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Klein-Vogelbach-Preis geht an Tübinger Neurowissenschaftler

Bessere motorische Funktionen durch Gleichstromstimulation des Gehirns bei Schlaganfallpatienten

15.12.2005

Der diesjährige Klein-Vogelbach-Preis* geht an Dr. Friedhelm Hummel von der Neurologischen Universitätsklinik Tübingen für seine Arbeit zur Wirkung von Gleichstromstimulation des Gehirns bei Schlaganfallpatienten. Dr. Hummel und sein Team konnten nachweisen, dass mit Hilfe der Stimulation eine kurzzeitige Verbesserung der motorischen Leistung bei Schlaganfallpatienten erzielt wird. Die in der Fachzeitschrift BRAIN publizierte Studie überzeugte die Jury vor allem wegen ihrer klinischen Anwendungsmöglichkeiten. Der Klein-Vogelbach-Preis ist mit 10.000 Schweizer Franken dotiert.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland bis zu 400.000 Menschen einen Schlaganfall. Der Schlaganfall ist die häufigste Ursache für erworbene Behinderungen im Erwachsenenalter. Diese führen bei zwei Dritteln der Patienten zum Verlust der Selbstständigkeit oder mindestens zu dramatischen Einschnitten im Berufs- und sozialen Leben.
Eine einfache und kostengünstige Methode der Neurorehabilitation ist die transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS). Dabei wird über zwei Elektroden, die auf die Kopfhaut geklebt werden, für wenige Minuten ein schwacher Gleichstrom (1 mA, ähnlich der Stärke einer 9 Volt Batterie) appliziert.
Das Team um Dr. Friedhelm Hummel (Neurologische Universitätsklinik, Tübingen; National Institutes of Health, Bethesda, Maryland, USA) hat erstmals untersucht, ob Hirnstimulation mit tDCS zu einer Verbesserung motorischer Funktionen der gelähmten Hand bei Schlaganfallpatienten führt. Die Patienten mussten verschiedene Tests, die Aktivitäten des täglichen Lebens ähnlich waren, wie z.B. das Benutzen eines Löffels, akkurat und so schnell wie möglich mit ihrer gelähmten Hand ausführen. Dann wurden in zwei verschiedenen Untersuchungssitzungen entweder die geschädigte motorische Hirnrinde, also der Bereich, der für die Steuerung der Hand zuständig ist, mit Gleichstrom während 20 Minuten stimuliert oder eine "Schein-Stimulation" (Placebo-Stimulation) verabreicht.
Die Stimulation der motorischen Hirnrinde mit tDCS führte bei jedem Patienten dazu, dass er die Aufgaben schneller ausführen konnte. Dieser Effekt einer motorischen Leistungsverbesserung hielt für mehr als 30 Minuten nach Ende der Stimulation an. "Diese Ergebnisse, allein betrachtet, helfen den Patienten natürlich noch nicht sehr viel, aber Gleichstromstimulation in Kombination mit Training oder Krankengymnastik über einen längeren Zeitraum von z.B. zwei Wochen könnte die Erholung nach Schlaganfall entscheidend verbessern", so Dr. Hummel.

* Der "Susanne Klein-Vogelbach-Preis zur Erforschung der menschlichen Bewegung" ist nach der Begründerin der Funktionellen Bewegungslehre benannt. Er wird jährlich von der Schweizer Georg und Susanne Klein-Vogelbach-Stiftung verliehen und zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die sich in den Neurowissenschaften, in der Orthopädie oder in der Anatomie in hervorragender Weise den Grundlagen der menschlichen Bewegung im weitesten Sinne und ihrer Rehabilitation nach traumatischen Schädigungen bzw. neurologischen Erkrankungen widmen.


Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Neurologische Klinik und Hertie Institut für klinische Hirnforschung
Dr. Friedhelm Hummel
Hoppe-Seyler-Str. 3, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 65 25, E-Mail





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