Seit 2002 ist die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung eingeführt. Doch für viele Patientinnen und Patienten ist die Untersuchung erst mal eher mit Angst verbunden. Dafür gibt es jedoch keinen Grund, wie Dr. Stefano Fusco erklärt.
Warum eine Darmspiegelung machen?
Die Darmspiegelung ist mehr als eine reine Vorsorgeuntersuchung. Denn noch während der Endoskopie kann gehandelt werden: „Wenn Polypen im Darm gefunden werden, können diese sofort mit einer Elektroschlinge oder einer Zange entfernt werden. Polypen sind meist gutartige Wucherungen der Schleimhaut, die zwar normalerweise keine Beschwerden verursachen, sich aber zu bösartigen Tumoren entwickeln können“, berichtet Fusco.
Zudem könne man mithilfe der Koloskopie einen Tumor in einem frühen Stadium erkennen, also noch bevor er gestreut und Metastasen gebildet habe. Früh erkannt sei Darmkrebs gut behandelbar. „Man sollte die Chance wahrnehmen und mit der Koloskopie einem bösartigen Tumor zuvorkommen“, rät der Mediziner. Seitdem im Jahr 2002 die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung eingeführt wurde, ist sowohl die Zahl der Neuerkrankungen als auch die Sterblichkeit bei Darmkrebs zurückgegangen, und zwar aufgrund der Vorsorge. Das haben zahlreiche wissenschaftliche Studien ergeben. Daher gilt diese Untersuchung als eine der wichtigsten Methoden bei der Krebsprävention.
Eine Darmspiegelung ist eine Untersuchung des Dickdarms und manchmal auch des unteren Abschnitts des Dünndarms. Dabei wird ein biegsames, schlauchförmiges Instrument – ein Endoskop – durch den After eingeführt. An der Spitze des Schlauchs befindet sich eine kleine Kamera. Sie überträgt Bilder aus dem Inneren des Darms auf einen Monitor. Der Arzt oder die Ärztin kann so die Darmschleimhaut genau ansehen. Die Darmspiegelung wird routinemäßig für Männer ab 50 und für Frauen ab 55 Jahren empfohlen, um Darmkrebs und Krebsvorstufen rechtzeitig erkennen zu können Denn bei einer Darmspiegelung können Krebsvorstufen nicht nur erkannt, sondern auch gleich entfernt werden.
Wie läuft die Darmspiegelung ab?
Bei der Untersuchung wird das Endoskop über den After in den Dickdarm eingeführt. Gleichzeitig strömt Kohlendioxid ein, damit der Darm sich etwas weitet und die Sicht besser wird. Früher hat man Raumluft verwendet, was allerdings dazu führte, dass diese Luft in den Tagen danach ihren Weg nach draußen suchte. Kohlendioxid hingegen wird über den Darm aufgenommen und über die Lunge ausgeatmet. So werden unangenehme Blähungen auf ein Mindestmaß reduziert.
Das Gerät wird in den Dickdarm bis an die Grenze zum Dünndarm geschoben und wieder herausgezogen. Dabei werden Bilder von einer winzigen Kamera am Ende des Schlauches an einen Monitor gesendet, die Beschaffenheit der Darmschleimhaut kann dabei beurteilt werden. Findet sich ein Polyp oder Krebsgewebe, kann dieses mit Spezialwerkzeugen entfernt werden – diese Zangen oder Schlingen werden über einen Arbeitskanal im Endoskop eingeführt.
„Normalerweise findet die Vorsorgeuntersuchung bei niedergelassenen Ärzten und Ärztinnen statt. Die Routine-Vorsorge wäre in den Kliniken gar nicht zu schaffen“, sagt Fusco. Im Klinikum kümmere man sich hingegen um schwere oder komplexe Fälle, die von den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen überwiesen werden.
Muss ich Angst vor der Darmspiegelung haben?
Viele Patienten und Patientinnen haben Ängste und Sorgen, die sie mit der Darmspiegelung verbinden. Etwa vor möglichen Befunden, oder auch nur vor dem Gefühl, so entblößt zu sein. Solche Sorgen hört Dr. Stefano Fusco in Aufklärungsgesprächen immer wieder und kann helfen: „Die Darmspiegelung ist unser täglich Brot. Wir führen sie zehn- bis 15-mal am Tag durch, das muss nicht peinlich sein, da muss sich niemand schämen“, erklärt der Oberarzt. Zudem bekomme jede Patientin und jeder Patient eine sogenannte Endoskopie-Hose – das sind Shorts mit einer kleinen Öffnung am hinteren Teil, durch die das Endoskop eingeführt werden kann. Man sei also keinesfalls nackt.
Die Angst vor möglichen Schmerzen kann der Gastroenterologe nehmen: „Über die Vene wird ein Schlafmittel verabreicht. Das bewirkt, dass man von der Untersuchung nichts spürt. Viele Patientinnen und Patienten berichten, dass sie aus einem schönen, angenehmen Traum wieder aufgewacht sind.“
Weitere Untersuchungen im Verdauungstrakt
Bei der Verdauung ist Teamarbeit angesagt: Auf dem Weg vom Mund bis zum Ende des Darms wird zerkleinert, Wichtiges von Unwichtigem getrennt, die zerlegte Nahrung dem Körper bereitgestellt und Unbrauchbares am Ende ausgeschieden. Für die verschiedenen beteiligten Organe gibt es verschiedene Untersuchungen.
Im Verdauungsprozess spielen auch die Leber, die Galle und die Bauchspeicheldrüse eine wichtige Rolle. Das gelbe Gallensekret wird von der Leber in den Dünndarm geschickt und von der Gallenblase zwischengespeichert. Das Sekret hilft bei der schwierigen Zersetzung von fetthaltigen Speisen. Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) stellt literweise einen lebenswichtigen Saft voller Verdauungshelfer her. Liegt das Teamwork lahm, ist die Verdauungskette gestört: Sind die Organe entzündet oder die weitverzweigten Gänge verstopft, etwa durch Gallensteine, kann dies auch sehr schmerzhaft werden. Eine krampfartige Gallenkolik quält Betroffene heftig, ebenso wie eine entzündete Bauchspeicheldrüse. Man kann Bauchorgane zunächst gut mit dem Ultraschallgerät untersuchen. Lässt dies keine endgültige Diagnose zu, kommt die Endoskopie zum Zug – in diesen Fällen die endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP).
Bei dieser radiologischen Untersuchung werden die Hohlräume der Gallenwege, die Gallenblase oder die Gänge der Bauchspeicheldrüse angeschaut. Dazu führen Dr. Stefano Fusco oder seine Kolleginnen und Kollegen das Endoskop mit der kleinen Kamera am Ende über den Mund und Magen in den Zwölffingerdarm ein, also bis zum ersten Abschnitt des Dünndarms. Gallengänge enden hier ebenso wie der Hauptgang der Bauchspeicheldrüse – diese Schleimhautfalte wird Vatersche Papille genannt – ein Muskel regelt das Einfließen von Gallensekret und Verdauungssaft aus dem Pankreas. Bei der Untersuchung wird an dieser Stelle ein Kontrastmittel über das Endoskop in die zu untersuchenden Gänge gespritzt und geröntgt – das unterscheidet diese Endoskopie von anderen endoskopischen Methoden. Im Röntgenbild werden viele verschiedene Veränderungen sichtbar, etwa störende Gallensteine in den Gängen, entzündliche oder tumorbedingte Engstellen, Zysten oder Tumore.
Auch bei dieser Untersuchung können kleinere Eingriffe sofort durchgeführt werden: Mithilfe von Bergekörbchen oder Ballons werden etwa Gallengangsteine entfernt. Oder es kann dafür gesorgt werden, dass die Steine abfließen.
Eine Magenverstimmung hat man schnell einmal: zu fettes Essen, anhaltende Übelkeit oder Sodbrennen – auch die Psyche schlägt auf den Magen. „Oft sind die Beschwerden harmlos und können bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten diagnostiziert und behandelt werden“, erklärt Dr. Fusco.
Sollten diese Schmerzen aber dauerhaft anhalten, die Behandlung nicht wirken oder aber schlimme Magenprobleme in der Familie liegen, schafft eine Magenspiegelung Klarheit: Damit ist zu sehen, ob etwa die Magenschleimhaut der Patientin oder des Patienten entzündet ist. Auch das Magenbakterium Helicobacter pylori, das sich in die Schleimhaut einnistet und sehr unangenehm werden kann, wird so entlarvt. Ernstere Ursachen wie etwa ein schmerzhaftes Magengeschwür oder im schlimmsten Fall ein Tumor werden auf diese Weise erkannt.
Unklare oder schwere Fälle kommen zur Abklärung schließlich in die Klinik. Auch die Gastroskopie dient nicht nur der Diagnose, kleinere und größere Eingriffe können durchgeführt werden, wie etwa die Entfernung oberflächiger Tumore oder Blutstillungen.
Mit einem Schlauch ist der Dünndarm nur schwer zu erreichen. Daher wird eine spezielle Kamera schlicht geschluckt: Sie hat die Größe eines Bonbons und nimmt nach dem Schlucken den natürlichen Weg Richtung Dünndarm. Dabei funkt sie pro Sekunde drei Bilder zu einem Aufnahmegerät, das die Patientinnen und Patienten mit einem Gürtel umgeschnallt am Bauch tragen – die Bewegung ist dabei nicht eingeschränkt. Schließlich benötigt die Untersuchung eine gewisse Zeit – etwa so lange, wie auch die Verdauung eines Mittagessens dauern würde, also einige Stunden.
Die Kamera endet letztlich in der Toilette und die Fotos werden in der Klinik ausgewertet. Die Kapselendoskopie wird vor allem eingesetzt, wenn es um die Frage nach einer Blutung im Dünndarmbereich oder einer chronischen Darmentzündung, etwa Morbus Crohn, geht.