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Willkommen am Universitätsklinikum Tübingen!
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Forschungsbereich Geschichte der Augenheilkunde

 

Die medizinhistorische Forschung wird - so auch in Tübingen - "professionell" von den (zumeist universitären) Instituten für Ethik und Geschichte der Medizin betrieben. In der Augenheilkunde (Ophthalmologie) haben sich aber immer schon auch klinisch tätige Ärzte intensiv mit der Historie ihrer Fachdisziplin beschäftigt. Beispielhaft sei hier an die Augenärzte und Medizinhistoriker Wolfgang Münchow (1923-1986), Albert Esser (1885-1972) und vor allem Julius Hirschberg (1843-1925) erinnert. Vor allem Dank Hirschbergs epochalem, mehrere tausend Buchseiten umfassenden Werks über die "Geschichte der Augenheilkunde" verfügt kaum ein anderes, ja wahrscheinlich überhaupt kein anderes medizinisches Fach über so umfangreiche und detaillierte Informationen zur eigenen Geschichte wie die Ophthalmologie, und das von den frühesten Anfängen (in den frühen Hochkulturen Ägypten, Indien, Mesopotamien, Griechenland und Rom) bis zur Neuzeit. Dabei sei an dieser Stelle angemerkt, dass sich die Augenheilkunde erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts als eigenständiges (und universitäres) Fach etablieren konnte.

 

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Wolfgang Stock (sitzend, Bildmitte) mit Mitarbeitern. Das Bild dürfte Anfang der 20iger Jahre des 20. Jahrhunderts aufgenommen worden sein.
 
 
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Blick auf die Universitäts-Augenklinik Tübingen (Bildmitte) vor dem Anbau nach Westen, wahrscheinlich 1927.
 
 
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Die Frage "Warum Medizingeschichte?" hat der Kölner Medizinhistoriker und Augenarzt Prof. Dr. Dr. Klaus Bergdolt vor einigen Jahren in einem Aufsatz beantwortet. Dieser Beitrag (Deutsches Ärzteblatt 1998;95:A-812-816) ist auch heute noch hoch aktuell und lesenswert. Der berühmte Glaukomforscher Hans Goldmann (1899-1991), Lehrstuhlinhaber für Augenheilkunde in Bern/Schweiz von 1935 bis 1968, drückte den Sinn medizinhistorischer Forschung im Jahre 1961 wie folgt aus:

"Geschichte medizinischer Disziplinen wird noch nicht lange betrieben und war wohl zunächst nur aus Freude, von dem zu hören, was früher der leidenden Menschheit, mit der besten Absicht ihr zu helfen, zugemutet wurde, und Stolz über das, was wir nun im 19. und 20. Jahrhundert erreicht haben, gemischt. In letzter Zeit hat immer mehr jene Art von Geschichtsbehandlung auch Einzug in die Medizingeschichte gehalten, die E. Mach für die Physik so musterhaft gehandhabt hat: zu zeigen, wie Begriffe langsam und zunächst vage sich formen, unter unendlicher Mühe zu immer größerer Klarheit verdichtet werden, wie die Erfahrung sie wandelt, wie aber kaum je ein abschließender Stand erreicht wird. Solche Art von Geschichtsbetrachtung führt den Leser, wenn er selbst Forscher ist, dazu zu überprüfen, ob er den richtigen Weg eingeschlagen hat, ob er nicht Aspekte, die einst wichtig erschienen und dann wieder zurücktraten, vernachlässigt hat, und zu erkennen, dass der erreichte Stand der Dinge ein vorläufiges, immer ein vereinfachtes, oft sogar ein verzerrtes Bild der Realität liefert. Wissenschaftsgeschichte dieser Art führt zu Toleranz und damit zur fruchtbaren Aufgeschlossenheit fremden Auffassungen gegenüber."

 

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Wolfgang Stock (Bildmitte) mit ärztlichen Mitarbeitern in Wehrmachtsuniform vor dem Eingang zur Augenklinik. Das Bild entstand wahrscheinlich zwischen 1939 und 1941. Stock war im 2. Weltkrieg Leiter des in der Klinik befindlichen Reservelazaretts und insofern Angehöriger der Wehrmacht, welche im 2. Weltkrieg etwa 30% aller Augenärzte rekrutierte. Wolfgang Stock blieb unbelastet, der NSDAP trat er nicht bei.
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Vor diesem Hintergrund wird an der Universitäts-Augenklinik Tübingen seit gut 20 Jahren augenheilkundlich-historische Forschung betrieben, wobei zunächst die Verhältnisse auf lokaler Ebene, d.h. in Tübingen, im Mittelpunkt standen. Seit 1998 wird schwerpunktmäßig das Thema "Augenheilkunde im Nationalsozialismus" bearbeitet. Untersucht werden dabei die zahlreichen, ganz verschiedenen Facetten der Augenheilkunde von 1933 bis 1945 im gesamten Deutschen Reich (ohne Österreich). Die bisherigen, maßgeblich auf Durchsicht der Bestände im Bundesarchiv Berlin beruhenden Forschungsergebnisse wurden 2007 in Buchform im Schattauer Verlag Stuttgart veröffentlicht. Weitere Arbeiten zum Thema sind seitdem erschienen oder in Vorbereitung. In 2 Beiträgen wurden die Entwicklungen in der Deutschen Augenheilkunde vom ausgehenden Kaiserreich bis zum Nationalsozialismus beleuchtet.

 

Mit den Forschungen zur Geschichte ihres Fachgebietes kommt die Augenklinik Tübingen ihrem universitären Anspruch nach, sich ungeachtet der Frage ökonomischen Nutzens auch Themen zu widmen, die über das "reine Tagesgeschäft" hinaus gehen. Dieses geschieht in dem klaren Bewusstsein, dass Medizin nicht nur natur-, sondern auch geisteswissenschaftliche Grundlagen hat. Die medizinisch-technischen Assistentinnen Frau Claudia Riedinger und Frau Monika Wild sind insbesondere bei der Quellensuche und der Literaturbeschaffung behilflich. Leiter des ophthalmo-historischen Forschungsbereiches ist Prof. Dr. Jens Martin Rohrbach, Oberarzt an der Universitäts-Augenklinik Tübingen.

Mitarbeiter
   

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Prof. Dr. Jens Martin Rohrbach
Tel. 07071/29-8 40 08
Fax 07071/29-4762

 
 

 

 
 

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Claudia Riedinger
Medizinisch-technische Assistentin

 

 

 
 

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Monika Wild
Medizinisch-technische Assistentin

 
 

 

Arbeiten aus der Universitäts-Augenklinik Tübingen zum Thema "Geschichte der Augenheilkunde"
Grzybowski A, Rohrbach JM. Reply to Pulido JS, Matteson EL. Eponyms: What's in a name? (Letter to the editor). Retina 2011;31:1439-1442
Grzybowski A, Rohrbach JM. Sollten wir auf das Eponym "Wegenersche Granulomatose" verzichten? Ein historischer Exkurs. Klin Monatsbl Augenheilkd 2011;228:641-643
Hunder A, Rohrbach JM, Bartz-Schmidt KU. 100 Jahre Universitäts-Augenklinik Tübingen 1909-2009. Wandel und Visionen. Schattauer Verlag Stuttgart, 2010
Mackensen G. 1904-1964. Fortschritte der Augenheilkunde im Spiegel der Württembergischen Augenärztlichen Vereinigung. Tübingen, 1964
Mielke J, Schlote T, Rohrbach JM. Tübingen 1895-1899. Häufigkeit, Diagnose und Therapie ausgewählter Erkrankungen des N.opticus, der Uvea und der Retina vor 100 Jahren. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2000;216:210-218
Rohrbach JM, Dzhelebov DN, Neuhann I. Emile Javal (1839-1907) und seine Glaukom-Erblindung - ein Leben für Politik, Publizistik, sinnesphysiologische Forschung und Erblindete. Klin Monatsbl Augenheilkd 2012 Feb;229(2):166-9
Rohrbach JM, Schlote T, Thiel H-J. Wolfgang Stock, seine ophthalmopathologische Sammlung und der Fortschritt in der Glaukombehandlung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 1998;213:87-92
Rohrbach JM, Steuhl KP, Thiel H-J. 125 Jahre Ophthalmopathologie in Tübingen - Wandel der Zeiten und der Befundspektren. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 1992;201:200-205
Rohrbach JM, Süsskind D, Hennighausen U. Jüdische Augenärzte im Nationalsozialismus. Eine Gedenkliste. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2011;228:70-83 - Download
Rohrbach JM, Szurman P, Bartz-Schmidt KU. 100 Jahre Universitäts-Augenklinik Tübingen. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2008;225:975-982
Rohrbach JM, Szurman P, Thanos S. Zum 130. Geburtstag und zum 65. Todestag: der Schriftleiter der "Monatsblätter", Aurel von Szily, und sein unveröffentlichtes Lebenswerk über die kongenitalen Papillenanomalien. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2010;227:659-662
Rohrbach JM. "150 Jahre DOG: Danken - gedenken - Gedanken". Festvortrag im Rahmen des Festaktes anlässlich der 105. Zusammenkunft und des 150. Geburtstages der DOG, Berlin, 21. September 2007. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2007;224:871-879
Rohrbach JM. Ophthalmopathologie zwischen gestern und morgen. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2004;221:87-91
Rohrbach JM. Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) im Nationalsozialismus. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2006;223:869-876
Rohrbach JM. Augenheilkunde im Nationalsozialismus. Schattauer Verlag Stuttgart, 2007
Rohrbach JM. Die DOG im "Dritten Reich" (1933-1945). In: Visus und Visionen. 150 Jahre DOG (Festschrift). Biermann Verlag Köln, 2007, p 33-62
Rohrbach JM. Bombenkrieg, Augenverletzungen und die Luftschutzbrille nach Walter Dieter. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2008;225:896-901
Rohrbach JM. Deutsche Augenärzteschaft und NSDAP. Sudhoffs Archiv (Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte) 2008;92:1-19
Rohrbach JM. Die Augen Adolf Hitlers. Klin Monatbl Augenheilkd 2011;228:644-650
Rohrbach JM. Die deutsche Augenheilkunde am Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2012 Mar;229(3):262-71
Rohrbach JM. Das Ende der "demokratischen Augenheilkunde" (1928-1933). Klin Monatsbl Augenheilkd 2012 (im Druck)
Schlote T, Sobottka B, Kreutzer B, Thiel H-J, Rohrbach JM. Cataract surgery at the end of the 19th century at Tübingen. Survey of Ophthalmolology 1997;42:190-194





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