Universitätsklinikum Tübingen PULS
Früher Schutz vor Krebs

Warum eine HPV-Impfung auch für Jungen wichtig ist

Gebärmutterhalskrebs? Das klingt nach einem Frauenthema. Doch HP-Viren betreffen auch Jungen und Männer – sie können ebenfalls schwer erkranken und andere anstecken. Die Impfung schützt zuverlässig, wenn sie früh erfolgt. Warum sie für alle wichtig ist und wie sie Krebs verhindert, erklärt eine Tübinger Frauenärztin.
08.01.2026
Vanessa Henne
5 Minuten
Einem Jugendlichen wird von einer Pflegekraft mit weißen Handschuhen eine Impfung gegeben. Im Hintergrund sieht man einen Arzt stehen.
Canva

Die HPV-Impfung wird oft als Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs bezeichnet. Da liegt die Frage nahe: Warum sollen sich dann Jungen oder Männer überhaupt dagegen impfen lassen? Die Antwort: Auch sie können sich mit HPV infizieren. 

Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 7.700 Frauen und Männer an durch HPV verursachten Krebsarten. Die HP-Viren werden dabei vor allem über Sexualkontakte übertragen – über Schleimhäute oder kleine Verletzungen in der Haut gelangen sie in den Körper. Die anschließende Infektion verläuft meist unbemerkt. Genitalwarzen können die Folge sein, aber auch Zellveränderungen, Krebsvorstufen und schließlich Krebs. Der Gebärmutterhalskrebs tritt dabei bei Frauen am häufigsten auf, Männer erkranken an Krebs im Mund- und Rachenraum oder im Genitalbereich.

Ist die Impfung auch für Jungen empfohlen?

Einen wirksamen Schutz dagegen bietet die HPV-Impfung, mit der sich bis zu 90 Prozent der Infektionen mit den Viren verhindern lassen. Am besten eignet sich die Impfung im Alter zwischen neun und 14 Jahren – vor dem ersten Geschlechtsverkehr. Was viele nicht wissen: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung nicht nur für Mädchen, sondern seit 2018 auch für Jungen.

„Ein Fünftel aller Krebserkrankungen, die durch HPV entstehen, bekommen Jungen und Männer. Deswegen ist es wichtig, dass sich beide Geschlechter impfen lassen. Nicht nur, weil sie so nur sich persönlich schützen, sondern auch potenzielle Sexualpartnerinnen und -partner“, erklärt Prof. Melanie Henes, Oberärztin an der Tübinger Universitäts-Frauenklinik und Leiterin der Endokrinologie und der Kinderwunschsprechstunde sowie des Dysplasiezentrums.

Erfahrungsbericht zur HPV-Impfung bei Jungen

Auch ihr Sohn Leon hat sich mit 14 Jahren gegen HPV impfen lassen. Der heute über 20-Jährige war wohl einer der wenigen Jungen, die die Impfung schon vor der allgemeinen Empfehlung der STIKO und der darauffolgenden Kostenübernahme der Krankenkassen erhielten. Seine Mutter, die sich als Frauenärztin viel mit dem Thema beschäftigt, riet ihm damals dazu. „Nachdem mir meine Mutter erklärte, was HPV genau ist und wie wichtig Prävention ist, wusste ich sofort, ich lasse mich impfen. Nicht nur zum eigenen Schutz, auch um zukünftige Partnerinnen zu schützen“, erzählt der Medizinstudent, der neben seinem Medizinstudium als Studienkoordinator am Uniklinikum Tübingen arbeitet.

Eine wirkliche Aufklärung in der Schule habe es zu dem Thema nie gegeben: „Ich glaube, es wäre wichtig, schon in der Schule darüber zu sprechen. Würden die Menschen nämlich wissen, was HPV ist, würden sich auch viel mehr impfen lassen“, so Leon Henes, dem Aufklärung und Prävention besonders am Herzen liegen.

Langer Weg von der Infektion zum Krebs

„Im Schnitt benötigt es mehrere Jahre, bis sich aus der HPV-Infektion eine Krebsvorstufe bildet, und wieder mehrere Jahre, bis sich aus der Vorstufe Krebs entwickelt. Daher ist neben der Impfung die Krebsvorsorge das A und O“, erklärt Dr. Henes.

Gebärmutterhalskrebs

Gebärmutterhalskrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen. In Deutschland erhalten jedes Jahr etwa 4.100 Frauen die Diagnose, jede 14. Frau ist dabei sogar jünger als 30. Gebärmutterhalskrebs entsteht im unteren Bereich der Gebärmutter, an der sogenannten Zervix, und verursacht keine Frühsymptome. Die Hauptursache für die Entstehung ist eine Infektion mit HPV, die vor allem über Sexualkontakt übertragen wird.

Mit einem einfachen PAP-Test lassen sich Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses früh erkennen: Dabei wird ein Zellabstrich vom Gebärmutterhals entnommen und mikroskopisch untersucht. Im Alter zwischen 20 und 34 Jahren übernimmt die Krankenkasse die Kosten einmal pro Jahr, ab 35 Jahren alle drei Jahre. Neu seit 2020 ist, dass diese Frauen zusätzlich einen HPV-Test machen können, der eine noch bessere Voraussage bietet.

HPV-Impfung auch bei älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Oberärztin Dr. Henes rät Jugendlichen und jungen Frauen und Männern auch noch nach dem 14. Lebensjahr zur HPV-Impfung, selbst wenn sie bereits sexuell aktiv sind: „Frauen, die schon Geschlechtsverkehr hatten, müssen zwar damit rechnen, dass sie bereits HP-Viren in sich tragen und dass die Impfung nicht mehr ganz so wirksam ist. Aber die Kombination aus Impfung und Früherkennungsuntersuchung können auch bei ihnen eine Krebserkrankung verhindern. Darüber hinaus kann eine Impfung das Rezidivrisiko bei therapierten Krebsvorstufen senken.“

Also gilt: je früher, desto besser. Denn auch die Kosten müssen Betroffene später selbst übernehmen. „Die Kostenübernahme ist pro Krankenkasse ganz unterschiedlich. Die meisten übernehmen es bis zum 18. Lebensjahr“, so Henes. Auch Leon ist fest von der Impfung überzeugt. Seine Botschaft: „Lasst euch impfen! Es sind nur zwei Pikse. Wenn man damit andere und sich selbst schützen kann, ist das auf jeden Fall ein großer Gewinn“.

Achtung: Eine HPV-Impfung bietet keinen Rundumschutz und ersetzt deshalb nicht die Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Nicht im Impfstoff enthaltene HPV-Typen können in seltenen Fällen zu verschiedenen Krebserkrankungen – auch Gebärmutterhalskrebs – führen.

Experten

Prof. Dr. med. Melanie Henes
Prof. Dr. med. Melanie Henes
Leitung Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Dysplasie
Department für Frauengesundheit
Mehr zu Person
Cookie Einstellungen
Bitte treffen Sie eine Auswahl um fortzufahren.
Weitere Informationen zu den Auswirkungen Ihrer Auswahl finden Sie unter Hilfe.
 
Um fortfahren zu können, müssen Sie eine Cookie-Auswahl treffen.

Cookies zulassen:
Wir setzen das Analysetool Google Analytics ein, um Besucher-Informationen wie z.B. Browser, Land, oder die Dauer, wie lange ein Benutzer auf unserer Seite verweilt, zu messen. Ihre IP-Adresse wird anonymisiert übertragen, die Verbindung zu Google ist verschlüsselt.

Nur notwendige Cookies zulassen:
Wir verzichten auf den Einsatz von Analysetools. Es werden jedoch technisch notwendige Cookies, die eine reibungslose Navigation und Nutzung der Webseite ermöglichen, gesetzt (beispielsweise den Zugang zum zugangsbeschränkten Bereich erlauben).

Sie können Ihre Cookie-Einstellung jederzeit auf der Seite Datenschutzerklärung ändern. Zum Impressum.

Zurück