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24.11.2025

Prävention arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen in einer sich wandelnden Arbeitswelt

Die Fachwelt traf sich in Tübingen: Mit 220 Teilnehmenden fand am Universitätsklinikum Tübingen die 12. Internationale Konferenz zur Prävention arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen statt, die PREMUS 2025. Vom 9. bis 12. September diskutierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 28 Ländern und sechs Kontinenten über arbeitsbedingte Gesundheitsrisiken und wirkungsvolle Prävention. Im Fokus standen Herausforderungen wie Digitalisierung, mobile Arbeit, demografischer Wandel und längere Lebensarbeitszeiten.

Die PREMUS-Konferenz des ICOH Scientific Committee Musculoskeletal Disorders findet alle drei Jahre statt. Die diesjährige Veranstaltung wurde vom Institut für Arbeitsmedizin, Sozialmedizin und Versorgungsforschung (IASV) des Universitätsklinikums Tübingen ausgerichtet – ein wissenschaftliches Highlight im Jubiläumsjahr des Instituts, das in diesem Jahr sein 60 Bestehen feiert.

Weltweite Belastung für Gesundheit und Wirtschaft

„Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Muskel-Skelett-Erkrankungen belastet weltweit die Wirtschaft, die Gesundheitssysteme und Betroffene“, ordnete IASV-Direktorin und Konferenzpräsidentin Professorin Monika A. Rieger das Thema der Konferenz in einem Grußwort ein. „Arbeitsbedingungen sind immer noch eine erhebliche Ursache für diese Erkrankungen – obwohl wir immer mehr über den Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und der Entwicklung von Muskel-Skelett-Erkrankungen wissen und trotz Fortschritten im Arbeitsschutz.“

Weil sich die Arbeitswelt wandelt, sei das Thema besonders aktuell, so Professor Benjamin Steinhilber, Forschungsleiter am IASV und Co-Konferenzpräsident. „Veränderungen durch Digitalisierung, neue Anforderungen an Flexibilität und neue Technologien zur Risikobewertung und zur physischen und kognitiven Unterstützung von Beschäftigten stellen ständig neue Herausforderungen und Chancen für die Prävention arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen dar.“ Diesen vielfältigen Faktoren trage das sehr umfassende wissenschaftliche Konferenz-Programm Rechnung.

Prävention als gesellschaftliche Aufgabe

Dr. Martin Rosemann, bis 2025 Sprecher für Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik der SPD-Bundestagsfraktion, betonte in seiner Rede zur Eröffnung der Konferenz die gesellschaftspolitische Dimension gesunder Arbeitsgestaltung. Der demografische Wandel, die Transformation der Arbeitswelt und der strukturelle Wandel der Wirtschaft erforderten „eine proaktive Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, die Beschäftigte während ihres gesamten Erwerbslebens aktiv und individuell unterstützt.“ Bürgerinnen und Bürger würden den Staat oft als bürokratisch und abweisend, statt unterstützend und einladend erleben. „Für die Zukunft unserer Demokratie ist es daher unerlässlich, den Sozialstaat so weiterzuentwickeln, dass er rechtzeitig und effektiv Unterstützung für Beschäftigte in einer komplexen und anspruchsvollen Arbeitswelt bietet. Mit Ihrer Forschung tragen auch Sie zu einer positiven Zukunft unserer Demokratie bei“, sagte Rosemann an die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gerichtet.

Wie lassen sich Belastungen messen? Welche Chancen bieten neue Technologien?

Mehr als 200 Beiträge spiegelten eine große inhaltliche Bandbreite der PREMUS 2025 wider. Fünf zentrale Plenarvorträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Dänemark, Australien, Brasilien, den Niederlanden und Spanien spannten einen Bogen von der historischen Entwicklung präventiver Ansätze über aktuelle Herausforderungen in einer sich wandelnden Arbeitswelt bis zur praktischen Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse.

Weitere Vorträge und Sitzungen vertieften zentrale Fragen: Wie häufig treten arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen auf und welche Faktoren begünstigen sie? Wie können Risiken am Arbeitsplatz besser erkannt und bewertet werden? Welche Chancen bieten neue Technologien wie Exoskelette? Wie lässt sich die Belastung durch Muskel-Skelett-Erkrankungen in Sozialversicherungssystemen messen – etwa durch verlorene Arbeitsjahre? Welche neuen ethischen Aspekte bringt das digitale Zeitalter mit sich? Neben weiteren Themen stand auch die erfolgreiche Rückkehr erkrankter Beschäftigter an ihren Arbeitsplatz im Fokus.

Zudem wurden spezielle Forschungsansätze vorgestellt – vom Einsatz virtueller Welten beim Training für ergonomisches Arbeiten über die optimale Dosierung von Arbeitsanforderungen  bis zu Bewegungsprogrammen, die sich direkt am Arbeitsplatz umsetzen lassen.

Die diesjährige wissenschaftliche Tagung war in der Reihe der internationalen PREMUS-Konferenzen die erste seit der COVID-19-Pandemie, die wieder vollständig in Präsenz stattfand. Persönlicher Austausch und Vernetzung der weltweiten Forschungs-Community standen daher besonders im Mittelpunkt.

Nächste PREMUS-Konferenz 2028 in Kolumbien

„Wir danken den Mitgliedern des wissenschaftlichen Komitees herzlich für ihre wertvollen Beiträge sowie allen Mitarbeitenden des IASV und der Universität und dem Universitätsklinikum Tübingen für ihre Unterstützung bei der Realisierung dieser erfolgreichen Veranstaltung“, so Rieger und Steinhilber. „Wir wünschen den Organisatorinnen und Organisatoren der nächsten PREMUS-Konferenz 2028 im kolumbianischen Bogotá viel Erfolg!“