Viel zu oft passiert es, dass eine Patientin oder ein Patient in der Tübinger Augenklinik Hilfe sucht, weil bei einem Eingriff am Auge etwas schiefgegangen ist. Beispielsweise, wenn eine Multifokallinse ins Auge eingesetzt wurde, die sowohl den Nah- als auch den Fernbereich abbildet, „obwohl man vorher schon hätte erkennen können, dass dieser Patient dafür kein geeigneter Kandidat ist“, berichtet Dr. Konstantinos Gklavas. Denn solche Multifokallinsen mit mehreren Brennpunkten stellen ein optisches System dar, welches das menschliche Gehirn nicht kennt.
„Die gute Aufklärung der Patienten ist unsere Aufgabe“, findet Gklavas. Wenn Betroffene eine Entscheidung auf Grundlage einer lediglich oberflächlichen Beratung träfen, liege darin bereits ein Risiko. „Patientinnen und Patienten, die sich mit dem Thema richtig beschäftigt haben, bringen auch die entsprechende Motivation mit, die zum Erfolg beiträgt“, weiß der Arzt.
In der Refraktiven Sprechstunde der Universitäts-Augenklinik wird deshalb darauf geachtet, anhand einer ausgiebigen Voruntersuchung und im Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten von vorneherein die optimale Therapie zu finden. Bei entsprechender Fehlsichtigkeit oder einer Hornhautverkrümmung kann dies zum Beispiel eine Laserbehandlung sein. Liegen keine Ausschlusskriterien wie eine zu dünne Hornhaut oder ein zu trockenes Auge vor, ist der Einsatz eines Lasers häufig das Mittel der Wahl für eine besonders schonende Korrektur. Die Erfolge sind in der Regel auf Anhieb gut. Sollte eine leichte Fehlsichtigkeit zurückbleiben, kann diese durch eine Brille oder eine Nachlaserung ausgeglichen werden.
Die häufigste in Deutschland durchgeführte Operation ist die Beseitigung des sogenannten Grauen Stars. Diese Operation ist sinnvoll, wenn sich die Augenlinse – meist infolge der natürlichen Alterung – eintrübt und das Sehvermögen deshalb nachlässt. Die trübe Linse wird dann entfernt und durch eine neue, künstliche Linse ersetzt. Das herkömmliche, minimal-invasive Operationsverfahren wird in der Regel ambulant durchgeführt.
In schwierigeren Fällen, wenn der Graue Star bereits sehr weit fortgeschritten oder die Hornhaut vorgeschädigt ist, kann der sogenannte Femtolasers eingesetzt werden. Er schneidet besonders fein und präzise und kann dabei helfen, Sonderlinsen exakt zu platzieren.
Als Klinikum der Maximalversorgung werden an der Tübinger Augenklinik auch komplexere Erkrankungen des Auges mit der notwendigen Expertise durchgeführt. Dazu zählt beispielsweise die Implantation einer phaken Linse, die zusätzlich zur körpereigenen Linse eingesetzt wird. Damit kann eine hochgradige Fehlsichtigkeit bei jungen Menschen ausgeglichen werden, selbst wenn eine Laseroperation nicht möglich ist.
Auch der Keratokonus, eine fortschreitende Vorwölbung der Hornhaut, ist für manche Betroffene ein Grund, in Tübingen vorstellig zu werden. In bestimmten Fällen kann dann Crosslinking helfen. Mit Vitamin B2 und UV-Licht wird dabei eine photochemische Reaktion ausgelöst, die zur Vernetzung der Bindegewebsfasern führt. Das verleiht der Hornhaut Stabilität und verhindert dadurch eine weitere Vorwölbung. „Für diese eher seltene Erkrankung sind Erfahrungswerte bei der richtigen Behandlung von großem Vorteil“, sagt Dr. Gklavas.
Wer über die Korrektur einer Fehlsichtigkeit mittels operativer Verfahren nachdenkt, kann sich zur Sprechstunde für Refraktive Chirurgie an der Tübinger Universitäts-Augenklinik anmelden. Eine Terminvergabe ist telefonisch unter 07071 29-88650 oder per Mail an makulasprechstunde@med.uni-tuebingen.de möglich. Bei Behandlungen, deren Kosten von einer Krankenkasse übernommen werden, ist eine Überweisung durch eine niedergelassene Augenarztpraxis erforderlich.