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Darmkrebs: Der vermeidbare Krebs

Seit Anfang 2003 gibt es ein bundesweites Programm zur Darmkrebs-Früherkennung. Rund 30 Millionen Deutsche gehören zur Zielgruppe, doch erst zehn Prozent von ihnen haben das kostenlose Angebot seitdem wahrgenommen. Dabei könnten bei keiner anderen Krebsart so viele Erkrankungen und Todesfälle durch konsequente Früherkennung vermieden werden. Prof. Michael Gregor, bis 31.03.2011 Ärztlicher Direktor der Abteilung Innere Medizin I für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie am Universitätsklinikum Tübingen, informiert im Interview.

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Darmpolypen lassen sich mit einer Darmspiegelung rechtzeitig erkennen und entfernen, bevor sie sich zu einem bösartigen Karzinom entwickeln. (Bildquelle: fotolia/Jeanette Dietl)
Welche Bedeutung hat Darmkrebs im Vergleich mit anderen Krebserkrankungen?

Nimmt man Männer und Frauen zusammen, dann ist Dickdarmkrebs mit mehr als 70 000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Krebsursache und mit 29 000 tumorbedingten Todesfällen in Deutschland die zweithäufigste Krebstodesursache.

Trägt eine Früherkennung bei Darmkrebs tatsächlich zu besseren Heilungschancen bei?

90 Prozent aller Darmtumore gehen aus gutartigen Vorstufen, so genannten Darmpolypen, hervor. Bis sich aus einem Polypen mit zunehmendem Alter ein Karzinom entwickelt, vergehen in der Regel zehn bis 15 Jahre. Deshalb haben wir ein ausreichendes Zeitfenster, um diese Vorstufen frühzeitig im Rahmen einer Dickdarmspiegelung zu erkennen und zu entfernen, bevor sie bösartig werden.

Auf diesem Wege könnte die Entwicklung von 90 Prozent aller Dickdarmkarzinome verhindert werden. Über zwei Drittel der verbleibenden zehn Prozent könnten wiederum durch eine Operation geheilt werden, wenn wir den Dickdarmkrebs mit Hilfe der Dickdarmspiegelung in einem frühen Stadium erkennen würden. Rechnet man diese Zahlen hoch, wären von den derzeit jährlich 29 000 Todesfällen wegen Darmkrebs 27 000 vermeidbar.


Was sind Ihrer Ansicht nach die Gründe, dass nicht mehr Menschen zur Früherkennung gehen?

Zum einen mangelt es sicher an Informationen. Bei manchen Menschen sind die erforderliche Darmreinigung sowie die Angst vor der Untersuchung ein Hindernis. Für andere ist die Vorstellung einer Darmspiegelung mit Schamgefühlen verbunden. Wer aber von der Untersuchung nichts mitbekommen möchte, erhält ein kurz wirkendes Beruhigungsmittel und verschläft die Untersuchung. Übrigens wird die Darmspiegelung als Vorsorgeuntersuchung immer von einem Facharzt durchgeführt, das ist vorgeschrieben.


Warum werden nicht andere bildgebende Verfahren wie CT oder Röntgen vermehrt genutzt?

Nur mit dem Endoskop kann der Dickdarm auch bei kleinsten Veränderungen direkt begutachtet werden. Gleichzeitig können Gewebeproben zur weiteren Analyse entnommen oder gutartige Wucherungen wie Polypen entfernt werden. Zudem geht von Röntgenstrahlen eine gewisse Strahlenbelastung aus, die durch eine Darmspiegelung vermieden werden kann.


Wie kann man sich vor Darmkrebs schützen?

Für alle Altersgruppen gilt, dass viel Bewegung, wenig Alkohol, der Verzicht auf Nikotin und eine ballaststoffreiche und fettarme Ernährung mit wenig rotem Fleisch anerkannte Vorsorgemaßnahmen sind. Darüber hinaus aber vor allem durch die zeitgerechten Vorsorgeuntersuchungen.


Wer sollte zur Darmkrebs-Früherkennung gehen?

Grundsätzlich alle Menschen ab 50 Jahren. Bis zum 55. Lebensjahr wird eine jährliche Blutuntersuchung im Stuhl empfohlen. Danach sollte eine Spiegelung des gesamten Dickdarmes durchgeführt und bei unauffälligem Befund spätestens nach zehn Jahren wiederholt werden. Eine frühere Vorsorgeuntersuchung ist dann angezeigt, wenn bei einem Verwandten ersten Grades bereits in einem jüngerem Alter Darmpolypen entfernt wurden oder eine Darmkrebsoperation durchgeführt wurde.

Letzte Änderung: 23.02.2009

Im Interview:

Prof. Michael Gregor

Bis 31.03.2011 Ärztlicher Direktor Innere Medizin I

Einrichtung: Innere Medizin I, Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie

Früherkennung

Die Darmkrebs-Früherkennung bieten viele gastroenterologische Fachpraxen, Polikliniken und natürlich auch das Universitätsklinikum Tübingen an. Sinnvoll ist ein vorheriges Gespräch mit dem Hausarzt.

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