Universitätsklinik für
Urologie
Universitäres Kompetenzzentrum
für Präzisionschirurgie und robotergestützte Urologie

400

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Robotergestützte transperineale Prostatabiopsie mit dem Mona Lisa (Biobot)-System

Robotergestützte transperineale Prostatabiopsie
mit dem Mona Lisa (Biobot)-System

Höchste Präzision für die sichere Diagnose von Prostatakrebs

Die frühzeitige und zuverlässige Diagnose eines Prostatakarzinoms ist entscheidend für die Wahl der optimalen Therapie. Obwohl moderne bildgebende Verfahren wie die multiparametrische Magnetresonanztomographie (mpMRT) verdächtige Veränderungen der Prostata mit hoher Genauigkeit darstellen können, lässt sich die Diagnose eines Prostatakarzinoms ausschließlich durch die feingewebliche Untersuchung von Gewebeproben sichern.

In der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Tübingen setzen wir hierfür u.a. das robotergestützte Biopsiesystem Mona Lisa (Biobot) ein. Die innovative Technologie kombiniert MRT- und Ultraschalldaten zu einem dreidimensionalen Modell der Prostata und ermöglicht eine hochpräzise, navigierte Gewebeentnahme. Dadurch können klinisch bedeutsame Tumoren zielgerichtet erkannt und gleichzeitig unnötige Gewebeverletzungen reduziert werden.

Die Biopsie erfolgt transperineal, also über den Damm, und nicht über den Enddarm. Dieses Verfahren gilt heute als besonders schonend und zeichnet sich durch ein deutlich geringeres Infektionsrisiko im Vergleich zur transrektalen Biopsie aus.

Wann ist eine Prostatabiopsie sinnvoll?

Eine Prostatabiopsie wird empfohlen, wenn der Verdacht auf ein Prostatakarzinom besteht. Mögliche Gründe hierfür sind:

  • auffällige Veränderungen in der multiparametrischen MRT der Prostata,

  • erhöhte oder ansteigende PSA-Werte,

  • ein auffälliger Tastbefund der Prostata,

  • Verlaufskontrolle im Rahmen einer Active Surveillance bei niedrig aggressivem Prostatakarzinom.

Moderne Robotik für maximale Präzision

Das Mona Lisa (Biobot)-System unterstützt den behandelnden Urologen bei der Planung und Durchführung der Biopsie mit höchster Präzision.

Vor der Untersuchung werden die MRT-Aufnahmen der Prostata mit den Ultraschallbildern während des Eingriffs fusioniert. Dadurch entsteht ein dreidimensionales Navigationsmodell, das eine millimetergenaue Darstellung verdächtiger Regionen ermöglicht.

Der Roboter ersetzt dabei nicht den Operateur, sondern dient als intelligentes Navigationssystem. Der gesamte Eingriff wird von einem erfahrenen Urologen durchgeführt, während das System die exakte Platzierung jeder einzelnen Biopsienadel unterstützt und dokumentiert.

Die digitale Speicherung sämtlicher Entnahmestellen ermöglicht zudem eine präzise Verlaufskontrolle sowie eine noch individuellere Therapieplanung.

Abbildung des Geräts

Vorteile der robotergestützten transperinealen Biopsie

Präzise Diagnostik

Durch die Kombination von MRT und Ultraschall können auffällige Areale gezielt biopsiert werden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, klinisch relevante Prostatakarzinome zuverlässig zu erkennen.

Schonendes Verfahren

Die Gewebeentnahme erfolgt über den Damm und somit außerhalb des Darms. Dies reduziert das Risiko bakterieller Infektionen erheblich. Gleichzeitig erfolgt der Eingriff minimalinvasiv – in der Regel über lediglich zwei kleine Punktionsstellen.

Exakte Dokumentation

Jede entnommene Gewebeprobe wird dreidimensional dokumentiert. Diese Informationen können bei späteren Kontrollbiopsien, einer aktiven Überwachung oder der Planung einer fokalen beziehungsweise operativen Therapie gezielt genutzt werden.

Individuelle Therapieplanung

Die hohe Präzision der Biopsie liefert eine verlässliche Grundlage für die Auswahl der bestmöglichen Behandlungsstrategie – von der aktiven Überwachung bis hin zur operativen oder strahlentherapeutischen Behandlung.

Warum dasUniversitätsklinikum Tübingen?

Die Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Tübingen verbindet langjährige klinische Erfahrung mit modernster bildgestützter Robotik.

Unser Anspruch ist es, jedem Patienten eine Diagnostik auf höchstem medizinischem Niveau anzubieten. Der Einsatz des Mona Lisa (Biobot)-Systems ermöglicht eine besonders präzise Gewebeentnahme, eine hohe diagnostische Sicherheit und eine individuelle Therapieplanung nach aktuellen wissenschaftlichen Standards.

Dabei profitieren unsere Patientinnen und Patienten von:

  • modernster MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie,

  • transperinealer, besonders infektionsarmer Technik,

  • hoher diagnostischer Präzision,

  • digital dokumentierter Biopsieplanung,

  • umfassender Beratung und persönlicher Betreuung durch ein erfahrenes urologisches Expertenteam.

Ablauf der Untersuchung

Die Planung der Biopsie erfolgt anhand Ihrer MRT-Bilder der Prostata. Bitte bringen Sie diese zum Untersuchungstermin auf CD oder als QR-Code mit.

Vor dem Eingriff werden außerdem:

  • aktuelle Laborwerte einschließlich Gerinnungsdiagnostik bestimmt,

  • blutverdünnende Medikamente individuell überprüft,

  • gegebenenfalls eine Antibiotikaprophylaxe durchgeführt,

  • ein Aufklärungsgespräch durchgeführt und ein Narkosegespräch vereinbart.

Da die Biopsie in Kurznarkose erfolgt, müssen die üblichen Nüchternheitsvorgaben eingehalten werden.

Der Eingriff wird in kurzer Vollnarkose durchgeführt.

Über zwei kleine Punktionsstellen im Bereich des Dammes werden mithilfe des robotergestützten Navigationssystems gezielt Gewebeproben aus den zuvor definierten Regionen der Prostata entnommen.

Die Kombination aus MRT, Ultraschall und Robotik ermöglicht eine außergewöhnlich präzise Biopsie bei gleichzeitig minimaler Belastung für den Patienten.

Nach dem Eingriff werden Sie zunächst im Aufwachraum überwacht.

Vor Ihrer Entlassung wird kontrolliert, ob die Blasenentleerung problemlos möglich ist.

Leichte Blutbeimengungen im Urin, aus der Harnröhre oder im Samenerguss können in den ersten Tagen bis Wochen auftreten und stellen in der Regel keinen Anlass zur Sorge dar.

Für etwa eine Woche sollten intensive körperliche Belastungen, Saunabesuche sowie Vollbäder vermieden werden.

Die Ergebnisse der feingeweblichen Untersuchung können anschließend ausführlich in unserer urologischen Sprechstunde mit Ihnen besprochen werden.

Mikroultraschallgestützte Prostatabiopsie – eine Alternative bei fehlender MRT-Möglichkeit

Nicht bei jedem Patienten kann eine multiparametrische MRT (mpMRT) der Prostata durchgeführt werden. Gründe hierfür können beispielsweise bestimmte Implantate oder andere Kontraindikationen für eine MRT, eine fehlende Verfügbarkeit oder eine eingeschränkte Durchführbarkeit der Untersuchung sein.

Für diese Patienten bietet die Klinik für Urologie des Universitätsklinikums Tübingen zusätzlich die hochauflösende mikroultraschallgestützte Prostatastanzbiopsie an.

Die Mikroultraschalltechnologie (Micro-Ultrasound, Micro-US) arbeitet mit einer deutlich höheren Ultraschallfrequenz als der konventionelle Ultraschall und ermöglicht dadurch eine hochauflösende Darstellung der Prostatagewebearchitektur in Echtzeit. Verdächtige Areale können während der Untersuchung direkt identifiziert und gezielt biopsiert werden. Zur standardisierten Beurteilung kann dabei das etablierte PRI-MUS-System (Prostate Risk Identification using Micro-Ultrasound) eingesetzt werden.

Wissenschaftlich belegte diagnostische Genauigkeit

Die diagnostische Leistungsfähigkeit der Mikroultraschall-gestützten Prostatabiopsie wurde inzwischen in mehreren prospektiven Studien sowie in randomisierten Studien untersucht. Bei Patienten mit klinischem Verdacht auf ein Prostatakarzinom war die Erkennung klinisch signifikanter Tumoren durch die Mikroultraschall-gestützte Biopsie der MRT-Fusionsbiopsie statistisch nicht unterlegen. Damit stellt die Mikroultraschall-Technologie eine wissenschaftlich gut untersuchte und klinisch relevante Möglichkeit dar, auch bei Patienten ohne vorherige MRT eine gezielte Prostatabiopsie durchzuführen. Gleichzeitig bleibt die mpMRT bei Patienten, bei denen sie durchgeführt werden kann, ein wichtiger Bestandteil der modernen Prostatakarzinomdiagnostik und wird gemäß aktuellen europäischen Leitlinien grundsätzlich vor einer Biopsie empfohlen.

Vorteile des Mikroultraschalls

Echtzeit-Bildgebung:

Die Prostata wird während der Biopsie unmittelbar und hochauflösend dargestellt.

Gezielte Gewebeentnahme:

Auffällige Areale können direkt während der Untersuchung identifiziert und gezielt biopsiert werden.

Keine MRT erforderlich:

Das Verfahren kann insbesondere bei Patienten eingesetzt werden, bei denen eine mpMRT nicht möglich oder nicht verfügbar ist.

Hohe diagnostische Leistungsfähigkeit:

Studien zeigen eine mit der MRT-gezielten Biopsie vergleichbare Erkennung klinisch signifikanter Prostatakarzinome.

Kombination mit systematischer Biopsie:

Die gezielte Entnahme auffälliger Areale kann mit einer systematischen Probenentnahme kombiniert werden, um die diagnostische Sicherheit weiter zu erhöhen.

Welche Methode ist für mich geeignet?

Welche Bildgebung und welche Biopsietechnik eingesetzt wird, hängt von der individuellen Situation ab. Wenn eine mpMRT der Prostata möglich und medizinisch sinnvoll ist, empfiehlt sich in der Regel die MRT-gezielte Biopsie durchführen zu lassen.

Ist eine MRT dagegen nicht möglich, kann die mikroultraschallgestützte Prostatabiopsie eine wissenschaftlich fundierte Alternative darstellen. Die Entscheidung für das geeignete Verfahren erfolgt individuell unter Berücksichtigung der persönlichen Risikofaktoren, der bisherigen Untersuchungen und der klinischen Fragestellung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Nein. Die Biopsie erfolgt entweder in einer Kurznarkose (beim Biobot-System) oder in Lokalanästhesie (bei der Mikro-US-gestützen Biopsie), sodass Sie den Eingriff nicht wahrnehmen.

Der eigentliche Eingriff dauert nur kurze Zeit (ca. 20min). Für Vorbereitung, ggf. Narkose und Überwachung sollten Sie insgesamt mehrere Stunden einplanen.

Durch den transperinealen Zugangsweg außerhalb des Darms ist das Infektionsrisiko deutlich geringer als bei der früher häufig angewandten transrektalen Biopsie.

Die feingewebliche Untersuchung kann bis ca. 10 Tage dauern.

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