Sei es durch Krankheiten, Verletzungen oder genetische Anomalien – ist die natürliche Hornhaut geschädigt, kann das Sehvermögen stark beeinträchtigt sein. Eine Hornhauttransplantation kann dann nötig werden. Am Uniklinikum Tübingen gibt es seit 2002 eine der wenigen Hornhautbanken in Deutschland. Hier werden Hornhautspenden von Verstorbenen gelagert und die Vergabe des Gewebes in Transplantationen organisiert.
„Und es wird am Thema geforscht“, ergänzt Prof. Dr. Sebastian Thaler, der die Tübinger Hornhautbank leitet. „Wir kümmern uns um die Spenderhornhaut von der Entnahme über die Transplantation bis zur Nachbehandlung. Diese große Erfahrung hilft uns die Qualität der gespendeten Hornhäute zu bestimmen und die Transplantationsfähigkeit einzuschätzen. Davon profitieren unsere Patientinnen und Patienten.“
So funktioniert die Hornhautbank
In ganz Deutschland gibt es an die 30 Hornhautbanken – der Großteil der Augenkliniken verfügt also nicht über eigenes Spendenmaterial. Daher werden die im Uniklinikum Tübingen gelagerten Hornhäute nicht nur selbst transplantiert, sondern auch an andere Häuser weitergegeben. Operierende können die zu behandelnden Personen anmelden, die dann gemäß den Kriterien der Warteliste eine Hornhaut zugeteilt bekommen.
Eine Hornhautbank zu betreiben ist sehr aufwendig. Die Datenbank muss als Arzneimittelhersteller zugelassen werden, da sie unter das Arzneimittelgesetz fällt, gibt es strenge Kontrollen. Bevor es Hornhautbanken gab, mussten Hornhauttransplantationen wie bei Organtransplantationen oft ganz kurzfristig durchgeführt werden.
Mit der neuen Aufbewahrungsmöglichkeit ergaben sich neue Möglichkeiten: „Von der Entnahme der Hornhaut bei der spendenden Person bis zur Transplantation können bis zu 30 Tage vergehen“, erklärt Thaler. „So bleibt genug Zeit, eine geeignete empfangsberechtigte Person zu finden und alle notwendigen Voruntersuchungen durchzuführen.“ Die Freigabe einer Hornhaut erfolgt aber normalerweise schon nach etwa fünf bis sieben Tagen.
Wie wird eine Hornhaut transplantiert?
Die Verfahren, wie Hornhäute transplantiert werden, haben sich mit den Jahren verändert. „Im Gegensatz zur kompletten Hornhauttransplantation transplantiert man heutzutage in 70 Prozent aller Fälle nur die Innenschicht der Hornhaut. Dieses sogenannt lamelläre Keratoplastik gibt es seit etwa 15 Jahren“, erläutert Sebastian Taler.
Insbesondere bei der genetisch bedingten Fuchs-Endotheldystrophie, einem Zellschaden in der Innenauskleidung der Hornhaut, zeigen sich die Vorteile der modernen Methode: Die behandelten Personen können oft bereits nach wenigen Tagen oder Wochen wieder sehr gut sehen. „Ein Patient hat mir geschildert, dass er vor der OP wie durch eine matte Klarsichtfolie geschaut habe. Nach der Operation war die Folie weg und die Sicht wieder klar“, erzählt Thaler.
Bei einer kompletten Hornhauttransplantation – dem früheren Standardverfahren – betrug die Heilungszeit bis zu einem Jahr. Dabei konnte die ursprüngliche Form der Hornhaut nicht wiederhergestellt werden, was das Sehvermögen erheblich beeinträchtigte. Nur noch bei Krankheitsbildern wie dem Keratokonus, bei dem sich die natürliche Hornhaut stark verformt, oder aber bei Narben aufgrund von Unfällen wird heutzutage noch die komplette Hornhaut transplantiert.
Es fehlen Hornhaut-Spenden
In der Tübinger Augenklinik wird die gesamte Bandbreite hornhautchirurgischer Eingriffe abgedeckt. Der Fokus liegt auf der Transplantationschirurgie von Hornhäuten mittels lamellärer (DMEK) und perforierender Keratoplastik. Weitere Schwerpunkte sind die isolierte Limbus Stammzelltransplantation und die Implantation von Keratoprothesen.
Trotz des immensen Nutzens für die Patientinnen und Patienten gibt es deutschlandweit einen Mangel an Spendenmaterial. Etwa 8.000 Transplantationen werden pro Jahr durchgeführt, der Bedarf ist deutlich höher. Wer eine Gewebespende im Organspendeausweis ausschließt, verneint damit automatisch eine Hornhautspende – es sei denn, die Augen sind explizit als Ausnahme aufgeführt. Dann kann die Hornhaut gezielt einer empfangsberechtigten Person zugeordnet werden.