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Hörgeräte frühzeitig tragen!

 − Ein Expertinnentipp aus der Reihe "Der Professor rät"

 

Tübingen, 07.05.2009

 

900 Millionen Schwerhörige wird es im Jahr 2050 weltweit geben, so die Prognose von Experten. Das heißt, dass jeder Zweite im Alter schwerhörig sein wird. Derzeit sind es 600 Millionen weltweit, in Deutschland sind es aktuell 16 Millionen, also jeder Dritte, der mit Hörverlust leben muss. Mancher mag sagen, das ist normal, im Alter lassen eben die Sinne nach. Doch so einfach ist es nicht. 

 

Der Schwerhörigkeit kann effizient begegnet werden

 

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(Bildquelle: fotolia/Edler von Rabenstein)
Erstens sind die Folgekosten, die durch Schwerhörigkeit entstehen, enorm: Zehn Milliarden Euro pro Jahr sind es derzeit, die in Europa für neurosensorische Erkrankungen aufgewandt werden. Zweitens müsste es erst gar nicht soweit kommen, denn der Schwerhörigkeit kann bereits in einem sehr frühen Stadium mit einem allseits bekannten Hilfsmittel effizient begegnet werden: dem Hörgerät.
 

 

"Je früher, desto besser", rät deshalb Marlies Knipper, Professorin für molekulare neurobiologische Hörforschung am Uniklinikum Tübingen. 

 

Rat des HNO-Arztes zu einem Hörgerät beherzigen

 

Habe ein HNO-Arzt einen Hörverlust festgestellt und rate zu einem Hörgerät, dann sollte der oder die Betroffene diesen Rat dringend beherzigen, meint Knipper. Denn jeder Nerv - auch der Hörnerv, auf den der akustische Reiz als elektrisches Signal von den Haarzellen im Innenohr übertragen wird -, ob bereits geschädigt oder nicht, muss aktiv gehalten werden, damit er sich nicht zurückbildet. "Im Ohr haben wir nicht die geringste Regenerationsmöglichkeit", erklärt Knipper: "Jede Haarzelle, die abgestorben ist, fehlt für immer."

 

Hörgerät übernimmt Funktion eines Fitnesstrainers

 

Deshalb brauchen diese Nerven Aktivität. Genau wie ein Muskel, der auch ständig trainiert werden muss, damit er stark bleibt. Das Hörgerät übernimmt sozusagen die Funktion des Fitnesstrainers: "Hörgeräte stimulieren die Nerven - nicht zuviel, aber stetig", so die Spezialistin. "Hier geht es nicht darum, dass Hörgeräteakustiker Geld verdienen", stellt Marlies Knipper klar: "Es gibt aus der neuro-wissenschaftlichen Grundlagenforschung bereits verschiedenste Hinweise, dass Aktivität dem Verlust und der Funktionslosigkeit von Nervenzellen vorbeugt.

Obwohl Beweise dafür noch ausstehen, dass dies auch explizit für die Hörnerven gilt, geht es letztlich schon jetzt um den Erhalt der Hörfähigkeit", macht die Professorin deutlich, in deren Labor zu diesem Thema aktuell geforscht wird. Einfach so weitermachen wie vor der Diagnose sei das Falsche: der Verlust der Hörfähigkeit wachse weiter und zwar beschleunigt, zudem trete die Altersschwerhörigkeit früher ein.

 

Gar nicht erst zu Hörschäden kommen lassen!

 

"Wenn den Betroffenen die Folgen der Vorgänge im Innenohr und in unserem Gehirn wirklich verständlich gemacht würden, würden sicher weit mehr Betroffene bereit sein, sich viel früher ein Hörgerät anpassen zu lassen", ist sich die Forscherin sicher. Ihr Fazit: Aufklärung tut Not. Und zwar schon von Jung an.

Wichtig sei, es erst gar nicht zu Hörschäden kommen zu lassen, wie sie beispielsweise durch exzessives Tragen von Walkmen- und MP3-Player-Ohrstöpseln ausgelöst werden. "Es ist paradox: In der Arbeitswelt wird alles getan, den Lärmpegel zu senken. In der Freizeit wird aber wenig darauf geachtet", stellt Knipper fest.

   

 

Im Interview:

 
Prof. Dr. Marlies Knipper, Molekulare neurobiologische Hörforschung
Zentrum für Neurosensorik
 

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Alle Expertentipps zum Nachlesen:

 
 

 

 
 
 
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