Verhütungsmethoden kann man in unterschiedliche Klassen einteilen. Zu den meistgenutzten Methoden zählen die Barriere- und die hormonellen Verhütungsmethoden. Bei den Barrieremethoden wird durch eine physische Barriere das Aufeinandertreffen von Eizelle und Spermium verhindert. Zu den Barrieremethoden gehören das klassische Kondom, das Diaphragma und das Frauenkondom.
Bei den hormonellen Verhütungsmethoden greifen Hormone in den weiblichen Zyklus ein und verhindern so eine Schwangerschaft. Zu den hormonellen Methoden gehören zum Beispiel die Pille, die Hormonspirale, das Verhütungspflaster oder die Verhütungsspritze. Laut einer aktuellen Studie des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nutzen 67 Prozent der verhütenden jungen Menschen zwischen 16 bis 25 Jahren ein Kondom, 46 Prozent setzen auf die Pille.
Für einen ersten Überblick und eine grobe Einschätzung kann zum Beispiel der Online-Test „Welche Verhütung passt zu mir?“ von familienplanung.de genutzt werden. Nachdem man Fragen wie „Verhütung mit oder ohne Hormone?“, „Soll die Methode auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen?“ oder „Darf die Methode Nebenwirkungen haben?“ beantwortet, werden einem hier potenziell passende Verhütungsmethoden vorgestellt.
Das kann als Basis und für die erste Information hilfreich sein – eine persönliche Beratung bei einer Frauenärztin oder einem Frauenarzt ersetzt so ein Online-Test aber nicht. Diese ist immer notwendig und dringend zu empfehlen. „In der Beratung können wir auf ganz persönliche Aspekte eingehen, zum Beispiel eigene oder familiäre Vorerkrankungen“, sagt die gynäkologische Endokrinologin und Reproduktionsmedizinerin Katharina Rall, die seit 20 Jahren die kinder- und jugendgynäkologische Sprechstunde des Uniklinikums Tübingen und das Zentrum für genitale Fehlbildungen leitet.
Die Sicherheit von Verhütungsmitteln wird mit dem sogenannten Pearl-Index ausgedrückt. Der Index drückt aus, wie viele Schwangerschaften auftreten, wenn 100 Frauen ein Jahr lang mit einer bestimmten Methode verhüten. Je niedriger die Zahl, desto sicherer das Verhütungsmittel. Ein hoher, also unsicherer, Pearl-Index ist nicht selten durch Anwendungsfehler bedingt.
Jungen Menschen mit wenig Erfahrung, gegebenenfalls wechselnden Partnern und Partnerinnen, noch unregelmäßigen Zyklen und wechselnden Tagesabläufen empfiehlt Prof. Rall ungern nur Verhütungsmethoden wie das Temperaturmessen oder reine Barrieremethoden wie Kondome und Co.
Besonders verbreitet ist die Kombi-Pille, bei der die Hormone Östrogen und Gestagen miteinander kombiniert eingenommen werden. „Wenn keine Kontraindikationen, also zum Beispiel Gerinnungsstörungen, Thrombosen oder andere Unverträglichkeiten bestehen, dann kann die Kombi-Pille eine gute Wahl sein. Diese kann bei Bedarf auch einmal durchgehend im Langzyklus eingenommen werden, was hilfreich sein kann im Leistungssport oder in Prüfungsphasen“, sagt Prof. Rall. Die Kombi-Pille wirkt eisprungunterdrückend, außerdem verändert sie den Gebärmutterschleim und stört den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Sie wirkt also gleich dreifach verhütend. Neben der Kombi-Pille in ursprünglicher Dosierung gibt es auch noch die Mikro- und die Mini-Pille. Die Mikro-Pille ist eine im Östrogenanteil niedriger dosierte Kombi-Pille, die Mini-Pille ist eine östrogenfreie Pille, die nur auf dem Hormon Gestagen beruht. Weil die Mini-Pille kein Östrogen enthält, ist sie mit einem geringeren Risiko für Thrombosen verbunden. „Dafür halten die Mini-Pillen in vielen Fällen den Zyklus nicht ganz stabil, sodass es zum Beispiel zu Zwischenblutungen kommen kann“, sagt die Ärztin.
Pearl-Index
Zwischen 0,1 und 0,9
Für wen geeignet?
„Die Pille ist eine Option für alle Mädchen ab der ersten Regelblutung, sofern keine Kontraindikationen bestehen“, sagt Prof. Rall. Gibt es in der eigenen oder der familiären Krankheitsgeschichte hormonabhängige Krebserkrankungen, Thrombosen, Embolien, Herzinfarkte, Schlaganfälle, Migräne oder andere Krankheiten, sollte man mit der betreuenden Gynäkologin oder dem betreuenden Gynäkologen besprechen, ob sich hieraus eine Kontraindikation ergibt und ein anderes Verhütungsmittel verwendet werden sollte. Wer sich gynäkologisch zur Verhütung beraten lässt, sollte deshalb einen Überblick über die eigene und familiäre Krankheitsgeschichte haben.
Worauf sollte man achten?
„Bei der Pille hängen die Anwendungsfehler mit der Einnahme zusammen: Die sollte natürlich regelmäßig stattfinden und nicht vergessen werden.“ Je nach Pillenart und Wirkstoff kann eine vergessene Einnahme innerhalb von drei bis zwölf Stunden nachgeholt werden, ohne die kontrazeptive Sicherheit zu beeinträchtigen. Diese Dauer sollte beim jeweiligen Präparat nachgelesen werden. Außerdem sollte man auf potenzielle Wechselwirkungen mit Medikamenten wie beispielsweise Antibiotika, Antiepileptika achten. Auch Magen-Darm-Infektionen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Durchfall oder Erbrechen können den Schutz durch die Pille negativ beeinflussen.
Spiralen wie die Hormon- oder die Kupferspirale werden in die Gebärmutter eingesetzt und können dort mehrere Jahre verbleiben. Spiralen nennt man auch Intrauterinpessare. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Ausführungen. Wie die Minipille enthält die Hormonspirale nur ein Gestagen-Hormon. Die Hormonspirale wirkt vorwiegend lokal und gibt nur geringe Mengen an Hormonen in den Körper ab, sodass der natürliche Zyklus und der Eisprung weitgehend unbeeinflusst bleiben. Die Hormonspirale verhindert in zweifacher Weise eine Schwangerschaft: Erstens wird der Schleim im Gebärmutterhals so verändert, dass die Spermien es schwerer haben, in die Gebärmutter hineinzugelangen. Zweitens baut sich die Gebärmutterschleimhaut weniger auf. Eine befruchtete Eizelle könnte sich deshalb nicht einnisten.
Pearl-Index
0,1 bis 0,2
Für wen geeignet?
Die Hormonspirale eignet sich für die langfristige Verhütung, weil sie mehrere Jahre in der Gebärmutter verbleiben kann. Wegen ihrer vergleichsweise geringen Hormondosis kann die Hormonspirale in Fällen genutzt werden, in denen die Kombipille nicht empfehlenswert ist. Grundsätzlich kann es bei der Hormonspirale zu denselben Nebenwirkungen wie bei der Mini-Pille kommen. „Es ist wichtig, dass der Arzt oder die Ärztin die richtige Größe auswählt, damit die Spirale gut sitzt und keine Probleme bereitet“, sagt Prof. Rall. Ähnlich wie die Pille kann die Hormonspirale starke Schmerzen und starke Blutungen verringern. Anfangs kann es zu Zwischenblutungen kommen. Bei der Mehrheit der Anwenderinnen bleibt die Blutung nach einigen Monaten (nahezu) ganz aus.
Worauf sollte man achten?
Gerade am Anfang nach dem Einsetzen kann die Spirale verrutschen oder ausgestoßen werden. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen wichtig. „Das wird direkt nach dem Einsetzen per Ultraschall gemacht, danach noch einmal nach ein paar Wochen und dann mindestens jedes Jahr einmal“, sagt Katharina Rall. Vor allem in den ersten Wochen nach dem Einlegen der Spirale ist das Risiko einer Infektion in der Gebärmutter oder den Eileitern leicht erhöht.
Anders als die Hormonspirale wirkt die Kupferspirale hormonfrei. „Der Schleim im Gebärmutterhals wird so verändert, dass die Spermien es schwerer haben, in die Gebärmutter hineinzugelangen, zusätzlich werden die Spermien in ihrer Beweglichkeit und Befruchtungsfähigkeit eingeschränkt. Und die Kupferspirale wirkt so auf die Gebärmutterschleimhaut, dass sich eine befruchtete Eizelle nicht einnisten könnte“, erklärt die Gynäkologin. Neben der Spirale gibt es außerdem die Kupferkette und den Kupferball. Die Kupferkette wird in die Gebärmutterwand eingehängt, der Kupferball liegt frei in der Gebärmutter.
Pearl-Index
0,1 bis 1
Für wen geeignet?
Früher habe man die Kupferspirale bei jungen Frauen nicht empfohlen, weil bei ihr besonders am Anfang ein etwas erhöhtes Risiko für Infektionen in der Gebärmutter oder den Eileitern besteht, wodurch prinzipiell sogar die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst werden kann. „Mittlerweile ist die Nachfrage gestiegen, weil viele Mädchen hormonfrei verhüten wollen“, sagt Prof. Rall. Im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmethoden wirken sich die Kupfer-Methoden nicht auf den Zyklus selbst aus, sodass sie keine Abhilfe bei unregelmäßigen oder schmerzhaften Perioden bieten. „Teilweise verstärken sie die Schmerzen und die Blutungsstärke sogar, gerade in den ersten Monaten nach dem Einsetzen“, sagt die Gynäkologin. Weil die Kupferionen sofort nach dem Einsetzen wirken, kann diese Art der Verhütung auch als Notfallverhütung genutzt werden.
Worauf sollte man achten?
Je nach Hersteller und Form wirken die Kupfer-Verhütungsmittel nach dem Einsetzen langfristig, etwa zwischen drei und zehn Jahren. Im Gegensatz zu hormonellen Verhütungsmitteln gibt es keine Wechselwirkung mit anderen Medikamenten. „Wichtig sind regelmäßige Kontrollen mindestens einmal im Jahr, um den korrekten Sitz der Spirale, der Kette oder des Balls zu prüfen“, rät die Expertin.
Das Kondom gehört wie das Diaphragma und das Frauenkondom zu den Barrieremethoden. Es besteht aus Latex und wird vor dem Geschlechtsverkehr über den Penis gerollt. Die Barriere verhindert das Aufeinandertreffen von Spermien und Eizelle. Wichtig: Barrieremethoden sind die einzigen Verhütungsmethoden, die nicht nur vor einer Schwangerschaft, sondern bei korrekter Anwendung auch vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen beziehungsweise zumindest die Risiken minimieren. Deshalb wird außerhalb einer festen Partnerschaft empfohlen, sie zusätzlich zu anderen Verhütungsmethoden zu verwenden.
Pearl-Index
2 bis 12
Für wen geeignet?
Kondome sind für alle geeignet, die sich vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen möchten. Als alleinige Verhütungsmethode sind sie für Menschen geeignet, die hormonfrei und nur beim Geschlechtsverkehr selbst verhüten wollen. Kondome sind allerdings deutlich unsicherer als andere Verhütungsmethoden, was vor allem an Anwendungsfehlern liegt.
Worauf sollte man achten?
„Bei sämtlichen Barrieremethoden, also zum Beispiel beim Kondom, gibt es klassische Anwendungsfehler. Kombiniert man Latexkondome mit fettigen Cremes, kann das Material porös werden. Das kann auch passieren, wenn Kondome zu alt sind oder lange in der Sonne liegen“, warnt die Expertin. Ein wichtiger Punkt ist es auch, die passende Größe zu wählen, sodass das Kondom richtig sitzt. Ein häufiger Fehler liegt in der zu frühen oder zu späten Anwendung, sodass das Kondom abrutschen oder reißen kann. „Gerade jungen Menschen empfehlen wir, die richtige Anwendung vorher zu üben, damit es beim Sex nicht zu Fehlern kommt“, empfiehlt die Ärztin.
Wichtig: Nur Barrieremethoden schützen vor sexuell übertragbaren Krankheiten. „Deshalb empfehlen wir gerade jungen Menschen, die vielleicht keinen festen Partner oder Partnerin haben, zusätzlich ein Kondom“, sagt Prof. Rall. Jedoch ist nie ein hunderprozentiger Schutz gegeben und die Anwendung muss auch hier korrekt erfolgen.
Bis zum 22. Geburtstag werden die Kosten für verschreibungspflichtige Verhütungsmethoden von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen. Ab dem 18. Geburtstag muss allerdings ein Eigenanteil von fünf bis zehn Euro gezahlt werden. Ab dem 22. Geburtstag muss die Verhütung in der Regel selbst bezahlt werden.
Die Kosten variieren dabei stark je nach Verhütungsart. Die Hormonspirale kostet beispielsweise bis zu 400 Euro, dazu kommen die Kosten für die regelmäßigen Untersuchungen. Die Kupferspirale kostet zwischen 120 und 130 Euro. Die Pille kostet je nach Präparat zwischen 17 und 25 Euro pro Monatspackung. In einer Partnerschaft sollte offen darüber gesprochen haben, wer zu welchen Teilen die Verhütung bezahlt.
Ob man hormonell oder nicht hormonell verhüten möchte, ist eine persönliche Entscheidung. In den letzten Jahren haben sich immer mehr Frauen gegen die hormonelle Verhütung entschieden, das sieht auch Prof. Katharina Rall in ihrem Arbeitsalltag:
„Auch durch die sozialen Netzwerke hat sich ein gewisser Anti-Hormon-Trend verbreitet. Diese Entscheidung ist individuell zu treffen. Was aber oft vergessen wird: Es gibt neben der sicheren Kontrazeption auch viele Beschwerden, bei denen hormonelle Therapien helfen können, etwa bei unregelmäßigen Zyklen, starken Blutungen und starken Schmerzen während der Periode. Auch bei Krankheiten wie Endometriose oder dem PCO-Syndrom haben hormonelle Kontrazeptiva noch einen hohen Stellenwert.“
Hinweis:
In diesem Artikel haben wir nur eine Auswahl an verbreiteten Verhütungsmethoden vorgestellt. In einem ausführlichen Beratungsgespräch können Gynäkologinnen und Gynäkologen über weitere Verhütungsmethoden aufklären, zum Beispiel den Verhütungsring, das Verhütungsstäbchen, das Verhütungspflaster, die Dreimonatsspritze, das Diaphragma, das Frauenkondom oder die Natürliche Familienplanung (NFP).
Dieser Artikel ersetzt nicht die ausführliche individuelle Beratung durch die betreuende Gynäkologin/ den betreuenden Gynäkologen!