Ihr Ausdruck wurde in der folgenden Navigationsebene erstellt:



Das ophthalmopathologische Labor - Aufgaben und Leistungsspektrum
Im Tübinger ophthalmopathologischen Labor werden derzeit jährlich etwa 1.200 Gewebeproben von etwa 600 Patienten (zumeist der Augenklinik) untersucht. Gelegentlich werden Einsendungen von anderen Kliniken oder Institutionen außerhalb Tübingens bearbeitet. Unter den Gewebeproben sind ca. 30-40 ganze, entfernte Augen und 70-80 im Rahmen einer Transplantation entfernte Hornhäute. Daneben werden zahlreiche Gewebeproben von der Bindehaut, aus der Augenhöhle und dem Augeninneren (z.B. Netzhaut-Membranen) begutachtet. Die meisten Proben stammen von den Lidern. Gewebeproben, die einer ganz speziellen, aufwändigen Diagnostik unterzogen werden müssen (z.B. bei Lymphom-Verdacht), oder sehr eilige Gewebeproben werden in der Regel an das Pathologische Institut des Universitäts-Klinikums Tübingen abgegeben, mit dem - wie auch mit dem dermatopathologischen Labor der Universitäts-Hautklinik und dem Institut für Neuropathologie der Universität Tübingen - eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit besteht.
- Auge eines Säuglings, welcher an Hirnblutungen, die höchstwahrscheinlich durch eine Schüttelverletzung hervorgerufen wurden, verstarb. Innerhalb der Netzhaut sind zahlreiche, bräunliche, für diese Verletzungsform sehr typische (wenngleich allein nicht beweisende) Blutungen zu sehen
- Lochbildung an der Stelle des schärfsten Sehens (Makulaforamen). Routinefärbung (Hämatoxylin-Eosin)
- Gleiche Hornhaut wie im darüberliegenden Bild. Durch eine spezielle Pilzfärbung stellen sich die Erreger noch etwas deutlicher (schwarz) dar. (GMS)
- Feingeweblicher Befund eines "Leberflecks" der Augenbindehaut. Die (gutartigen) Tumorzellen sind durch eine spezielle Färbung (Melan A- Immunhistochemie) rot dargestellt und grenzen sich dadurch gut von anderen Zellen ab. Daneben erkennt man am unteren Bildrand kleine Hohlräume (Zysten), die andeutungsweise auch auf dem Photo vom "Leberfleck" zu sehen sind.
Prinzipiell besteht auch die Möglichkeit einer elektronenmikroskopischen (ultrastrukturellen) Untersuchung von Gewebeproben, welche allerdings heutzutage für die Diagnostik nur noch sehr selten benötigt wird. Molekulargenetische Untersuchungen (z.B. auf Gendefekte oder Viruspartikel) führt das Labor nicht routinemäßig durch, auch wenn diese Methoden für wissenschaftliche Fragestellungen teilweise verfügbar sind.
Das ophthalmopathologische Labor trägt wesentlich zur Erkennung (Diagnostik) von Erkrankungen des Auges und seiner Anhangsgebilde bei. Manche Erkrankung lässt sich nur durch eine feingewebliche Untersuchung einer entnommenen Gewebeprobe einordnen. Schwerpunktmäßig werden Tumoren begutachtet, wobei es vor allem um die Frage "Gut- oder Bösartigkeit" geht. Oft werden auch entzündliche Prozesse und - bei ganzen Augen - Glaukome beurteilt. Ganz entscheidend ist ferner die Untersuchung von Operations- und Verletzungsfolgen (am Auge insgesamt oder an der Hornhaut) sowie die Reaktion der Augengewebe auf Fremdmaterial (insbesondere Implantate und Hilfsmittel für Operationen) und Veränderungen der Implantate selbst. Damit leisten die ophthalmopathologischen Untersuchungen einen ganz wesentlichen Beitrag zur Überprüfung und Verbesserung der (operativen) Therapie von Augenerkrankungen und insofern zur Qualitätssicherung. Gelegentlich wird das Tübinger ophthalmopathologische Labor auch von Staatsanwaltschaften oder dem Institut für Rechtsmedizin der Universität Tübingen beauftragt, so z.B. bei tödlichen, kindlichen Schüttelverletzungen, die oft mit typischen Veränderungen an den Augen einhergehen. Damit ist das Labor (wenngleich nur in geringem Umfang) auch ein Instrument der Rechtspflege. Des Weiteren erfüllt das Labor wichtige Zwecke im Rahmen des studentischen Unterrichts sowie der Ausbildung von Augenärzten. Schließlich unterstützt es zahlreiche wissenschaftliche Forschungsprojekte der Tübinger Augenklinik und führt selbst Forschungen an Gewebeproben durch.
|
Weiterführende Literatur |
|---|
| Rohrbach JM: Ophthalmopathologie zwischen gestern und morgen. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2004;221:87-91 |
| Rohrbach JM, Neuhann I, Lüke M, Aisenbrey S. Tödlicher Unfall oder Kindesmißhandlung mit Todesfolge: Die Netzhaut als "letzter Zeuge". Zeitschrift für praktische Augenheilkunde 2007;28:440-450 |
| Rohrbach JM, Steuhl KP, Thiel H-J: 125 Jahre Ophthalmopathologie in Tübingen - Wandel der Zeiten und der Befundspektren. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 1992;201:200-205 |
| Rohrbach JM, Schlote T, Thiel H-J: Wolfgang Stock, seine ophthalmopathologische Sammlung und der Fortschritt in der Glaukombehandlung in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 1998;213:87-92 |
| Rohrbach JM, Süsskind D, Dzhelebov DN, Tekeva-Rohrbach CI, Spitzer MS. Archäologische und forensische Ophthalmopathologie. Klin Monatsbl Augenheilkd 2011 (im Druck) |
