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Katheterbasierte sympathische renale Denervation: eine neue Behandlungsoption für Patienten mit Bluthochdruck



01.10.2010

Erstmals in Tübingen führte Prof. Dr. Axel Bauer, Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Kreislauferkrankungen am Universitätsklinikum jetzt eine beidseitige Nierenarterienablation, eine sogenannte katheterbasierte sympathische renale Denervation, zur Behandlung eines therapie-refraktären arteriellen Bluthochdrucks (Hypertonie) durch. Die Tübinger Kardiologie ist die einzige Klinik im Großraum Stuttgart, die dieses neue Verfahren zur Behandlung von Bluthochdruck anbietet.


Bluthochdruck ist weltweit die Todesursache Nummer 1. Auf ihn sind alleine in Deutschland jährlich etwa 300.000 Schlaganfälle, Herzinfarkte und Nierenversagen zurückzuführen. Durchschnittlich jeder vierte Erwachsene ist von der Volkskrankheit betroffen und dies oftmals unbemerkt. In über 90 Prozent der Fälle kann dabei keine direkte Ursache gefunden werden und es blieben bislang nur Medikamente, um den Bluthochruck zu therapieren und die Organschäden aufzuhalten. Tragisch dabei ist, dass bei vielen Patienten der Bluthochdruck nicht einmal durch eine Mehfachkombination an Medikamenten in den Griff zu bekommen ist.


Ein neu entwickeltes katheterbasiertes Verfahren verspricht die Lösung. Aus experimentellen Studien ist bekannt, dass der Überaktivität des sogenannten "Stressnervs" (N. sympathicus) beim Bluthochdruck eine zentrale Bedeutung bei der Kreislaufregulierung beikommt. Wichtige Fasern des sympathischen Nervensystems verlaufen dabei entlang der Nierenarterien und können nun mit Hilfe eines speziellen Katheters verödet werden. Dabei wird Energie (Wärme / Radiofrequenz) an bestimmten Stellen in der Nierenarterie abgegeben, was zu einem transmuralen Schaden der sympathischen Nerven, die in der Gefäßumgebung verlaufen führt; mit anderen Worten: die Energie wandert durch die Wand. Dies ist ähnlich wie bei elektrophysiologischen Ablationen von Rhythmusstörungen am Herzen. Das Verfahren ist ähnlich aufwendig wie eine Herzkatheteruntersuchung und dauert etwa eine Stunde. Die Komplikationsrate ist sehr gering.


Weltweit wurden etwa 400 Patienten mit diesem Verfahren behandelt, und dies mit großem Erfolg. Durchschnittlich kam es durch die Ablation zu einer Absenkung des systolischen arteriellen Blutdrucks um 25mmHg - ein Effekt der bis zu 24 Monaten nachzuweisen war. Viele Patienten konnten ihre Blutdruckmedikamente dabei drastisch reduzieren.
"Das autonome Nervensystem durch eine Katheterablation dauerhaft beeinflussen zu können, ist faszinierend und eröffnet ungeahnte Möglichkeiten - nicht nur zur Behandlung der arteriellen Hypertonie. Sollten sich die Ergebnisse bestätigen, so sehe ich in Zukunft zahlreiche Anwendungsgebiete, bei denen eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems Schaden anrichtet. Ich denke hier an Patienten mit Herzschwäche, überstandenem Herzinfarkt oder bösartigen Herzrhythmusstörungen, um nur einige Krankheitsbilder zu nennen. Auch Patienten mit Diabetes mellitus oder Schlafapnoesyndrom kommen in Betracht - dies aber ist alles noch Vision", sagt Prof. Dr. Axel Bauer, Oberarzt der Abteilung Kardiologie und Kreislauferkrankungen am Universitätsklinikum Tübingen, der die ersten Ablationen in Tübingen durchgeführt hat. "Wichtig in der Behandlung der arteriellen Hypertonie ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kardiologen, Endokrinologen und Angiologen, so wie das in Tübingen der Fall ist."

 
 


 

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Abt. Kardiologie und Kreislauferkrankungen
Prof. Dr. Axel Bauer, Oberarzt
Otfried-Müller-Str. 10, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 29 22 oder über die Pforte 07071/29-8 27 12







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