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Schnelle Hilfe fürs Kind

Im Notfall richtig handeln

Wenn Babys oder Kleinkinder akute Atemnot zeigen, sich großflächig verbrannt oder verbrüht haben, Krampfanfälle haben oder nicht mehr ansprechbar sind, ist schnelles Handeln erforderlich. Thomas Baumgarten von der Tübinger Uni-Kinderklinik erklärt, wie Eltern dann richtig reagieren.
28.09.2026
Stephan Gokeler
4 Minuten
Ein Team aus Rettungssanitätern versorgt einen großen braunen Teddybären.
Dennis Dudek

Was ist ein Notfall?

Starke Schmerzen, Verbrennungen oder Verbrühungen in Gesicht oder großer Hautflächen, akute Atemnot oder aussetzende Atmung und wenn ein Kind nicht mehr ansprechbar ist, bedeuten immer einen akuten Notfall. Das gilt auch, wenn das Kind etwas verschluckt oder in die Atemwege bekommen hat und es nicht mehr heraushusten kann. „Besonders gefährlich sind verschluckte Knopfzell-Batterien oder Magnete, denn sie können schwere Schäden in der Speiseröhre oder im Magen verursachen“, sagt Thomas Baumgarten, Assistenzarzt an der Tübinger Universitäts-Kinderklinik.

Wie reagieren Eltern in solchen Situationen richtig?

Wenn Eltern eine akute Lebensgefahr für ihr Kind vermuten, sollten sie sofort einen Notruf unter der Nummer 112 absetzen. Das gilt auch bei größeren Verbrühungen oder Verbrennungen, weil der Rettungsdienst dann schnell Schmerzmittel verabreichen kann. In nicht lebensbedrohlichen Situationen, zu denen beispielsweise Atemwegsinfekte ohne Atemnot gehören, ist auch häufig eine Vorstellung bei Kinderarzt/ihrer Kinderärztin möglich.

Wenn Eltern unsicher sind, wie gefährlich oder giftig Verschlucktes aus der Natur und dem Haushalt ist, kann ein Anruf bei der Giftnotrufzentrale in Freiburg unter der Telefonnummer 0761-19240 hilfreich sein. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin bietet außerdem im Internet unter www.dgkj.de/eltern/dgkj-elterninformationen eine schnelle Orientierung zu häufigen gesundheitlichen Problemen bei Kindern. Viele Hilfsorganisationen bieten außerdem Erste-Hilfe-Kurse speziell für Säuglinge und Kinder an.

Gibt es Besonderheiten bei Säuglingen?

Ein leichter Luftwegsinfekt oder vorübergehendes Fieber sind bei Kleinkindern in der Regel keine Notfälle, die sofort ärztlich behandelt werden müssen. „Eine Ausnahme gilt für Säuglinge in den ersten drei Lebensmonaten“, erläutert Thomas Baumgarten. „Sie verfügen noch nicht über körperliche Reserven, weshalb bei ihnen hohes Fieber in kürzerer Zeit lebensbedrohlich werden kann.“ Deshalb ist schnelleres Eingreifen erforderlich als bei älteren Kindern.

Ein zusätzliches Alarmzeichen ist, wenn Fieber mit einer Trinkschwäche beim Baby einhergeht. Auf Eltern sehr dramatisch wirken können Fieberkrämpfe. Sie sind in der Regel nicht lebensbedrohlich und hören nach einigen Minuten von selbst auf. Die Kinder sollten aber zur Untersuchung auf jeden Fall in die Kinderklinik gebracht werden. Bei anhaltenden Krampfanfällen muss auf jeden Fall auch der Rettungsdienst alarmiert werden.

Wie sieht es bei allergischen Reaktionen aus?

Sie treten eher im Schulkindalter als bei Säuglingen auf. Quaddeln auf der Haut bedeuten noch keinen Notfall. Der liegt allerdings vor, wenn die Schleimhaut im Mund und in den Atemwegen anschwillt und die Atmung erschwert ist. Dann sollte auf jeden Fall der Rettungsdienst unter 112 gerufen werden.

Was sollten Eltern vermeiden?

„Auf keinen Fall sollten sie bei ihrem Kind ein Erbrechen auslösen oder versuchen, mit den Fingern etwas herauszuholen, wenn es etwas verschluckt hat. Das ist ein falscher Ratschlag, der immer noch kursiert“, betont Thomas Baumgarten. Ruhe bewahren und falls nötig zusätzliche Informationen aus seriösen Quellen einholen, ist besser als in Panik zu verfallen und Informationen aus dem Internet ungeprüft zu vertrauen.

Was tun, wenn die Kinderarzt-Praxis geschlossen ist?

An allen Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ist die Notfallpraxis der niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Sie befindet sich direkt in den Notaufnahmeräumen der Universitäts-Kinderklinik in Tübingen. Eltern können mit ihren Kindern dort ohne Voranmeldung hinkommen.

Welche Notfälle lassen sich vermeiden?

Verbrennungen an heißen Oberflächen oder Verbrühungen durch heiße Flüssigkeiten führen sehr oft zu Notfallsituationen. Deshalb sollten Eltern hier besondere Vorsicht walten lassen und ihre Kinder möglichst von der heißen Ofentür, der Herdplatte und dem Wasserkocher fernhalten.

Ebenfalls häufig vermeidbar ist das versehentliche Einatmen von Nahrung, die sogenannte Aspiration. „Eltern sollten es zur Regel machen, dass Kinder nicht gleichzeitig herumtoben und nebenbei etwas essen, auch nicht auf dem Spielplatz“, empfiehlt Thomas Baumgarten.

Auch die Tabletten von Opa oder Oma sowie Batterien und Knopfzellen sollten nie in Reichweite von Kindern sein. Das gilt auch für potenziell giftige Haushaltsmittel wie Reinigungs- oder Desinfektionsmittel die immer außerhalb der Reichtweite von Kindern aufbewahrt werden sollten.

Experten

Herr Thomas Baumgarten
Herr Thomas Baumgarten
Assistenzarzt
Kinderheilkunde I - Abteilung für Hämatologie, Onkologie, Gastroenterologie, Nephrologie, Rheumatologie
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