Wie das angeborene Immunsystem zur Bekämpfung von Corona bei Kleinkindern beiträgt
Kleinkinder und insbesondere Säuglinge gelten als besonders gefährdet. Jüngste Ergebnisse einer deutsch-amerikanischen Studie zeigen, dass gerade diese Gruppe im Vergleich zu Erwachsenen eine viel länger anhaltende Antikörperreaktion auf eine COVID-19-Infektion hat. Unter der Leitung von Dr. Florian Wimmers von der Universität Tübingen wurden im Rahmen der Studie Blut- und wöchentliche Nasenproben von mehr als 50 Kindern im Alter von einem bis 47 Monaten mit einer COVID-19-Infektion untersucht und mit denen von Erwachsenen verglichen. Für ihre Analysen verwendeten die Forscher hochauflösende und KI-gestützte Methoden. Während die Antikörperspiegel bei Erwachsenen typischerweise nach 40-50 Tagen ihren Höhepunkt erreichen und dann abnehmen, waren sie bei den Säuglingen nach 300 Tagen noch auf einem konstanten Niveau. Die Menge der Antikörper bei Säuglingen und Kleinkindern war hingegen geringer als bei Erwachsenen, ebenso wie die T-Zell-Reaktion.
Allerdings beobachteten die Forscher eine unerwartet starke Immunantwort des angeborenen Immunsystems, insbesondere in der Nase. Das angeborene Immunsystem schützt uns von Geburt an vor Keimen und Fremdkörpern und kann Krankheiten auch ohne vorheriges Training durch Infektionen oder Impfungen bekämpfen. Zu diesen Schutzbarrieren gehören beispielsweise unsere Haut oder Schleimhäute, aber auch spezielle Immunzellen wie die weißen Blutkörperchen.
"Unsere Studie zeigt deutlich das Zusammenspiel vom angeborenen Immunsystem und extensiver Immunaktivität in der Nase von Säuglingen. Die starke Immunreaktion in der Nase könnte Infektionen in einem frühen Stadium eindämmen und ihr Eindringen in die unteren Atemwege verhindern, was dann wiederum zu milderen Krankheitsverläufen führt", erklärt Dr. Wimmers.
"Die beobachtete robuste Antikörperreaktion in Verbindung mit dem Ausbleiben schwerer Symptome könnte auf einen möglichen alternativen Weg der Immunaktivierung hinweisen, der in Zukunft für die Entwicklung innovativer Impfstoffe genutzt werden könnte", fährt er fort. Dies müssten jedoch weitere Studien zeigen, fügt der Tübinger Immunologe hinzu.
Neben Dr. Wimmers wurde die Studie von Prof. Bali Pulendran und seinem Labor an der Stanford University geleitet, mit maßgeblicher Unterstützung des Cincinnati Children's Hospital Medical Center, in dem die Säuglinge behandelt wurden.
Die Studie wurde teilweise vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases der National Institutes of Health unter der Vergabe-Nummer [spezifische NIH-Zuschussnummer(n) in diesem Format: R01GM987654] unterstützt. Der Inhalt liegt in der alleinigen Verantwortung der Autoren und gibt nicht unbedingt die offiziellen Ansichten der National Institutes of Health wieder.
Veröffentlichung: "Multi-omics analysis of mucosal and systematic immunity to SARS-CoV-2 after birth" https://doi.org/10.1016/j.cell.2023.08.044