Endometriose – Minimal-invasive Chirurgie
Prof. Dr. med. Diethelm Wallwiener, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Tübingen zum Thema Endometriose – Minimal-invasive Chirurgie
Was sollten sie unbedingt über die Endometriose wissen?
Die Endometriose bezeichnen wir Experten in der Frauenheilkunde als das Chamäleon der Gynäkologie. Das soll Sie jetzt gar nicht erschrecken, aber Endometriose kann alle Symptome vortäuschen oder verursachen die man haben kann. Das geht los bei unklaren Unterbauchbeschwerden, das betrifft junge Frauen mit schmerzhafter Periodenblutung, gerade in der Übergangszeit vom Mädchen zur Frau und es ist lebensphasenspezifisch, dass sie sich immer anders äußert. Immer ein Chamäleon, wo ganz andere Sachen dahinter stecken können. Aber man muss immer, immer an diese Endometriose denken. Das gilt vor allen Dingen nicht nur für die Ärzte, die es oft auch nicht wissen oder Fehldiagnosen im sehr, sehr starken Maße stellen, sondern natürlich auch für die Mädchen, die jungen Frauen und die Frauen. Lebensphasenspezifisch weiter geht es natürlich, wenn dann die Frau zur Mutter werden will, dann ist das große Problem, dass die Endometriose eben sehr, sehr häufig – was natürlich die Paarbeziehungen auch oft beeinflusst – zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen. Das ist ein ganz großes Problem. Und dann natürlich auch das Schwangerwerden, die Fertilisation dann stören können und deshalb ist es wichtig, dass Sie als Mädchen, als junge Frau, oder als leidtragende Patientin einfach wissen, dass Sie aufgenommen werden müssen in dieses große Ganze: Endometriose-Family, damit Ihnen in jede Richtung geholfen wird. Es kann nämlich auch sein, dass ihre Paarbeziehungen dadurch belastet werden, weil Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sind und in der Bewusstmachung, die ich als wesentlich empfinde, gehen wir immer auch auf die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte zu, sodass sie frühzeitig diese Symptome: Geschlechtsverkehrsprobleme, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, Blut im Stuhl, unspezifische Periodenbeschwerden, Auftreten der Periodenbeschwerden bei Endometriose-Patienten 2-3 Tage vor dem Einsetzen der Blutung. Das ist hochspezifisch dafür, deshalb müssen wir das klar machen und müssen auch den Frauen sagen: Ihr Frauen, ihr Mädchen, ihr müsst euch trauen zu sagen, dass es weh tut. Es ist nicht so wie oft gesagt worden ist in der Bibel “Du sollst unter Schmerzen empfangen und du sollst unter Schmerzen gebären”. Jede 10. Frau mindestens hat in Deutschland Endometriose und ich glaube, dass diese ganze Problematik – Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, nicht schwanger werden können – in der Mehrzahl der Fälle Endometriose-bedingt oder Endometriose-assoziiert ist.
Welche Ursachen für eine Endometriose sind Ihnen bekannt?
Weltweit forschen wir daran: „Wie kann Endometriose entstehen?“ Es gibt viele Hypothesen, aber noch keine ist wissenschaftlich bewiesen. Wichtig ist, dass die betroffene Frau, die betroffene Patientin, das betroffene Mädchen nicht wieder gleich – was für Frauen so charakteristisch ist – hinterfragt und denkt sie hat irgendwas falsch gemacht. Es liegt nicht an der Pille, es liegt nicht daran, dass man was falsch gemacht hat. Es werden einfach die Gebärmutterschleimhautzellen, die in der Gebärmutter ja physiologisch drin sind und abgekapselt sind, die werden aus irgendwelchen Gründen aus der Gebärmutter raus, in den Bauchraum wie verpflanzt/transplantiert und wachsen dort an und machen dann natürlich das, was die Gebärmutterschleimhaut gelernt hat zu machen. Zyklisch blutet sie ab und dieses Abbluten macht dann natürlich die Beschwerden im Bauch oder in anderen Organen, dort wo die Endometriose natürlich nicht hingehört. Die Endometriose ist keine bösartige Erkrankung aber dadurch, dass sie überall hin wuchern kann – man muss sich das so vorstellen wie in der Höhle Moos, wenn sie in der Höhle ein kleines Stück Moos an die Wand setzen, dann wächst es weiter an, dann breitet sich das Moos immer weiter aus – und genauso so sieht es auch aus wenn man in den Bauchraum einer Betroffenen hinein schaut, dann sieht es genau so aus als würde da Moos wuchern. Das hat dann zwar keine grüne Farbe, sondern braune Farbe und deshalb sagt man es ist kein bösartiges Wachstum, aber es ist biologisch maligne. Das kann andere Organe, vor allen Dingen das innere Genital – Gebärmutter, Eierstöcke, Eileiter, Darm, Beckenwände, das Ende der Scheide, vor allen Dingen auch wirklich zerstören.
Gibt es familiäre Häufung/Risiko für Endometriose?
Es gibt statistische Anzeichen epidemiologischerseits, dass eine familiäre Häufung sein kann. Wir gehen aber davon aus, dass es verschiedene Arten von Endometriose gibt. Es gibt die sanfte Endometriose, die wir zufällig bei einer anderen Operation entdecken. Es gibt aber die “bösartig” aggressive Endometriose und so denken wir, dass bestimmte Endometriose-Typen vielleicht sogar auch mal einen Eierstockkrebs bedingen können und da ist die Genetik natürlich schon prädisponierend. Wobei man, wenn man eine Endometriose-Mutter hat, nicht unbedingt dann Angst haben muss, dass man es auch kriegt. Aber man sollte natürlich eine gewisse Früherkennungsmöglichkeit dann wahrnehmen.
Siehe auch
Endoemtriosezentrum an der Fauenklinik