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Unterschätze Gefahr

Die Fettleber: Was wirklich hilft

Die Diagnose Fettleber kommt oft überraschend – und wird dennoch häufig unterschätzt. Doch sie kann der Beginn ernsthafter Lebererkrankungen sein. Experten der Universitätsklinik Tübingen erklären, warum eine frühe Erkennung so wichtig ist, welche Risikofaktoren eine Rolle spielen und wie eine gezielte Ernährungs- und Lebensstiländerung helfen kann.
14.09.2026
Brigitte Gisel
4 Minuten
Prof. Norbert Stefan, ein Mann im Arztkittel, steht vor einem Bildschirm und erklärt einer Patientin eine Darstellung. Die Patientin ist nur von hinten verschwommen zu erkennen.
Beate Armbruster / Universitätsklinikum Tübingen

Die Diagnose ereilt Patientinnen und Patienten oft aus heiterem Himmel. Der Hausarzt entdeckt leicht erhöhte Leberwerte, macht eine Ultraschalluntersuchung und stellt fest: „Sie haben eine Fettleber.“

Die Leber ist vergrößert, in die Zellen haben sich Triglyceride, sogenannte Neutralfette, eingelagert. Prof. Norbert Stefan weiß genau, wie es dazu kommt. „Zu viel Weißmehl, Zucker, Fruktose, gesättigte Fettsäuren und eine positive Kalorienbilanz sind die Hauptursachen für eine Fettlebererkrankung“, so der Professor für klinische und experimentelle Diabetologie in der Inneren Medizin IV der Tübinger Universitätsklinik. Das bedeutet: Hier ein Croissant zum Frühstück, dort ein Stückchen Kuchen zum Kaffee, abends noch Chips und zwei Gläschen Wein sind auf Dauer Gift für die Leber. Das gilt vor allem, wenn jemand eine genetische Disposition für diese Lebererkrankung hat.

Risiko Entzündung

Eine Fettleber kann den Auftakt bilden für lebensgefährliche Lebererkrankungen, sagt Prof. Christoph Berg, Geschäftsführender Oberarzt an der Inneren Medizin I der Uniklinik. 30 Prozent dieser Betroffenen leiden nämlich bereits an einer aktiven Fettleberentzündung. Daraus kann sich eine Fibrose entwickeln, die Lebergewebe zerstört. Am Ende des Prozesses steht die Leberzirrhose, die schlimmstenfalls zu Leberkrebs führen kann.

Doch auch Begleiterscheinungen der Zirrhose wie Wassereinlagerungen im Bauch oder Krampfadern in der Speiseröhre sind gefährlich. Am Ende hilft oft nur noch eine Transplantation, berichtet der Leberspezialist.

Gerade weil eine Fettleber schleichend entsteht, rät Berg, wachsam zu sein: „Erhöhte Leberwerte sind nie normal. Sie müssen abgeklärt werden.“ Ganz wichtig sei es, andere Lebererkrankungen auszuschließen. Besteht der Verdacht, dass aus der reinen Fettleber bereits eine entzündliche Erkrankung geworden ist, schließen sich an der Uniklinik Leberbiopsie oder Fibroscan-Untersuchungen an, die exakt den Grad der Vernarbung anzeigen.

Berg hält die strenge Trennung zwischen alkoholischer und nicht-alkoholischer Fettleber für wenig aussagekräftig: „Die meisten Patientinnen und Patienten haben Risikofaktoren und trinken dazu auch mal Alkohol.“

Bei Erforschung und Behandlung von Fettlebererkrankungen arbeiten die Fachärzte und Fachärztinnen aus Hepatologie und Endokrinologie eng zusammen. Denn die nicht-alkoholische Fettleber geht meist mit dem metabolischen Syndrom, einer Stoffwechselstörung, einher. Vor allem Diabetes Typ 2 und Übergewicht sind starke Risikofaktoren.

Einer Studie zufolge, die der Endokrinologe Stefan 2016 mit Kollegen in der Fachzeitschrift „Lancet“ publizierte, ist schon Prädiabetes ein Risikofaktor. Entscheidend ist dabei das Gewicht. Elf Prozent der normalgewichtigen Patientinnen und Patienten mit Prädiabetes hatten eine Fettleber. Bei Menschen mit Prädiabetes und Adipositas waren es schon sieben von zehn.

„Die meisten Menschen mit einer Fettleber sterben an Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, sagt Stefan. Der Spezialist und sein Team arbeiten bereits seit vielen Jahren daran, die Mechanismen zu verstehen, welche dafür verantwortlich sind, und haben ihre Daten in renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.

Ernährung und Bewegung gegen die Fettleber

Doch was tun, wenn die Leber Fett angesetzt hat? „Die Lebensstiländerung ist bisher die einzige etablierte Behandlung der Fettleber“, erklärt Berg. Forschungen zu Medikamenten laufen, auch an der Tübinger Uniklinik. „Aber derzeit gibt es noch kein einziges zugelassenes Medikament zur Therapie der Fettleber“, so der Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Infektiologie mit den Schwerpunkten Hepatologie und Infektionsmedizin weiter.

Stoffwechsel-Experte Stefan rät: „Viel Bewegung, wenig Süßes, Vollkornprodukte, langkettige Kohlenhydrate und wenig tierische Produkte.“ Zudem sollte konsequent auf Alkohol verzichtet werden, ergänzt Berg. Entscheidend sei es, Gewicht und Blutzuckerwerte zu senken. Stefan mahnt auch bei Fruktose und damit Obst zur Vorsicht. Er empfiehlt Sorten mit wenig Zucker: Kiwis etwa, Äpfel von der Streuobstwiese, Erdbeeren oder Johannisbeeren. Zur Zurückhaltung rät er bei Bananen, Trauben und Melonen.

Bei Menschen mit einer Fettlebererkrankung, die schon einen gesunden Lebensstil haben, verweist Stefan auf klinische Studien, die er seit vielen Jahren durchführt. Dabei haben sich unter anderem Medikamente aus dem Diabetesbereich als sehr nützlich bei der Therapie der Fettlebererkrankung erwiesen.

Experten

Prof. Dr. Christoph Berg
Prof. Dr. Christoph Berg
Leitender Oberarzt, Bereichsleitung Hepatologie
Innere Medizin I - Gastroenterologie, Gastrointestinale Onkologie, Hepatologie, Infektiologie und Geriatrie
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Univ.-Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Univ.-Prof. Dr. med. Norbert Stefan
Univ.-Professor for Clinical and Experimental Diabetology
Innere Medizin IV - Diabetologie, Endokrinologie, Nephrologie
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