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Medikamente richtig einnehmen

Morgens oder abends? Vor oder nach dem Essen? Wann wirkt die Tablette am besten? Hormonspiegel, Blutdruck, Atemwege, die Aktivität der Leber und das Schmerzempfinden verändern sich im Tagesablauf, die innere Uhr des Menschen beeinflusst die Wirkung von vielen Medikamenten. Bei der Einnahme kommt es deshalb auch auf den richtigen Zeitpunkt an. Wir sprachen mit Prof. Dr. Hans-Peter Lipp, Leiter der Universitätsapotheke am Uniklinikum Tübingen, über das Thema.

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Schmuckbild: Antonioguillem/Fotolia
Wann nimmt man Medikamente?

Grundsätzlich gilt: zu den Zeiten, die der Arzt verordnet hat. Patienten sollten sich über ein Medikament gut informieren und bei Zweifeln ihren Arzt oder Apotheker um Rat fragen. Bei der Einnahme von Schilddrüsenhormonen (L-Thyroxin) ist beispielsweise eine Nüchterneinnahme sehr wichtig, da ansonsten mit einer Mahlzeit nur noch 50 Prozent des Wirkstoffs aufgenommen werden. Es ist deshalb notwendig, eine Einnahme 30 bis 60 Minuten vor dem Frühstück oder direkt vor dem Zubettgehen vorzusehen.

Rheumapatienten klagen oft morgens über eine Gelenksteifigkeit und benötigen ein Schmerzmittel. Wann ist für sie der richtige Einnahmezeitpunkt?

Hier ist es empfehlenswert, Rheumamittel vorzugsweise am Abend einzunehmen, damit die morgendlichen Beschwerden gelindert werden. Beim Methotrexat, das nur einmal pro Woche eingenommen werden darf, ist auf reichlich Flüssigkeit und ebenfalls auf eine Nüchterneinnahme zu achten.


Wie sieht es bei „Blutdruckmitteln“ aus?

Patienten mit behandlungsbedürftigem hohen Blutdruck sollten ihre Werte über den Tag hinweg gut kennen und die Einnahme der Medikamente an ihr Blutdruckprofil anpassen. Generell ist darauf zu achten, dass diese Medikamente nicht abrupt abgesetzt werden, da es ansonsten zu schwerwiegenden Problemen mit dem Herzen kommen kann.


Bei regelmäßiger Einnahme von Kortison wird häufig empfohlen, die Präparate bevorzugt morgens einzunehmen. Was ist der Grund?

Die körpereigene Produktion und Freisetzung von Kortison schwankt im Verlauf eines Tages deutlich. Morgens sind die Werte am höchsten. Nimmt man das kortisonhaltige Medikament morgens ein, gleicht man die Einnahme dem körpereigenen Rhythmus besser an, so dass die Verträglichkeit verbessert wird.


Wann nehme ich Asthmamedikamente?

Asthmaanfälle treten nachts deutlich häufiger auf als am Tag, Lunge und Bronchien reagieren nachts empfindlicher, die Atemwege sind in dieser Zeit am engsten. Deshalb darf die Einnahme verschiedener Asthmamedikamente (z.B. Theophyllin in einer Depotform) kurz vor dem Schlafengehen nicht vergessen werden.

Letzte Änderung: 24.04.2018

Im Interview:

Prof. Hans-Peter Lipp

Leiter der Universitätsapotheke