Ist Fliegen für Babys gefährlich?
Generell gilt, genauso wie beim Reisen mit Kindern allgemein: „Es ist möglich, wenn man gewisse Dinge beachtet“, erklärt Kinderarzt Dr. Remppis. Allerdings hängt es auch immer vom Reiseziel, sowie dem Alter und möglichen Vorerkrankungen des Kindes ab.
In der ersten Lebenswoche sollten Kinder generell nicht fliegen, wegen möglicher Lungenunreife und Besonderheiten des Blutkreislaufs unmittelbar nach der Geburt, erklärt der Arzt weiter. Kurz nach der Geburt müsse auch der Gesundheitszustand der Mutter beachtet werden. Auch bei ehemals Frühgeborenen oder Säuglingen mit kardialen oder pulmonalen Erkrankungen kann Fliegen gefährlich sein. Sonst sei Fliegen für Säuglinge generell möglich, wenn auch möglicherweise anstrengend.
Der Druckausgleich kann bei Kindern Probleme machen. Dr. Remppis rät daher, den Kindern bei Start und Landung etwas zu trinken oder einen Schnuller zu geben. Außerdem sollten Eltern Nasentropfen (für Säuglinge bevorzugt Kochsalzlösung), zur Hand haben, um eine freie Belüftung des Mittelohrs sicherzustellen und somit Schmerzen durch Druckveränderungen zu vermeiden. Besonders wichtig ist dies bei Erkältung oder verstopfter Nase.
Wer plant mit kleinen oder ganz kleinen Kindern zu verreisen, sollte bedenken, dass Reisen immer anstrengend sind, sowohl für die Kinder als auch ihre Eltern. Dr. Remppis rät daher, ausreichend Zeit und Zwischenstopps einzuplanen und im Flugzeug Sitzplätze mit mehr Beinfreiheit oder Babybettchen zu buchen. Dazu muss man häufig die Airline im Voraus kontaktieren.
Außerdem rät Dr. Remppis dazu, eine Reisekrankenversicherung abzuschließen und sich im Voraus zu informieren, wo es vor Ort medizinische Versorgung und die nächste Kinderklinik gibt. „In größeren Städten gibt es auch in vielen tropischen Ländern eine gute medizinische Versorgung.“
Wo sollte ich mit Kleinkindern nicht hinreisen?
Mit Kindern unter 5 Jahren sollten Eltern Malaria-Hochrisikogebiete meiden. Dazu zählt ein Großteil von Subsahara-Afrika, darunter auch beliebte Reiseziele wie Sansibar. Gleiches gilt für Gegenden mit aktuellen Krankheitsausbrüchen wie jüngst das Ebola-Virus im Kongo.
Generell sollten Eltern mit kleinen Kindern nicht in allzu abgelegene Gebiete reisen, egal wo auf der Welt. „Man sollte innerhalb von einem Tag einen Arzt erreichen können“, gibt Dr. Remppis als Richtwert an.
Europa sei zwar generell sicherer als andere Kontinente, doch auch hier gibt es Unterschiede: In Osteuropa ist teilweise Hepatitis A ein Problem, in Südeuropa gibt es vereinzelte Fälle von Dengue-Fieber – „aber das ist nichts, worüber man sich bei einer normalen Urlaubsreise in Südeuropa Sorgen machen muss“, stellt Dr. Remppis klar.
In vielen anderen Regionen der Welt ist eine Reise mit Kleinkindern zwar möglich, birgt aber ein erhöhtes medizinisches Risiko, etwa in Südostasien oder Mittelamerika. Reisen in diese Regionen brauchen eine ausführliche Vorbereitung, inklusive einer reisemedizinischen Beratung, die z.B. in der Kinderarztpraxis, einer reisemedizinischen Beratungsstelle oder auch in der Sprechstunde am Institut für Tropenmedizin, Reisemedizin und Humanparasitologie am Universitätsklinikum Tübingen erfolgen kann.
Was kann im Urlaub außer Infektionskrankheiten gefährlich werden?
Nicht nur bestimmte Infektionskrankheiten wie Malaria, Dengue oder Typhus können im Urlaub für Kinder problematisch sein, sondern auch die klimatischen Bedingungen und die Verkehrssicherheit können zur Herausforderung werden. Auch bei Fernreisen sollte man an Kindersitz und Anschnallgurt denken, Motorradfahrten sollte man mit Kindern grundsätzlich vermeiden.
„Kinder sind anfälliger für medizinische Probleme durch klimatische Extrembedingungen“; sagt Dr. Remppis zudem. Kleinkinder dehydrieren schneller, was besonders in heißen Regionen, bei Vorerkrankungen und beim zusätzlichen Auftreten von Reisedurchfall ein Problem darstellt. Außerdem sollte man Babys vor Sonneneinstrahlung besonders gut schützen. Am sichersten ist dazu ein Aufenthalt im Schatten und das Tragen langer Kleidung inklusive Sonnenhut. Wenn sich ein Aufenthalt in der Sonne nicht vermeiden lässt, sollten Kleinkinder bevorzugt Sonnencreme mit mineralischen statt chemischen Filtern und Lichtschutzfaktor 50 erhalten.
Welche Impfungen sind vor einer Reise für die Kinder wichtig?
Zunächst einmal sollten die – auch für Deutschland empfohlenen – Standardimpfungen auf dem aktuellen Stand sein, dazu zählen unter anderem die Impfungen gegen Tetanus und Masern. Für Kinder wichtig auf Reisen in bestimmte Regionen sind zudem eine Tollwut-Impfung, da Kinder oft weniger Berührungsängste zu Tieren haben als Erwachsene und eine Tollwut-Erkrankung absolut tödlich verläuft, sowie eine Meningokokken-Impfung. Zwar seien Hirnhautentzündungen durch Meningokokken weltweit verbreitet, die Impfung ergebe aber im Rahmen einer Reise besonders viel Sinn, aufgrund des Kontakts zu vielen, möglicherweise ungeimpften Personen, und der eingeschränkten medizinischen Versorgung vor Ort, so Dr. Remppis.
Die meisten Reiseimpfungen könne man innerhalb eines Monats verabreichen, „aber ich würde nicht empfehlen, mich erst einen Monat vor Abreise darum zu kümmern“, sagt der Kinderarzt. „Man muss ja auch noch einen Termin kriegen.“ Hinzu kommt: Eine Dengue-Impfung umfasst zwei Termine im Abstand von drei Monaten. Allerdings ist eine Dengue-Impfung gemäß STIKO-Empfehlungen bisher nur für Personen empfohlen, die bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben, da eine zweite Infektion schwerer verlaufen kann.
Was gehört unbedingt in die Reiseapotheke, wenn man mit Babys oder Kleinkindern unterwegs ist?
Die Reiseapotheke für diejenigen, die mit Kindern unterwegs sind, unterscheidet sich gar nicht so sehr von der, die Urlauber sowieso im Koffer oder Rucksack haben sollten. Dazu gehören Insektenschutzmittel, ein Fieberthermometer, Schmerzmittel – am besten Paracetamol, das im Falle einer Dengue-Infektion weniger problematisch ist als andere Stoffe – Elektrolytlösungen für Durchfallerkrankungen, Hautpflegecreme, abschwellende Nasentropfen und ein Wundversorgungs-Basis-Set.
Hinzu kommen gegebenenfalls noch Antihistaminika, sowie bei Kindern mit einer Neigung zu Atembeschwerden eventuell Cortisonzäpfchen und ein Allergieset. Bei Reisen in Malaria-Hochrisikogebiete ist eine medikamentöse Malariaprophylaxe ein unverzichtbarer Bestandteil der Reiseapotheke.
Universitätsklinikum Tübingen
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Egal wie gut man selbst vorbereitet ist: „In tropischen Ländern sollte man jedes auftretende Fieber von einem Arzt oder einer Ärztin abklären lassen“, um lebensbedrohliche Erkrankungen wie die Malaria frühzeitig erkennen und behandeln zu können, sagt Dr. Remppis. Das gilt auch, wenn das Fieber erst nach der Rückkehr einsetzt – selten können tropische Infektionserkrankungen auch erst nach Monaten auftreten.
Brauchen Babys und Kleinkinder spezielle Insektenschutzmittel?
Insektenschutz ist ein sehr wichtiges Thema bei Reisen in tropische Länder, da viele Infektionskrankheiten durch Stechmücken oder auch Zecken übertragen werden. Auch bei Babys und Kleinkindern sollten freie Hautstellen mehrfach täglich mit Insektensprays eingesprüht bzw. eingerieben werden. Wirksame Mittel gegen tropische Moskitos sind DEET und Icaridin, welche gemäß internationalen Empfehlungen auch schon im Säuglingsalter verwendet werden können.
Wichtig ist aber vor allem auch: Lange Kleidung. „Das ist eine Empfehlung, die von vielen Erwachsenen ignoriert wird, aber Eltern sollten ihre Kinder entsprechend kleiden, und auch selbst Vorbild sein“, sagt Dr. Remppis. Im Schlaf sollte man besonders gut vor Insektenstichen geschützt sein, und sich in klimatisierten Räumen mit Fliegengittern oder unter einem Moskitonetz aufhalten.