Die HPV-Impfung wird oft als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bezeichnet. Da liegt die Frage nahe: Warum sollen sich dann Jungen oder Männer überhaupt dagegen impfen lassen? Die Antwort: Auch sie können sich mit HPV infizieren.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 7.700 Frauen und Männer an durch HPV verursachten Krebsarten. Die HP-Viren werden dabei vor allem über Sexualkontakte übertragen – über Schleimhäute oder kleine Verletzungen in der Haut gelangen sie in den Körper. Die anschließende Infektion verläuft meist unbemerkt. Genitalwarzen können die Folge sein, aber auch Zellveränderungen, Krebsvorstufen und schließlich Krebs. Der Gebärmutterhalskrebs tritt dabei bei Frauen am häufigsten auf, Männer erkranken an Krebs im Mund- und Rachenraum oder im Genitalbereich.
Einen wirksamen Schutz dagegen bietet die HPV-Impfung, mit der sich bis zu 90 Prozent der Infektionen mit den Viren verhindern lassen. Am besten eignet sich die Impfung im Alter zwischen neun und 14 Jahren – vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Was viele nicht wissen: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung nicht nur für Mädchen, sondern seit 2018 auch für Jungen.
„Ein Fünftel aller Krebserkrankungen, die durch HPV entstehen, bekommen Jungen und Männer. Deswegen ist es wichtig, dass sich beide Geschlechter impfen lassen. Nicht nur, weil sie so nur sich persönlich schützen, sondern auch potenzielle Sexualpartnerinnen und -partner“, erklärt Prof. Melanie Henes, Oberärztin an der Tübinger Universitäts-Frauenklinik und Leiterin der Endokrinologie und der Kinderwunschsprechstunde sowie des Dysplasiezentrums.
Auch ihr Sohn Leon hat sich mit 14 Jahren gegen HPV impfen lassen. Der heute über 20-Jährige war wohl einer der wenigen Jungen, die die Impfung schon vor der allgemeinen Empfehlung der STIKO und der darauffolgenden Kostenübernahme der Krankenkassen erhielten. Seine Mutter, die sich als Frauenärztin viel mit dem Thema beschäftigt, riet ihm damals dazu. „Nachdem mir meine Mutter erklärte, was HPV genau ist und wie wichtig Prävention ist, wusste ich sofort, ich lasse mich impfen. Nicht nur zum eigenen Schutz, auch um zukünftige Partnerinnen zu schützen“, erzählt der Medizinstudent, der neben seinem Medizinstudium als Studienkoordinator am Uniklinikum Tübingen arbeitet.
Eine wirkliche Aufklärung in der Schule habe es zu dem Thema nie gegeben: „Ich glaube, es wäre wichtig, schon in der Schule darüber zu sprechen. Würden die Menschen nämlich wissen, was HPV ist, würden sich auch viel mehr impfen lassen“, so Leon Henes, dem Aufklärung und Prävention besonders am Herzen liegen.
„Im Schnitt benötigt es mehrere Jahre, bis sich aus der HPV-Infektion eine Krebsvorstufe bildet, und wieder mehrere Jahre, bis sich aus der Vorstufe Krebs entwickelt. Daher ist neben der Impfung die Krebsvorsorge das A und O“, erklärt Dr. Henes.
Gebärmutterhalskrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. In Deutschland erhalten jedes Jahr etwa 4.100 Frauen die Diagnose, jede 14. Frau ist dabei sogar jünger als 30. Gebärmutterhalskrebs entsteht im unteren Bereich der Gebärmutter, an der sogenannten Zervix, und verursacht keine Frühsymptome. Die Hauptursache für die Entstehung ist eine Infektion mit HPV, die vor allem über Sexualkontakt übertragen wird.
Mit einem einfachen PAP-Test lassen sich Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses früh erkennen: Dabei wird ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals entnommen und mikroskopisch untersucht. Im Alter zwischen 20 und 34 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten einmal pro Jahr, ab 35 Jahren alle drei Jahre. Neu seit 2020 ist, dass diese Frauen zusätzlich einen HPV-Test machen können, der eine noch bessere Voraussage bietet.
Oberärztin Dr. Henes rät Jugendlichen und jungen Frauen und Männern auch noch nach dem 14. Lebensjahr zur HPV-Impfung, selbst wenn sie bereits sexuell aktiv sind: „Frauen, die schon Geschlechtsverkehr hatten, müssen zwar damit rechnen, dass sie bereits HP-Viren in sich tragen und dass die Impfung nicht mehr ganz so wirksam ist. Aber die Kombination aus Impfung und Früherkennungsuntersuchung können auch bei ihnen eine Krebserkrankung verhindern. Darüber hinaus kann eine Impfung das Rezidivrisiko bei therapierten Krebsvorstufen senken.“
Also gilt: je früher, desto besser. Denn auch die Kosten müssen Betroffene später selbst übernehmen. „Die Kostenübernahme ist pro Krankenkasse ganz unterschiedlich. Die meisten übernehmen es bis zum 18. Lebensjahr“, so Henes. Auch Leon ist fest von der Impfung überzeugt. Seine Botschaft: „Lasst euch impfen! Es sind nur zwei Pikse. Wenn man damit andere und sich selbst schützen kann, ist das auf jeden Fall ein großer Gewinn“.
Achtung: Eine HPV-Impfung bietet keinen Rundumschutz und ersetzt deshalb nicht die Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Nicht im Impfstoff enthaltene HPV-Typen können in seltenen Fällen zu verschiedenen Krebserkrankungen – auch Gebärmutterhalskrebs – führen.