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Nach Schlaganfall

Wie Magnetfelder dem Gehirn beim Lernen helfen sollen

Was für Wunder das menschliche Gehirn tagtäglich vollbringt, wird einem oft erst dann bewusst, wenn es nicht mehr richtig funktioniert. Treppe steigen, die Kaffeetasse halten, mit dem Nachbarn kurz plaudern: Ein Hirnschlag kommt plötzlich und häufig ohne Vorwarnung. Die Folgen sind dafür umso langwieriger.
26.10.2026
Jana Ziegler
4 Minuten
Eine Frau sitzt auf einem blauen Untersuchungsstuhl, das TMS-Gerät an ihrem Kopf.
Universitätsklinikum Tübingen

Was passiert bei einem Schlaganfall im Gehirn?

Wenn im Gehirn die Durchblutung unterbrochen wird, sterben bestimmte Areale aufgrund von Sauerstoffmangel ab. Das kann zu Lähmungen bis hin zu einschneidenden Störungen verschiedener körperlicher Funktionen führen. Für jährlich mehr als 270.000 Menschen

in Deutschland ist das die Realität, mehr als tausend von ihnen mit akuten Beeinträchtigungen werden am Universitätsklinikum Tübingen behandelt.

Hieß es vor einigen Jahren noch, dass das Gehirn mit Abschluss der Pubertät einem kontinuierlichen Verfall ausgesetzt ist, wissen Forscher heute, dass abgestorbene Nervenzellen nicht mehr bedeuten, dass alles verloren ist. „ Auch das erwachsene Gehirn lässt sich trainieren“, erklärt Prof. Dr. Ulf Ziemann, Ärztlicher Direktor der Abteilung Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen. „Im menschlichen Hirn finden ein Leben lang strukturelle Anpassungsvorgänge statt.“

Für eine Regeneration wie nach einem Schlaganfall ist diese Fähigkeit zur Reorganisation wichtig. So können vom Schlaganfall nicht betroffene Nervenzellen des Gehirns neue Verbindungen knüpfen, um so verloren gegangene Fähigkeiten wieder zu erlernen.

Wie funktioniert die TMS-Behandlung?

Aus dieser Erkenntnis heraus ist eine neue Art der Rehabilitation entstanden. Unterstützt durch Magnetfelder hilft die sogenannte transkranielle Magnetstimulation (TMS) den Mechanismen des Gehirns bei diesen strukturellen Anpassungen. So komplex der Name, so einfach das Konzept:

Bei der TMS-Behandlung werden bestimmte Bereiche des Hirns mit kurzen Magnetimpulsen stimuliert und dadurch für Veränderungen wie spätere Lernvorgänge empfänglicher gemacht. „Allein durch diese Impulse ist eine Verbesserung des motorischen Netzwerks nicht möglich“, stellt Prof. Dr. Ziemann klar. „Die Magnetstimulation ersetzt nicht das notwendige Üben, sondern lässt dieses besser und schneller wirken.“

Das heißt: Nur in Verbindung mit intensiver Physiotherapie und Logopädie können die neuen Strukturen im Gehirn gebildet werden. So folgt auf eine halbstündige TMS-Behandlung am Universitätsklinikum Tübingen eine knapp einstündige obligatorische Physiotherapiesitzung.

Wie wirksam ist eine TMS-Behandlung nach Schlaganfall?

Prof. Dr. Ziemann und sein Team arbeiten seit mehr als 30 Jahren erfolgreich mit der TMS-Behandlungsmethode. Seit mehr als 20 Jahren wird sie bereits therapeutisch bei Schlaganfallpatienten und -patientinnen eingesetzt. Unter seiner Regie entstand 2018 am Universitätsklinikum die TMS-Ambulanz für Schlaganfallpatienten. Sie hat eine Vorreiterrolle für ganz Deutschland.

Weit über 50 publizierte Studien konnten die therapeutischen Wirkungen der TMS-Behandlung bereits bestätigen. „Wir sind aber noch lange nicht am Ende des Weges“, sagt Prof. Dr. Ziemann.

Welche Möglichkeiten bietet KI in der Behandlung?

Ihre Vision für die Zukunft: eine hoch personalisierte Therapie, die auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten und Patientinnen zugeschnitten ist. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wird während der Therapie in Echtzeit ausgewertet werden, wie das Gehirn auf Stimulation reagiert, um die TMS gezielt und noch wirksamer einzusetzen. „Das ist ein entscheidender Schritt hin zu personalisierter Neurorehabilitation“, erklärt Prof. Dr. Ziemann. Ziel ist es, für Schlaganfallpatientinnen und -patienten individuell optimierte Behandlungspläne zu entwickeln, die die Rehabilitation schneller und effizienter machen.

Über die Therapie

Jeder kleine Fortschritt nach einem Schlaganfall ist ein Zeichen der erstaunlichen Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns. Mit gezieltem Training lassen sich verloren gegangene Funktionen teilweise wiederherstellen – und genau hier setzen die Therapieangebote des Universitätsklinikums Tübingen an.

Aktuell umfasst das Programm 15 Therapiesitzungen innerhalb von 3 Wochen, bestehend aus TMS-Sitzungen und den nachfolgenden Therapieeinheiten. Die Kosten orientieren sich an den erforderlichen Leistungen:

  • Gesetzlich Versicherte:

    • Physiotherapie/Ergotherapie: 2.906,48 €

    • Logopädie: 2.800,35 €

  • Privat Versicherte:

    • Physiotherapie/Ergotherapie: 3.621,09 €

    • Logopädie: 3.439,20 €

Da es sich um eine noch innovative Behandlung handelt, wird sie derzeit nicht routinemäßig von den Krankenkassen übernommen. Privatversicherte Patientinnen und Patienten haben jedoch die Möglichkeit, im Rahmen eines individuellen Heilversuchs eine Kostenübernahme zu beantragen.

Alle Therapien werden von einem erfahrenen Team durchgeführt und durch regelmäßige ärztliche Visiten begleitet. So stellen wir sicher, dass jede Behandlung genau auf die Bedürfnisse der Patienten und -patientinnen abgestimmt wird.

Experten

Prof. Dr. Ulf Ziemann
Prof. Dr. Ulf Ziemann
Ärztlicher Direktor
Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen
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