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Multiviszeraltransplantation – zum ersten Mal in Südwestdeutschland

Magen, Dünndarm, Leber und Pankreas gleichzeitig transplantiert

10.12.2007

An der Tübinger Universitätsklinik für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie wurden einer 52-jährigen Frau alle wichtigen Verdauungsorgane in einer Operation transplantiert. Der hoch komplexe Eingriff, der die Transplantation von Magen, Dünndarm, Leber und Pankreas einschloss, war der letzte Ausweg für die Freiburgerin. Sie hatte aufgrund einer seit über 30 Jahren bestehenden entzündlichen Darmerkrankung nahezu ihren gesamten Dünndarm verloren und konnte seit 2005 nur noch intravenös ernährt werden. Prof. Alfred Königsrainer, Ärztlicher Direktor der Allgemeinchirurgie: "Der Eingriff verlief sehr gut, die Organe nahmen ihre Funktion sofort in vollem Umfang auf." Der Gesundheitszustand der Patientin ist inzwischen stabil. Sie kann wieder aufstehen und zum ersten Mal seit langem wieder essen, wird aber noch auf der Intensivstation betreut."

 

Die Patientin litt seit 1974 an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (Morbus Crohn). Bereits im Jahr der Erstdiagnose musste ihr ein großer Teil des Dickdarms operativ entfernt werden; 1995 wurde ein weiterer Teil des Dickdarms entfernt.
Bis Ende 2004 konnte die Erkrankung durch Medikamente soweit kontrolliert werden, dass sich die Patientin auf normalem Weg ernähren konnte, wenngleich sie auf die Verträglichkeit einzelner Nahrungsmittel gut achten musste.

Im Dezember 2004 trat eine sogenannte Dünndarmgangrän auf, d.h. große Teile des Dünndarms starben ab und mussten operativ entfernt werden; ein künstlicher Darmausgang (Ileostoma) wurde angelegt. Der verbleibende Rest des Dünndarms genügte nicht, um die aufgenommene Nahrung ausreichend zu verwerten; sie litt also an einem sogenannten Kurzdarmsyndrom. Ab diesem Zeitpunkt war die Patientin auf intravenöse (durch Infusionen verabreichte) Ernährung angewiesen. Der für diese intravenöse Ernährung operativ hergestellte Venenzugang (Port) infizierte sich immer wieder, was eine typische Komplikation bei Patienten mit Kurzdarmsyndrom darstellt.

Diese Infektionsepisoden schwächten die Patientin so sehr, dass sie sich in dieser Zeit zunehmend kraftlos fühlte und an Gewicht verlor. Gleichzeitig traten wiederholt Blutungen aus dem künstlichen Darmausgang (Ileostoma) auf, die die Patientin ebenfalls erheblich beeinträchtigten und im letzten halben Jahr eine große Zahl an Bluttransfusionen nötig machten.

 

Als schwerwiegendste Komplikation der intravenösen Ernährung und der Portinfektionen sowie einer Entzündung der Gallenwege, die im August 2006 noch hinzukam, trat eine zunehmende Verfettung und schließlich eine Zirrhose der Leber auf. Durch dieses zusätzliche Problem war eine Situation entstanden, die ein weiteres Überleben der Patientin unter intravenöser Ernährung langfristig nicht mehr erlaubte.

 

Die Patientin war im Herbst 2007 schließlich so geschwächt, dass sie kaum mehr das Bett verlassen konnte und weitestgehend auf Hilfe angewiesen war. Trotz oder vielmehr gerade wegen dieser Beschwerden konzentrierte die Patientin ihre ganze Willenskraft auf eine mögliche Transplantation. Sie hatte sich bereits Anfang 2007 entschlossen, diese Möglichkeit der Behandlung, die mittlerweile ohne Alternative war, auf jeden Fall zu ergreifen.
Am 20. Oktober 2007 wurde der hoch komplexe Eingriff an der Tübinger Universitätsklinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie durchgeführt. Dabei wurden Magen, Dünndarm, Bauchspeicheldrüse (Pancreas) und Leber der Patientin entfernt und durch eine Organspende ersetzt. Der Eingriff verlief sehr gut, die Organe nahmen ihre Funktion sofort in vollem Umfang auf, eine Abstoßung trat nicht auf. Dreieinhalb Wochen später wurden bei einem kleineren Eingriff noch geringe Mengen von entzündetem Gewebematerial abgetragen.

Privatdozentin Dr. Alexandra Heininger, die die Patientin auf der Intensivstation betreut: "Inzwischen geht es kontinuierlich bergauf, der Zugang für die intravenöse Ernährung konnte entfernt werden. Die Patientin kann wieder essen und die Ernährung erfolgt weitgehend über den neuen Darm!"

Professor Dr. med. Wolfgang Steurer, Geschäftsführer des Tübinger Transplantationszentrums: "Zu den Behandlungsschwerpunkten der Tübinger Transplantationschirurgie gehört neben der Nieren-, Leber- und Darmtransplantation auch die derzeit noch sehr seltene Multiviszeraltransplantation, die wir für Erwachsene und Kinder anbieten können. Ein weiterer Behandlungsschwerpunkt bei Erwachsenen ist die Pankreastransplantation."
Fester Bestandteil des Angebotes für Patienten ist auch die Lebendspende für Nieren- und Lebertransplantation, dabei sind auch Transplantationen bei Blutgruppeninkompatibilität möglich.
Dazu gehören auch die komplexe Diagnostik, Therapie und Nachsorge von Transplantationspatienten, wie sie nur eine große Universitätsklinik mit ihren unterschiedlichen Fachdisziplinen bieten kann.

 

 Multiviszeraltransplatation am Tübinger Uniklinikum

Multiviszeraltransplantation

Das Foto zeigt die Patientin Monika Vogt zusammen mit der Physiotherapeutin.
 



 

 

 

Ansprechpartner für die Presse

 

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie
Ärztlicher Direktor Prof. Alfred Königsrainer
Hoppe-Seyler-Str. 3, 72076 Tübingen
Tel. 0 70 71 / 29-8 66 20



 






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