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Brustkrebs

Verschiedene Diagnostik- und Therapiebausteine ermöglichen die beste Behandlung

Von der Früherkennung über Symptome bis hin zur Behandlung: Zwei Forscher des Brustzentrums der Universitätsklinik Tübingen erklären alles zum Thema Brustkrebs.
13.07.2026
Juliane Funke
6 Minuten
Eine Ärztin mit Pferdeschanz führt eine Patientin an das Mammografie-Gerät heran. Man sieht die Frau nur von hinten. Sie hat rote Haare in einem Dutt.
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Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen: Statistisch gesehen erkrankt jede achte Frau im Laufe ihres Lebens daran. Auch wenn die Diagnose angsteinflößend und belastend sein kann, macht der Stand der Forschung Hoffnung. „Beim Brustkrebs sind wir so weit, dass wir – wenn wir ihn früh genug entdecken – die Erkrankung heilen können. Deshalb sind auch die Bemühungen so groß, dass wir ein flächendeckendes, nationales Mammografie-Screening-Programm haben. Denn die Früherkennung und das frühe Finden dieser Tumoren sind elementar, um eine Ausbreitung im Körper zu verhindern“, erklärt Prof. Dr. Markus Hahn, Leiter der Experimentellen Senologie der Universitätsfrauenklinik Tübingen.

Warum entsteht Brustkrebs?

Vereinfacht gesagt entsteht Brustkrebs wie jede Krebsart durch Zellen, die sich unkontrolliert vermehren. Zu den Risikofaktoren gehören auch die Gene: Wer familiär bedingt Mutationen in den BRCA1/BRCA2-Genen in sich trägt, hat ein deutlich höheres Risiko, an Brustkrebs zu erkranken – auch schon in jungen Jahren. Bei zehn Prozent der Brustkrebs-Patientinnen ist die Ursache genetisch bedingt. „Falls Ihnen Brustkrebsfälle in Ihrer Familie bekannt sind, teilen Sie dies unbedingt Ihrem Frauenarzt mit, Sie haben dann die Möglichkeit in ein entsprechendes Früherkennungsprogramm aufgenommen zu werden“, sagt Gynäkologe Hahn.

Unabhängig von den Genen gibt es auch einige Lebensstilfaktoren, zum Beispiel Ernährung oder Bewegung, die das Brustkrebs-Risiko beeinflussen können. Ohne erhöhtes Risiko umfasst die Brustkrebs-Früherkennung die regelmäßige Untersuchung in der gynäkologischen Praxis und das Mammographie-Screening alle zwei Jahre für Frauen zwischen 50 und 75.

Welche Symptome deuten auf Brustkrebs hin?

„Klassische Symptome sind zum Beispiel neu aufgetretene Knoten, die man vorher nicht gefühlt hat. Oder Einziehungen der Haut, besonders, wenn man die Arme anhebt und sich im Spiegel betrachtet. Es können auch Rötungen auftreten, Schwellungen oder die Textur der Haut ändert sich. Auch eine Sekretion aus der Brustwarze kann ein Symptom sein, manchmal auch verdickte Lymphknoten unter der Achsel“, erklärt Prof. Hahn.

Was passiert, wenn ich beim Abtasten einen Knoten entdeckt habe?

Das Wichtige zuerst: Nicht jeder Knoten muss auf Brustkrebs hindeuten. „Beim Abtasten zuhause kommt es zu vielen falsch positiven Befunden. Die Brustdrüse ist per se ein Organ, das knotig ist. Deshalb ist es umso wichtiger, in den vorgegebenen Intervallen zur Untersuchung zu gehen“, sagt Prof. Hahn. Und auch nicht jeder Knoten ist bösartig, im Gegenteil sind die meisten Knoten harmlos und gutartig. Trotzdem sollte man bei Verdacht ärztlichen Rat suchen.

Zunächst wird der Frauenarzt oder die Frauenärztin nach der familiären Krankheitsgeschichte fragen, auch nach Eierstockkrebs, der häufig mit Brustkrebs assoziiert ist. Dann wird die Brust abgetastet. Wird ein Knoten festgestellt, folgt das bildgebende Verfahren, je nach Alter der Patientin als Sonografie oder Mammografie. „Besteht auch danach der Verdacht, wird eine minimalinvasive Gewebeprobe entnommen, um festzustellen, ob es eine gut- oder bösartige Erkrankung ist.“

Bei mir wurde Brustkrebs festgestellt. Wie geht es jetzt weiter?

„Nun wird mithilfe von Sonografie, Mammografie und, wenn indiziert, auch MRT festgestellt, wie weit sich die Erkrankung ausgebreitet hat, ob sich weitere Tumorherde finden und ob die Lymphknoten beteiligt sind. Bildgebende Verfahren wie die Computertomografie oder das Knochenszintigramm werden eingesetzt, um den gesamten Körper im Blick zu haben“, erklärt Prof. Dr. Andreas Hartkopf, Leiter der medikamentösen Tumortherapie. Auf Grundlage dieser Untersuchungen kann dann die jeweils beste Behandlungsmethode herausgestellt werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten von Brustkrebs gibt es?

An hochspezialisierten Brustzentren wie in Tübingen arbeiten Experten und Expertinnen unterschiedlicher Fachbereiche daran, für jeden Fall die beste Behandlungsmethode zu finden. „Es gibt nicht den einen Brustkrebs, deshalb haben wir auch keine zwei Patientinnen mit demselben Behandlungsplan“, sagt Prof. Hartkopf.

Am Anfang steht die operative Therapie. „Wir können circa 70 Prozent der Frauen brusterhaltend operieren, das ist für die Lebensqualität oft sehr wichtig. Zu einer brusterhaltenden Therapie gehört auch die Strahlentherapie. Diese verträgt man heutzutage sehr gut, da wird arbeitstäglich zwischen zwei bis sechs Wochen lang bestrahlt, gegebenenfalls auch die Lymphabflussgebiete“, erklärt Prof. Hahn. Ist der Tumor sehr groß und die Brustdrüse an mehreren Stellen erkrankt, muss die Brust in Gänze entfernt werden – mit der Option auf direkte Wiederherstellung z.B. mit Implantat oder Eigengewebe.

„Die medikamentöse Therapie ist sehr individuell und hängt von der Brustkrebsart und den Umständen ab. Bei aggressiveren Brustkrebsarten kann eine Chemotherapie nötig sein, die wir je nach Art mit unterschiedlichen Antikörpertherapien oder Immuntherapien kombinieren können“, erläutert Prof. Hartkopf. „In 88 Prozent der Fälle ist es so, dass Brustkrebs hormonabhängig wächst, also durch weibliche Östrogene stimuliert wird. Da muss man grundsätzlich immer eine antihormonelle Therapie machen.“

Warum ist die antihormonelle Therapie so wichtig?

„Man muss deutlich betonen: Für den hormonabhängig wachsenden Brustkrebs ist die antihormonelle Therapie der wichtigste medikamentöse Therapiebaustein!“, sagt Prof. Hartkopf. „Das wird häufig unterschätzt, weil bei der antihormonellen Therapie mindestens fünf Jahre lang einfach nur täglich eine kleine Tablette geschluckt wird. Vielleicht fühlt es sich auch weniger wichtig an, weil es zuhause am Küchentisch und nicht in der Klinik passiert – aber die antihormonelle Therapie hat einen riesigen Effekt.“

Auch die Nebenwirkungen dieser langfristigen Therapie bringen viele Patientinnen dazu, sie vorzeitig abzubrechen. „Im Vergleich zur Chemotherapie sind die Nebenwirkungen zwar deutlich schwächer, aber eben langfristig. Sie erinnern an Wechseljahresbeschwerden: Zum Beispiel Schwitzen, Hitzewallungen, Gelenkschmerzen. Auf Dauer ist das anstrengend. Aber das sollte kein Grund sein, die Therapie abzubrechen!“, mahnt Prof. Hartkopf.

Im Kampf gegen den Brustkrebs sind es also mehrere Therapiebausteine, die gemeinsam die bestmögliche, individuelle Behandlung garantieren. „Wir arbeiten multimodal, versuchen also, den Brustkrebs von vielen Seiten her anzugreifen. So sorgen wir dafür, dass er im besten Fall für immer wegbleibt“, „und je mehr Fälle in einem zertifizierten und interdisziplinär arbeitendem Brustzentrum behandelt werden, umso besser sind die Heilungschancen“, fasst Prof. Hahn zusammen.

Experten

Prof. Dr. med. Markus Hahn
Prof. Dr. med. Markus Hahn
Leitung Experimentelle Senologie
Universitäts-Frauenklinik
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Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Hartkopf, MHBA
Univ.-Prof. Dr. med. Andreas Hartkopf, MHBA
Medizinischer Direktor Forschungsinstitut für Frauengesundheit, Leitung medikamentöse Tumortherapie, Sprecher des Brustzentrums
Department für Frauengesundheit
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