Rückblick: Bürger*innennachmittag: Rücken, Gelenke und Co
Wissenschaft trifft Arbeitsalltag: Exoskelette zum Ausprobieren und großes Interesse am Austausch mit Expertinnen und Experten für Arbeitsmedizin
Die Arbeitswelt wandelt sich und mit ihr die Belastungen für Beschäftigte. Homeoffice, Automatisierungen in der industriellen Produktion, Videokonferenzen, längere Lebensarbeitszeit bei gleichzeitig alternder Belegschaft: Was bedeutet das für Rücken, Gelenke und Muskeln?
Über die Prävention arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen diskutierten im September nicht nur Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt auf der PREMUS-Konferenz in Tübingen. Auch Berufstätige selbst kamen zum Wort: Beim Bürger*innennachmittag, den das Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung (IASV) begleitend zur Fachkonferenz ausrichtete.Einblicke in unterschiedliche Arbeitswelten
Zahlreiche Beschäftigte aus verschiedenen Berufen nutzten am 12. September die Gelegenheit, mit Forschenden ins Gespräch zu kommen. Im Fokus standen konkrete Themen aus dem Arbeitsalltag – von langem Sitzen und fehlender Bewegung über körperliche Anforderungen und Zeitdruck bis zu fehlender Kommunikation im Team und Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auf Augenhöhe diskutierten die Teilnehmenden mit dem IASV-Team solche Herausforderungen und mögliche Ansätze für eine gesündere Arbeitsgestaltung.
„Wir freuen uns sehr über das große Interesse und bedanken uns herzlich für den offenen Austausch von Erfahrungen aus ganz unterschiedlichen Arbeitswelten“, sagt Dr. Esther Rind, die am IASV den Forschungsschwerpunkt Gesundheitsversorgung für Menschen im Erwerbsalter leitet.
Einblicke in die Forschung
Der Nachmittag, der im Vorfeld vom IASV mit Bürgerinnen und Bürgern geplant wurde, macht Wissenschaft praktisch erfahrbar. Wer wollte, konnte selbst ein Exoskelett testen. Dabei erfuhr man, warum solche mechanischen Stützstrukturen kein Allheilmittel gegen ungesunde körperliche Belastungen sind. „Ein Ergebnis unserer Forschung ist es, dass die Wirkung von Exoskeletten auf den arbeitenden Menschen sehr stark vom einzelnen Exoskelett, den Tätigkeiten und auch den körperlichen Voraussetzungen der Beschäftigten abhängt und es noch keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass Exoskelette tatsächlich gegen Muskel- und Gelenkprobleme wirken“, erläuterte Professor Benjamin Steinhilber.
Forschende des IASV demonstrierten außerdem, wie sich Muskelbelastungen mit speziellen Sensoren messen lassen. Dr. Esther Herath und Melanie Wasmuth, die ärztlichen Leiterinnen der arbeitsmedizinischen Ambulanz und zuständig für die betriebsärztliche Betreuung der Universität Tübingen und weiterer Einrichtungen, standen für Fragen zur Verfügung.
„Unser Anspruch ist es, dass unsere Forschung spürbar etwas verbessert“, betont Professorin Monika Rieger, Leiterin des Instituts, das in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen feiert. „Deshalb suchen wir den Dialog mit denen, die es betrifft. Die Perspektiven aus dem realen Arbeitsalltag sind für die Ausrichtung unserer Forschung von großer Bedeutung. Die Erkenntnisse fließen nun in laufende und zukünftige Projekte ein.“
Dialogforum „Gesunde Arbeit. Gesunde Zukunft“ – Austausch wird fortgesetzt
Sie möchten ebenfalls mitreden? 2026 setzt das IASV seine Bürger*innenveranstaltungen im Rahmen des „Dialogforums Gesunde Arbeit. Gesunde Zukunft“ fort. Rund zweimal im Jahr sind interessierte Menschen eingeladen, ihre Sichtweise in die Forschung einzubringen – etwa bei der Konzeption von Projekten oder bei der inhaltlichen Gestaltung von Veranstaltungen.
Weitere Informationen, Termine und Anmeldung finden sie hier.