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Keine Angst

Erster Besuch in der gynäkologischen Praxis : Was passiert da?

Der erste Besuch bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt ist mit viel Unsicherheit und vielleicht auch ein bisschen Angst verbunden. Dr. Alice Höller, Oberärztin der Frauenklinik Tübingen, erklärt, was junge Mädchen erwartet.
24.08.2026
Juliane Funke
5 Minuten
Eine Gynäkologin und eine junge Patientin betrachten gemeinsam eine schematische Darstellung der weiblichen inneren Organe.
Canva

Wann sollte ich das erste Mal zum Frauenarzt gehen?

„Es gibt kein spezifisches Alter, in dem man zum ersten Mal zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt gehen sollte, das ist individuell“, sagt Dr. Alice Höller, Oberärztin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendgynäkologie. Wer keine Beschwerden hat, ganz normal in die Pubertät kommt und keinen Verhütungsbedarf hat, wird das erste Mal mit 20 Jahren zum Gebärmutterhals-Screening eingeladen. „Das ist der späteste Termin, um sich zum ersten Mal bei einem Frauenarzt vorzustellen.“ Dass viele junge Mädchen schon deutlich früher zur Frauenärztin gehen, hat individuelle Gründe.

Zum Beispiel:

Diese Impfung sollte vor dem ersten Geschlechtsverkehr und zwischen dem neunten und 14. Lebensjahr erfolgen, ist aber auch später möglich. Oft kümmert sich der Kinderarzt oder die Kinderärztin darum.

Auch schon vor der ersten Periode kann es zu Beschwerden wie Juckreiz, Hauterkrankungen oder Verklebungen kommen. Oft sind Beschwerden mit der Periode der Grund für den ersten Besuch beim Frauenarzt: Unregelmäßige Zyklen, starke Schmerzen oder Zwischenblutungen zum Beispiel. Aber: „In den ersten zwei Jahren ist ein relativ unregelmäßiger Zyklus völlig normal. Der Körper braucht etwas Zeit, um sich richtig einzuspielen“, entwarnt Dr. Höller.

Spätestens zwei Jahre nach Beginn des Brustwachstums sollte auch die Menstruation einsetzen. Ist das nicht der Fall, sind die Frauenärztin oder der Frauenarzt die richtigen Ansprechpartner. Dasselbe gilt auch für eine sehr früh einsetzende Pubertät.

  • Wer vorhat, Sex zu haben, sollte sich in der gynäkologischen Praxis über Verhütungsarten und den Schutz vor sexuell übertragbare Krankheiten aufklären lassen.

Was tun gegen Angst und Scham vorm ersten Frauenarztbesuch?

„Ich sage den Mädchen und jungen Frauen immer: Ich bin von Beruf Frauenärztin, ich mache das hier von morgens bis abends. Mich kann nichts schocken“, lacht Dr. Alice Höller. „Es ist total normal, vor einer neuen Situation etwas Angst zu haben. Aber wir Frauenärztinnen sorgen dafür, dass ihr euch so wohl wie möglich fühlt. Ihr seid die Chefinnen und bestimmt die Regeln: Wir machen nichts, was ihr nicht möchtet.“

Der Besuch in der gynäkologischen Praxis ist eine intime Angelegenheit, das ist klar. Deshalb muss es auch menschlich passen: Wenn du dich bei deiner Frauenärztin nicht wohlfühlst, kannst du dir eine neue suchen.

Wie kann ich mich auf den ersten Besuch beim Frauenarzt vorbereiten?

„Viel Vorbereitung braucht es nicht. Wer Beschwerden oder akute Themen hat, kann einfach einen Termin ausmachen“, sagt Dr. Höller. Wer schon seine Periode hat, kann ein Zyklustagebuch führen, um Fragen zu Zykluslänge oder -beschwerden besser beantworten zu können. Das funktioniert auch ganz einfach per App. „Auch der Zeitpunkt der ersten Periode ist gut zu wissen“, ergänzt Dr. Höller.

Eine vorbereitete Liste mit Fragen an die Frauenärztin kann eine gute Idee sein, wenn der Kopf vor Aufregung ganz leer ist. Viele Mädchen fühlen sich wohler, wenn sie eine Vertrauensperson dabeihaben, zum Beispiel die Mutter, die beste Freundin oder den Partner oder die Partnerin.

Tipp: Wird man in der frauenärztlichen Praxis untersucht, sitzt man oft auf dem sogenannten gynäkologischen Stuhl. Weil man sich hierfür untenrum frei machen sollte, kann ein Rock oder ein langes T-Shirt zum Wohlfühlen beitragen. „Manche Patientinnen bringen sich auch warme Socken oder eine Kuscheldecke mit!“, erzählt Dr. Höller.

Muss ich beim ersten Mal beim Frauenarzt untersucht werden?

„Es gibt kein ‚Muss‘ in der Gynäkologie!“, betont die Gynäkologin. „Man kann auch einfach zur Frauenärztin gehen, um sich beraten zu lassen und Fragen zu stellen.“ Wer aber Beschwerden hat, sollte untersucht werden. „Was genau untersucht wird, kommt auf das Alter der Jugendlichen an und auf die Beschwerden. Erst einmal schaue ich mir das äußere Genitale an, ganz ohne Instrumente. So sehe ich zum Beispiel Rötungen, Entzündungen oder Ausfluss“, erklärt Dr. Höller. „Gerade bei präpubertären Mädchen reicht das meistens aus. Und auch bei den Mädchen, die in der Pubertät sind, schaue ich erstmal von außen. Und dann gestalte ich die Untersuchung ganz individuell. Wenn die Jugendliche Tampons nutzt oder schon Geschlechtsverkehr hat, kann ich ganz vorsichtig meine Instrumente nutzen.“

Mit den Instrumenten wird eine Spiegeleinstellung gemacht, das heißt, es werden die Vagina und der Muttermund inspiziert. Keine Sorge, das tut im Normalfall nicht weh – die Instrumente können nur etwas kalt sein. Wenn du in den Behandlungsraum kommst, siehst du vielleicht auch eine Vaginalsonde mit langem Hals. „Die sieht ein bisschen gruselig aus – aber meistens nehmen wir sie nicht für junge Mädchen. Mit der Sonde kann man einen Ultraschall machen und sich die Gebärmutter anschauen. Das geht aber auch problemlos über die Bauchdecke und wird dann gemacht, wenn die Patientin zum Beispiel starke Schmerzen während der Periode hat“, erklärt Dr. Höller.

Wird mir bei meinem ersten Frauenarzt-Besuch die Pille verschrieben?

Du entscheidest selbst, ob du bei deinem ersten Termin über Verhütungsthemen sprechen möchtest. Falls das der Grund für deinen Besuch ist, macht die Ärztin ein Beratungsgespräch mit dir und klärt dich über verschiedene Verhütungsmethoden und ihre Vor- und Nachteile auf. „In diesem Zusammenhang kann es sein, dass eine Pille verschrieben wird. Manchmal wird sie auch schon vor dem Verhütungsbedarf verschrieben, zum Beispiel bei starken Regelbeschwerden“, erklärt die Gynäkologin.

Wie oft sollte ich zum Frauenarzt gehen?

„Bis zum 18. oder 20. Lebensjahr einfach nach Bedarf“, sagt Dr. Höller. Wer keine Beschwerden oder Fragen hat, muss nicht unbedingt zum Frauenarzt gehen. „Viele Mädchen fühlen sich aber besser, wenn sie alle ein, zwei Jahre vorbeikommen und prüfen lassen, ob alles in Ordnung ist.“ Ab dem 20. Lebensjahr geht man dann jedes Jahr zur Krebsvorsorge.

Experten

Dr. med. Alice Höller
Dr. med. Alice Höller
Oberärztin
Department für Frauengesundheit
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