja Quante
Apl. Prof. Dr. med. Mirja Quante
Oberärztin, Bereichsleitung Kinderschlafmedizin
Kinderheilkunde IV - Neonatologie, neonatologische Intensivmedizin
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