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GMP-Forschungsgebäude offiziell eingeweiht
Wissenschaftliches Highlight geht an den StartAm 16. Juli 2010 um 10.00 Uhr nahmen die Medizinische Fakultät und das Uniklinikum Tübingen das neue GMP-Forschungsgebäude (GMP, good manufacturing practice) offiziell in Betrieb. Dort sollen neue Substanzen sowie Zell- und Gewebepräparate hergestellt werden, die für klinische Pilotstudien an Patienten eingesetzt werden können.
Insbesondere sollen maßgeschneiderte Immuntherapeutika hergestellt werden, um Krebserkrankungen besser und vor allem auch schneller mit solchen neuen, biologischen Arzneimitteln ("Biologicals") behandeln zu können. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um Peptide, die für jeden einzelnen Patienten speziell zusammengestellt werden, aber auch um Antikörper, mit denen Gruppen von Patienten, deren Krebs bestimmte Merkmale aufweist, behandelt werden können. Die Entwicklungs- und Herstellungskosten dieser Arzneimittel wären in der Pharmaindustrie um ein vielfaches teurer. Auch wäre die Entwicklungszeit länger und es könnten nicht so leicht "Anpassungen" an die Effektivität des Arzneimittels vorgenommen werden.
Um Arzneimittel produzieren zu dürfen, sind weitreichende rechtliche Rahmenbedingungen zu erfüllen. Herzstück des neuen Gebäudes ist die Laborebene in Reinraumqualität der Klassen A, B und C, die höchste Anforderungen an die Einschleusung von Personal und Material erfüllt. Dazu gehören u.a. die Reinraumoberflächen, die Lüftung und das Monitoring zur Sicherstellung der GMP-gerechten Arzneimittelherstellung und der Forschungsprojekte.
Mit dem neuen GMP-Zentrum verfügen die Medizinische Fakultät und das Universitätsklinikum über die Möglichkeit, moderne biologische Arzneimittel nicht nur zu entwickeln, sondern auch in pharmazeutischer Qualität zu produzieren, so dass sie für die Anwendung in klinischen Studien eingesetzt werden können. Diese Möglichkeit der beschleunigten, universitären Entwicklung von biologischen Arzneimitteln von der Konzeption bis hin zu klinischen Studien ist derzeit bundesweit so nur an der Universität Tübingen gegeben. Darüber hinaus ist die Möglichkeit, Substanzen (synthetische Peptide) eigens für einen bestimmten Patienten herzustellen, weltweit einmalig, und soll zur individualisierten Immuntherapie bei Krebs eingesetzt werden.
Ein beispielhaftes Forschungsprojekt ist hier die Entwicklung eines Impfstoffs gegen Leberkrebs, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit einer Million Euro unterstützt wird. Der Beginn der klinischen Prüfung, also die Impfung der ersten Patienten, ist für die zweite Jahreshälfte 2012 vorgesehen. Bei diesem Projekt soll ausgenutzt werden, dass das Immunsystem Krebszellen erkennen kann. Krebszellen unterscheiden sich nämlich von normalen Zellen immer durch bestimmte Veränderungen, die zum Beispiel durch Mutationen in der Erbsubstanz hervorgerufen werden. Bei den meisten Krebserkrankungen erfolgt jedoch von alleine keine oder nur eine unzureichende Immunreaktion des Körpers gegen den Tumor, da sich Krebszellen gegen die körpereigene Immunabwehr mit einer Reihe von Gegenmaßnahmen wehren können. Auch beim Leberkrebs zeigen sich solche Veränderungen in kleinen Eiweißmolekülen (Peptiden), die die krebsspezifischen Abweichungen tragen. Dabei sind diese Mutationen bei jedem Patienten individuell verschieden. Bisher galt es als unmöglich, die mutierten Peptide für jeden einzelnen Patienten zu ermitteln und für therapeutische Zwecke einzusetzen.
Ziel der Tübinger Forscher aus Immunologie, Chirurgie, Pathologie und Humangenetik ist nun, die Veränderungen jeweils patientenindividuell zu identifizieren und als Krebsantigene zu nutzen, um einen tumorspezifischen Impfstoff herzustellen. Für jeden Patienten wird dann eigens eine Zusammenstellung der in seinen Krebszellen veränderten Peptide hergestellt, mit denen er dann immunisiert wird. Dadurch sollten die Krebszellen für das Immunsystem sichtbar werden und angreifbar sein.
Dass eine solche Immuntherapie im Prinzip gut wirken kann, wurde bereits mit weniger spezifischen Peptiden gezeigt, erst kürzlich besonders eindrucksvoll in einer Phase II-Studie beim Nierenzellkarzinom durch die Firma immatics, einer Ausgründung aus der Universität Tübingen. Die Erwartung ist nun, dass eine Immuntherapie mit mutierten Peptiden zum einen noch besser wirkt und zum anderen auch für solche Tumoren eingesetzt werden kann, für die passende Peptide noch gar nicht bekannt sind.
Termine und Bauzeit
Baubeginn: Januar 2009
Baufertigstellung Juni 2010
Bauzeit 18 Monate
Kosten
Gesamtbaukosten 4,18 Mio Euro
Einrichtungskosten 1,03 Mio Euro
finanziert durch das Land Baden Württemberg im Zuge einer Einzelförderung
Flächen
Nutzfläche 427,6 qm
Bruttogeschossfläche* 869 qm
Bruttorauminhalt 3.417 cbm
* incl. aller Verkehrsflächen wie z.B. Flure, Treppen, Technikflächen für Technikräume, Schächte, Konstruktionsflächen für Aussen- und Innenwände.
Labore und Räume
4 Labore der Reinraumklasse B
2 Labore der Reinraumklasse C
1 Qualitätskontrolllabor
1 Forschungslabor
4 Diensträume
1 Sozialraum
zzgl. Schleusen, Lager, Technikräume, Kühlräume und Nebenräume
Aufteilung des viergeschossigen Gebäudes
Ebene 1: Ver- und Entsorgung, Lager- und Kühlräume, Gasversorgung
Ebene 2: Qualitätskontrolllabor und Forschungslabor sowie Büronutzung
Ebene 3: Laborebene in Reinraumqualität der Klassen B und C für höchste Anforderungen an die Einschleusung von Personal und Material, die Reinraumoberflächen, die Lüftung und das Monitoring zur Sicherstellung der GMP-gerechten Arzneimittelherstellung und der Forschungsprojekte
Ebene 4: Technikzentrale
Beteiligte
Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner, Stuttgart
Bauleitung Fa. UlmerArchitekt, Rottenburg
Tragwerksplaner Müller+Müller, Ostfildern
Planung HLSK
und Reinraumtechnik IP-Innovatives Planen, Neckartenzlingen
Elektrofachplanung Gackstatter Beratende Ingenieure, Stuttgart
Ansprechpartner für nähere Informationen
Fragen zu Bau und Ausstattung
Universitätsklinikum Tübingen
Geschäftsbereich Bau und Technik
Dr. Markus Till, Tel. 07071/29-8 10 59
Fragen zu Forschungsthemen
Medizinische Fakultät Tübingen
Regenerationsmedizin: Prof. Wilhelm Aicher
Antikörper: Prof. Gundram Jung
Immuntherapie: Prof. Hans-Georg Rammensee
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universitätsklinikum Tübingen
Calwerstr. 7/1, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 01 12, -8 10 20, -8 36 59, Fax 07071/29 45 45
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