Stand der Diabetesversorgung im Klinikum 2022
Überblick über den Stand der Diabetesversorgung im Klinikum – Oktober 2022
Liebe Mitglieder des Südwestdeutschen Diabeteszentrums,
durch die Corona-Pandemie und die Maßnahmen, die von Seiten des Staates damit verbunden wurden, haben wir in den letzten 12 Monaten die Aktivitäten des Zentrums nach außen zurückgestellt. Geplante Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte haben wir nicht durchführen können und planen dies auch nicht für den Herbst und Winter 2022.
Dennoch ergeben sich einige Aktivitäten, über die wir Ihnen ein Update geben möchten. Ebenso wollen wir einen Überblick über den Stand der Diabetesversorgung im Klinikum geben.
1.) Fortbildung Basisqualifikation Diabetes Pflege
Das Diabetesteam der Medizinischen Klinik IV wird im Frühjahr 2023 eine Weiterbildung „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ für das Pflegepersonal des Klinikums anbieten. Diese Weiterbildung ist mit der Vergabe eines Zertifikats der Fachgesellschaft DDG verbunden. Der Kurs ist für Pflegekräfte innerhalb des Klinikums kostenfrei. Bitte verbreiten Sie diese Möglichkeit bei Ihrem Pflegepersonal. Genaue Termine werden wir rechtzeitig bekanntgeben. Eine Wiederholung des Kurses ist für Ende 2023 geplant.
2.) Klinikumsweite Überarbeitung der SOP Diabetes (Erwachsene)
Verschiedene SOPs für die Diabetesbehandlung existieren im Roxtra-System noch für einzelne Fachabteilungen. Wir haben uns zum Ziel für die nächsten Monate gesetzt, diese Einzelanwendungen (z.B. Insulinpläne) UKT-weit zu harmonisieren.
3.) Ketoazidose-Präventionskampagne
Seit 2021 läuft bundesweit eine Aufklärungskampagne mit initiiert durch Prof. Andreas Neu, die über die Symptome einer Diabetesmanifestation bei Kindern und Jugendlichen aufklärt. Ziel ist die schnelle Zuordnung dieser Symptome und damit eine rasche Diagnosestellung und Therapieeinleitung. Die Zahl der Ketoazidosen bei Manifestation hat sich besonders während der Corona-Pandemie deutlich erhöht, was am ehesten auf eine verzögerte Diagnostik zurück gehen dürfte. An der Kinderklinik Tübingen werden derzeit mehr als 40% aller Kinder und Jugendlichen bei Manifestation mit einer diabetischen Ketoazidose aufgenommen.
4.) Übersicht zur Entwicklung der Diabeteshäufigkeit in Deutschland
Während der letzten 2 Jahre ist es bundesweit zu einem Anstieg der Diabetesneumanifestationen gekommen (1,2). Es wird spekuliert, ob sich dies nicht mit der Corona-Infektion direkt oder dadurch ausgelösten Autoimmunreaktionen erklären lässt, neuere Arbeiten unterstützen diese Hypothesen nicht (1,3). Derzeit ist es am plausibelsten, dass der Anstieg der Neumanifestationen durch die Pandemiemaßnahmen erklärbar ist, die mit Übergewicht, verminderter körperlicher Aktivität und psychischen Belastungen einhergehen (1,2). Sicherlich sind auch einige steroidinduzierte Diabetesmanifestationen durch die regelhafte hochdosierte Dexamethasongabe bei Covid bedingt. Untersuchungen, ob mRNA-Impfungen eine Diabetesneumanifestation auslösen können und somit zum Anstieg der Diabetesinzidenzen beitragen, sind bisher leider nicht durchgeführt worden. Es ist jedoch gut belegt, dass das Vorhandensein eines Diabetes mit einem schweren Verlauf der Covid-Erkrankung einhergeht und zu höherer Mortalität führt (4).
5.) Übersicht zur Entwicklung der stationären Diabetesbehandlungen
Während der gesamten Corona-Pandemie konnte die stationäre und ambulante Behandlung von Diabetespatienten in der Kinderklinik und der Medizinischen Klinik IV weitergeführt werden. Wir danken für das außergewöhnliche Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Diabetesberatung, Pflege und ärztlichem Dienst.
Die allgemeinen stationären Einweisungen nahmen während der Corona-Pandemie ab, dieser Trend scheint anzuhalten. Im Gegensatz dazu nahm die relative Zahl der stationären Diabetesbehandlungen im Jahr 2020 zu, wie wir kürzlich in einer Auswertung bundesweiter Daten zeigen konnten (5). Somit kommen weiter hohe Belastungen auf unseren Konsiliardienst zu, der aber weiterhin zum Ziel hat, dass in der Regel binnen 4-6 Stunden nach Anmeldung ein Diabetes-Konsil erfolgt.
Wir möchten darauf hinweisen, dass wenigstens bei jeglichem stationären Patienten über 50 Jahren ein Screening auf Diabetes (6) erfolgen sollte (Abnahme HbA1c, Bestimmung aus routinemäßig abgenommenem Blutbild (EDTA) möglich).
Mit herzlichem Gruß
Prof. Dr. Andreas Fritsche, Prof. Dr. Andreas Neu, Prof. Dr. Andreas Birkenfeld
Literatur
1.) Kamrath C et al. Incidence of Type 1 Diabetes in Children and Adolescents During the COVID-19 Pandemic in Germany: Results From the DPV Registry. Diabetes Care. 2022 Aug 1;45(8):1762-1771. doi: 10.2337/dc21-0969.
2.) Rathmann W et al. Incidence of newly diagnosed diabetes after Covid-19. Diabetologia. 2022 Jun;65(6):949-954. doi: 10.1007/s00125-022-05670-0.
3.) Rewers M et al. SARS-CoV-2 Infections and Presymptomatic Type 1 Diabetes Autoimmunity in Children and Adolescents From Colorado, USA, and Bavaria, Germany. JAMA. 2022 Aug 5:e2214092. doi: 10.1001/jama.2022.14092.
4.) Stefan N et al. Obesity and Impaired Metabolic Health Increase Risk of COVID-19-Related Mortality in Young and Middle-Aged Adults to the Level Observed in Older People: The LEOSS Registry. Front Med (Lausanne). 2022 May 11;9:875430. doi: 10.3389/fmed.2022.875430.
5.) Auzanneau M et al. Stationäre Krankenhausaufnahmen mit und ohne Diabetes: Langzeittrends und erstes COVID-Jahr (DRG-Statistik). Diabetologie und Stoffwechsel 2022; 17(S 01): S68
DOI: 10.1055/s-0042-1746396
6.) Kufeldt J et al. Prevalence and Distribution of Diabetes Mellitus in a Maximum Care Hospital: Urgent Need for HbA1c-Screening. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2018 Feb;126(2):123-129. doi: 10.1055/s-0043-112653.
Mitgliederversammlung:
Patientenzufriedenheit 95%
Von 119 Rückmeldungen zur Behandlung auf der Station 76 (Wochenklinik) haben 95% der Patienten mit „sehr gut“ bzw. „gut geantwortet.
Nationale Versorgungs-Leitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes neu erschienen
Die NVL Typ-2-Diabetes wurde unter Mitarbeit der Uniklinik Tübingen / Diabetologie erstellt. Sie ist ein Beispiel dafür, wie in der Diabetologie interdisziplinär gearbeitet wird. Dies belegt die Beteiligung von vielen medizinischen Fachgesellschaften. Diese Interdisziplinarität ist auch im Südwestdeutschen Diabeteszentrum verwirklicht.
Die Kurzfassung der neuen nationale Versorgungsleitlinie Typ-2-Diabetes ist abrufbar unter:
www.leitlinien.de/themen/diabetes/kurzfassung/dm-2aufl-vers1-kurz.pdf
Die Langfassung und weitere Ansichten stehen unter
www.leitlinien.de/themen/diabetes
zur Verfügung.
SWDZ-Mitglieder in der Fachgesellschaft Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
- Prof. Dr. Andreas Neu, Präsident der DDG
- Prof. Dr. Andreas Fritsche, Vizepräsident der DDG
- Prof. Dr. Baptist Gallwitz, Pressesprecher der DDG
110 Pflegefachkräfte mit Basisqualifikation Diabetes DDG am Klinikum
Mit dem nunmehr 6. Kurs Basisqualifikation Pflege Diabetes DDG haben inzwischen 110 Pflegefachkräfte am Klinikum die Zusatzqualifikation im Rahmen der 2-tägigen Fortbildung erworben. Am 24. September absolvierten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen erfolgreich den Kurs, der auch im kommenden Frühjahr und Herbst angeboten werden soll.
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