Studie zum Organerhalt beim Rektumkarzinom
In den letzten Jahren haben neue Therapiekonzepte mit dem Ziel einer vollständigen lokalen Rückbildung des Enddarmkrebses („Rektumkarzinom“) zunehmend Eingang in nationale und internationale Leitlinien gefunden – zuletzt auch in die deutsche S3-Leitlinie.
Die Universitätsklinik Tübingen ist auf diesem Gebiet seit vielen Jahren klinisch und wissenschaftlich aktiv. Neben der Durchführung mehrerer klinischer Studien bieten wir seit Langem eine spezialisierte Sprechstunde zum Organerhalt beim Rektumkarzinom an.
Seit Kurzem kann unser therapeutisches Spektrum durch eine weitere klinische Studie erweitert werden: die MARS-Studie.
Studienkonzept
Die MARS-Studie untersucht den Einsatz einer besonders präzisen Form der Strahlentherapie mit dem Ziel, hohe Strahlendosen gezielt auf den sichtbaren Tumor im Enddarm zu applizieren und so die Wahrscheinlichkeit einer vollständigen Tumorrückbildung im Enddarm zu erhöhen. Dies ist insbesondere für PatientInnen relevant, die bei einem operativen Eingriff dauerhaft einen künstlichen Darmausgang benötigen würden.
In der MARS Studie kommt eine Behandlung an einem „MR-Linac“ zum Einsatz. Diese Technologie ist erst seit wenigen Jahren verfügbar und erlaubt die präzise Gabe hoher Strahlendosen auf Tumore u.a. im Enddarm.
Die Studie wird von der Radioonkologie des Universitätsklinikums Tübingen koordiniert und an mehreren Zentren weltweit durchgeführt.
Für welche Patientinnen und Patienten kommt die Studie infrage?
Die MARS-Studie richtet sich insbesondere an Patientinnen und Patienten mit Tumoren, die in der Nähe des Schließmuskels liegen und maximal einen Befall von 70% der Zirkumferenz zeigen. Es existieren noch weitere Ein- und Ausschlusskriterien, die im Einzelfall geprüft werden müssen.
Therapieablauf im Rahmen der MARS-Studie
Im Rahmen der MARS-Studie erfolgt zusätzlich zur „Standard“ Strahlenchemotherapie über ca. 5 Wochen, einmal wöchentlich eine zusätzlich Bestrahlung am „MR-Linac“ auf den sichtbaren Tumor. Die „Standard“-Strahlenchemotherapie kann in Einzelfällen auch an einer heimatnahen kooperierenden Klinik durchgeführt werden.
Zeigt sich in der anschließenden Verlaufskontrolle mittels Kernspintomographie und Rektoskopie eine vollständige Tumorrückbildung, kann entsprechend der aktuellen Leitlinienempfehlungen ein organerhaltendes Vorgehen mit engmaschiger Nachsorge angeboten werden. Diese umfasst strukturierte Kontrollen mittels MRT und Endoskopie.
Nähere Information für ärztliche Kolleginnen & Kollegen
Sprechstunde zum Organerhalt beim Rektumkarzinom
Kontakt:
Prof. Dr. med. Cihan Gani
cihan.gani@med.uni-tuebingen.de