Nuklearmedizin und Klinische Molekulare Bildgebung
Department für Radiologie

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Radio-Jod-Therapie benigne

Was ist die Radioiodtherapie gegen gutartige Schilddrüsen-Erkrankungen?

Mit einer Radioiodtherapie (RIT) können Ärzte bestimmte gutartige Krankheiten der Schilddrüse bekämpfen. Man nutzt dabei die Chance, dass die Schilddrüse radioaktives Iod ebenso verarbeitet und für wenige Tage einspeichert wie das Iod aus der täglichen Nahrung. Durch das radioaktive Iod kann die Schilddrüse aus kürzester Distanz von innen heraus bestrahlt und gezielt geschädigt werden – Zellen sterben ab, das Gewebe vernarbt, die Schilddrüse schrumpft.

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Profitieren kann, wer an einer Überfunktion der Schilddrüse leidet oder auch eine vergrößerte Schilddrüse hat, was Mediziner „Struma“ nennen und der Volksmund als „Kropf“ bezeichnet. Hinter einer solchen Überfunktion der Schilddrüse stecken oft organische Ursachen. Meist sind es einzelne gutartige Schilddrüsenknoten innerhalb der Schilddrüse. Bei Morbus Basedow befindet sich die gesamte Schilddrüse in einer Überfunktion.

  • Die RIT kommt für alle Personen in Frage, bei denen eine Überfunktion der Schilddrüse nachgewiesen wurde. Es gibt für solche Überfunktionen klassische Symptome: Herzstolpern, Herzrasen, Schweißausbrüche, Reizbarkeit und Nervosität – doch nicht alle Betroffenen erleben diese Symptome gleichermaßen.
  • Gegen eine solche Überfunktion sollte man etwas tun. Sonst kann sich der Überfluss an Schilddrüsenhormonen im Körper ungünstig auswirken. Beispielsweise haben Betroffene häufiger Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche oder Osteoporose. Wird bei einem Patienten erstmals eine Schilddrüsenüberfunktion entdeckt, setzen die Ärzte Medikamente ein. Da diese Medikamente nur kurzfristig eingesetzt werden sollen, bzw. falls der gewünschte Erfolg nicht erreicht werde kann, kommt eine Operation in Frage oder alternativ auch die RIT. Welche Lösung für den einzelnen Patienten die beste ist, entscheiden Arzt und Patient nach einer Beratung über die Vor- und Nachteile der beiden Verfahren.
  • Eine RIT kann auch dann eingesetzt werden, wenn ein Patient ausschließlich eine Vergrößerung der Schilddrüse hat, ohne dass sein Stoffwechsel oder die Funktion der Schilddrüse aus dem Gleichgewicht sind.
  • Die Behandlung eignet sich besonders für ältere Patienten, bei denen eine Operation wegen einer Krankheit oder wegen ihres Alters nicht ideal wäre. Dasselbe gilt für alle Menschen mit erhöhtem Operationsrisiko.
  • Ungeeignet ist die Therapie dann, wenn die Schilddrüse sehr groß und die Luftröhre eingeengt ist – dann ist eine Operation der bessere Weg. Dasselbe gilt auch, wenn ein Tumor in der Schilddrüse vermutet wird oder ein so genannter „kalter Knoten“, eine inaktive Region innerhalb der Schilddrüse.
  • Für schwangere Frauen kommt eine RIT nicht in Frage. Deswegen wird bei Frauen im gebährfähigen Alter sicherheitshalber vor der Ausgabe der Therapiekapsel ein Schwangerschaftstest gemacht. Stillende Mütter müssen vor einer RIT unbedingt abstillen.
  • Für die RIT macht man sich die Tatsache zunutze, dass die Schilddrüse tagtäglich Iod aus der Nahrung anreichert und verstoffwechselt, als Grundlage für ihre Aufgabe, Hormone zu produzieren. Die Schilddrüse kann nicht unterscheiden zwischen dem natürlichem Iod der Nahrung und radioaktivem Iod. Deswegen bekommen Patienten bei der RIT eine Kapsel mit radioaktivem Iod 131, das daraufhin ganz normal in der Schilddrüse gespeichert wird. Dieses Material hat eine Halbwertszeit von rund acht Tagen, in dieser Zeit hat sich die Strahlung also halbiert.
  • Um eine RIT exakt planen zu können, gibt es vorab eine Reihe von Untersuchungen. Per Ultraschall wird die Größe der Schilddrüse ermittelt. Der Patient schluckt im Rahmen einer ambulanten Untersuchung eine Testkapsel mit einer sehr kleinen Dosis Iod 131. Danach prüfen die Ärzte, wie gut dieser Mensch das Jod aufgenommen hat. So finden sie heraus, welche Menge an radioaktivem Iod für die Therapie dieses Patienten individuell nötig ist. Wenn Patienten bereits Schilddrüsen-Medikamente einnehmen, nutzen die Ärzte oft die Gelegenheit, die Dosierung anzupassen, um den Stoffwechsel so einzustellen, dass er optimal anspricht auf die RIT.
  • Wenn die Therapie beginnt, wird der Patient stationär in die Klinik aufgenommen. Am ersten Tag bekommt man eine Therapie-Kapsel mit Radioiod. Eingenommen wird sie mit Wasser, in dem etwas Vitamin C aufgelöst wurde. Das Vitamin C sorgt dafür, dass das radioaktive Iod im Darm besser aufgenommen wird. In der Kapsel ist Iod 131. Seine Strahlung, sogenannte Beta-Strahlung, hat im Gewebe nur eine geringe Reichweite von etwa einem halben Millimeter. Damit bleibt wie Wirkung auf die Schilddrüse begrenzt, das umliegende Gewebe wird nicht unnötig belastet.
  • Sobald die Schilddrüse das Radioiod aufgenommen hat, kommt es zur inneren Bestrahlung des Schilddrüsengewebes. Überaktive Areale der Schilddrüse vernarben, dadurch wird die Schilddrüse schrumpfen. Die Wirkung des Radioiods tritt nicht schlagartig ein: Die bestrahlten Zellen sterben während einiger Wochen nach und nach ab.
  • Die Strahlung ist auch außerhalb des Körpers messbar. Das ist nützlich, beispielsweise um Therapiebilder anzufertigen. Es führt zugleich dazu, dass Patienten einige Regeln zum Strahlenschutz einhalten müssen: Sie müssen mindestens für 48 Stunden auf einer speziellen Therapiestation bleiben und dürfen keinen Besuch empfangen. Wann ein Patient entlassen werden kann, hängt davon ab, wie viel Radioaktivität in seinem Körper noch gemessen werden kann. Sobald in zwei Metern Abstand vom Patienten ein bestimmter Grenzwert nicht mehr überschritten wird, kann ein Patient nach Hause. Bei gutartigen Schilddrüsenerkrankungen ist es meist nach zwei bis fünf Tagen soweit. Nur wenn die Schilddrüse stark vergrößert war und besonders viel Radioiod gespeichert hat, kann es einige Tage länger dauern.
  • Mit der Radioiodbehandlung will man eine Schilddrüsen-Überfunktion dauerhaft und endgültig beseitigen – und zwar auf schonende Weise. Dies gelingt bei etwa 90 Prozent der Patienten. Wenn jemand eine stark vergrößerte Schilddrüse hat, ist es das Ziel der Ärzte, das Organ wieder zu schrumpfen. Das funktioniert gut: Etwa die Hälfte ihres Volumens kann eine vergrößerte Schilddrüse auf diesem Weg verlieren.
  • Meist sind die gewünschten Erfolge schon nach einer einmaligen Therapie erreicht. In besonderen Fällen, wenn jemand eine sehr große Schilddrüse hat oder an Morbus Basedow leidet, wird die Behandlung wiederholt. Das ist problemlos möglich.
  • Die RIT hat einige Vorteile gegenüber einer Operation, bei der die Schilddrüse entfernt wird: Die Nebenschilddrüsen und Stimmbandnerven werden geschont, und man braucht keine Vollnarkose.
  • Manchmal haben Patienten nach dieser Therapie eine Unterfunktion der Schilddrüse. Das gilt als unproblematisch, denn die Unterfunktion kann im Gegensatz zur Überfunktion einfach behandelt werden, indem das Schilddrüsen-Hormon Thyroxin als Tablette eingenommen wird. Oft ist die Unterfunktion gewollt: Speziell bei Morbus Basedow wird so das Risiko gesenkt, dass die Überfunktion eines Tages wieder aufflammt.
  • Gravierende Nebenwirkungen sind nicht bekannt.
  • Selten bekommen Patienten eine akute Entzündung der Schilddrüse, eine sogenannte Strahlenthyreoiditis, die von der Strahlung ausgelöst wird. Die Schilddrüse schwillt an und reagiert schmerzhaft auf Druck. Dann hilft es, mit kalten Umschlägen oder einer „Eiskrawatte“ zu kühlen. Auch entzündungshemmende, schmerzstillende und abschwellende Medikamente lindern die Symptome der Entzündung.
  • Es kann auch geschehen, dass sich die Überfunktion der Schilddrüse in den ersten beiden Wochen nach der Therapie noch verschlechtert. Weil die Zellen zu zerfallen beginnen, kommt es vor, dass anfangs besonders viel gespeichertes Schilddrüsenhormon frei wird. Das können die Ärzte ausgleichen, indem sie eine Zeit lang Medikamente geben, welche die Schilddrüsenfunktion zügeln.
  • Besonders vorsichtig sind Ärzte, wenn ein Patient schon zuvor eine eingeengte Luftröhre hat. Dann kann man vorbeugend entzündungshemmende Medikamente geben. Diese verhindern, dass die Luftröhre noch enger wird oder eine Atemnot entstehen kann.
  • Spezielle Vorkehrungen werden auch dann getroffen, wenn ein Patient Morbus Basedow hat und auch seine Augen betroffen sind (endokrine Orbitopathie). Solche Patienten erhalten ab dem Beginn der RIT eine Kortisonbehandlung, vier bis sechs Wochen lang, die langsam reduziert wird.
  • Generell bringt jedes nuklearmedizinische Verfahren eine gewisse Strahlenbelastung mit sich. Bei der RIT ist diese aber nicht sehr hoch: Die direkte Umgebung der Schilddrüse wie auch die meisten Organe bekommen nur wenig ab, in etwa so viel Strahlung wie durch drei bis vier Computertomographien.
  • In bestimmten Organen reichert sich das Iod für kurze Zeit an – in jenen Organen, die ein vergleichbares Protein wie die Schilddrüse bilden. Das sind die Speicheldrüsen, die Magenschleimhaut und theoretisch auch die weibliche Brustdrüse, während sie Milch produziert – aber bei Stillenden wird die Therapie grundsätzlich ebenso wenig eingesetzt wie bei Schwangeren. Auch Niere, Harnblase und Darm sind einer geringen Strahlung ausgesetzt, weil über sie das radioaktive Iod ausgeschieden wird. All das birgt jedoch nahezu keine Risiken für Spätschäden, wie verschiedene Studien belegen.
  • Es dauert einige Zeit, bis die volle Wirkung der RIT eintritt. Erst drei bis sechs Monate nach der Therapie sind die Prozesse in der Schilddrüse abgeschlossen, das Gewebe geschrumpft und vernarbt. Diese Schrumpfung ist nicht schmerzhaft. Viele Patienten erleben einen positiven Effekt, wenn ein Druckgefühl in ihrem Hals allmählich verschwindet.
  • In den Wochen nach der Therapie sollten Patienten regelmäßig zu ihrem Hausarzt gehen, der ihre Hormone kontrolliert. Dies ist wichtig, um jederzeit im Bilde zu sein über die Veränderung des Stoffwechsels und der Schilddrüsenwerte. Wenn es Anzeichen für eine Unterfunktion der Schilddrüse gibt, kann der Arzt rasch reagieren und die Werte über Medikamente gut einstellen. Das gelingt meist schon, bevor es zu den typischen Beschwerden einer Unterfunktion kommt: Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Gewichtszunahme oder Verstopfung. Besonders wichtig ist eine solche Korrektur bei Patienten mit Morbus Basedow, wenn ihre Augen mit betroffen sind: Eine Unterfunktion könnte die Augen zusätzlich belasten.
  • Drei Monate nach der Therapie wird der Erfolg erstmals gemessen. Der Patient kommt dann wieder in die Klinik und wird umfassend untersucht: ein Ultraschall der Schilddrüse, eine Schilddrüsenszintigramm und eine Blut-Untersuchung. Eine zweite Kontrolluntersuchung folgt sechs Monate nach der Therapie, denn auch in dieser Phase kann die Schilddrüse noch weiter schrumpfen. Erst nach diesem halben Jahr kann man wirklich bewerten, wie erfolgreich die Therapie war. Bei Bedarf kann sie wiederholt werden.
  • Patienten, die eine RIT hatten, sollten auf Dauer einmal jährlich zum Arzt gehen, damit ihre Schilddrüse und ihr Hormonspiegel kontrolliert werden.

Die Kosten für die RIT übernimmt die gesetzliche oder die private Krankenkasse.

  • Ob eine RIT wirkt, hängt entscheidend davon ab, ob die Schilddrüse genügend radioaktives Iod aufnimmt. Deswegen müssen Patienten vor einer RIT unbedingt vermeiden, ihre Schilddrüse mit nicht radioaktivem Iod zu sättigen. Speziell Röntgenuntersuchungen und Computertomografien mit iodhaltigem Kontrastmittel führen erfahrungsgemäß dazu, dass die Therapie misslingt. Ernährung spielt hingegen keine Rolle – so viel Sushi kann man gar nicht essen, dass es hier stören würde.
  • Vor der Therapie müssen Patienten zum Radioiod-Test in die Ambulanz der Klinik kommen. Der Test dient dazu, die individuell richtige Menge Radioiod zu bestimmen. Für diesen Test sind zwei Tage nötig – den ersten Tag sollte man bis zum Abend dafür freihalten, den zweiten mindestens bis mittags. Am ersten Tag schluckt man eine Kapsel mit einer geringen Dosis des radioaktiven Iods. Danach wird wiederholt gemessen, wie viel Iod von der Schilddrüse aufgenommen wurde. Parallel findet das Aufklärungsgespräch über die gesamte Therapie statt. Patienten sollten hierfür ihre vorhandenen medizinischen Unterlagen mitbringen: beispielsweise Operationsberichte, Röntgenaufnahmen der Lungen und EKG-Ergebnisse. Sie erhalten an dem Tag eine Checkliste, mit der sie sich auf den stationären Aufenthalt und die Therapie vorbereiten können.
  • Weil die Strahlenschutzverordnungen in Deutschland streng sind, dürfen Patienten während der Radioiodtherapie die Therapiestation nicht verlassen. Sie dürfen auch keinen Besuch bekommen.
  • Auch einige Tage nach der Therapie geht noch eine geringe Strahlung von den Patienten aus. Deswegen sollte man Rücksicht nehmen: Mit kleinen Kindern oder schwangeren Frauen sollte man an diesen Tagen möglichst nicht zusammentreffen. Auch größere Menschenansammlungen, Veranstaltungen oder Reisen sollte man direkt nach der Therapie meiden. Bei der Entlassung aus der Klinik erfährt jeder Patient, wie viele Tage in seinem Fall noch Strahlenschutz beachtet werden muss.
  • Nach der RIT ist es wichtig, dass eine Schwangerschaft für weitere sechs Monate ausgeschlossen wird – dies gilt für Frauen ebenso wie für Männer, die in dieser Phase kein Kind zeugen sollten. Sichere Verhütung ist hier wichtig.

Der Therapieeffekt einer Radioiodtherapie tritt in der Regel protrahiert ein, so dass eine Aussage über den Therapieerfolg oft erst nach 3 Monaten gegeben werden kann. Insofern ist eine regelmäßige Kontrolle der Schilddrüsenhormonwerte (TSH, fT3 und fT4) in diesem Zeitraum notwendig, um eine begleitende Schilddrüsenmedikation anzupassen. Therapien mit Thyreostatika können oft innerhalb der ersten 2 Wochen reduziert oder abgesetzt werden. Sollte posttherapeutisch eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten, ist das Ansetzen einer Schilddrüsenhormonsubstitution (Thyroxin) notwendig.

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